Erfahrungen mit Ausbeutung und Schikane

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EichfelderC
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Erfahrungen mit Ausbeutung und Schikane

Beitragvon EichfelderC » 06.05.2015 - 15:47

Hallo zusammen,

ich heiße Christopher Eichfelder und recherchiere derzeit für die Süddeutsche Zeitung zum Missbrauch von Work and Travel-Arbeitern in Australien. Eine Frage an Euch: Hat jemand selbst Erfahrungen mit dem Thema gemacht oder kennt jemanden, der mir seine Situation etwas genauer schildern kann?

Ich würde mich sehr über Euer Feedback freuen.

Liebe Grüße!
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Yassakka
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Beitragvon Yassakka » 06.05.2015 - 22:40

Welche Art von Missbrauch denn?
Also einfach nur die "normal miese" Bezahlung? Locken mit falschen Versprechen und Unterkünfte in nicht einwandfreiem Zustand? Solche Sachen gibt es ja "ständig", da werden unbedarfte Backpacker "ausgebeutet" soweit es eben geht, ohne dass sich jemand beschwert. Und bis sich Backpacker beschweren muss schon eine Menge passieren. Dazu kann vermutlich jeder Backpacker eine Geschichte erzählen.

Oder reden wir von richtig kriminellen Machenschaften mit "gefangenhalten" auf entlegenen Farmen, überhaupt keinen Lohn bezahlen, etc.?
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Beitragvon EichfelderC » 07.05.2015 - 09:19

Jede Art von Ausbeutung und sonstigem Missbrauch. Es geht mir darum, Erfahrungswerte zu sammeln, wie die Abläufe in Australien teilweise sind. Kannst Du mir etwas zur schlechten Bezahlung erzählen? Oder hast Du noch mehr erlebt? Es ist ja auch schon von Belästigung die Rede, manche sollen in der Hitze nicht einmal etwas zu trinken bekommen oder auf die Toilette gehen dürfen. Kann ich Dich für einen Artikel zitieren? Wäre super, wenn Du mir Deine Sicht der Dinge sowie Namen in einer PN schicken könntest.
Zuletzt geändert von EichfelderC am 07.05.2015 - 09:45, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Wastl » 07.05.2015 - 09:19

Mich würde auch sehr interessieren, was genau mit "Missbrauch von Work und Travel Arbeitern" gemeint ist?

Ich selbst wurde einmal nicht bezahlt und musste mir das Geld erstreiten. Außerdem bin ich auch in die dubiosen Working Hostels in Bundaberg gegangen. Überteuerte und schlecht ausgestattete Hostels, teils "cash-in-hand"-Arbeit (Schwarzarbeit), undurchsichtige Lohnabrechnungen, leere Versprechungen etc.

Dennoch würde ich generell nicht von Missbrauch oder Ausbeutung reden. Es gibt viele Firmen, die Backpacker zu ihrem Vorteil nutzen und darauf ihr Geschäftsmodell aufbauen. Aber da gehören halt auch immer 2 Seiten dazu. Die meisten Backpacker wissen, was auf sie zukommt. Viele nehmen die Jobs aus Verzweiflung an oder um ihr Visum zu verlängern. Ich würde hier also nicht unbedingt von Missbrauch oder kriminellen Machenschaften reden. Es ist nicht so, dass Backpacker gezielt angelockt oder angeworben werden. Außerdem steht es jedem Backpacker frei, jederzeit zu kündigen und weiter zu ziehen. Leider nur ist das zumeist aus Geldsorgen ein Schritt, den Viele nicht gehen wollen oder können und sich letztlich in einem Teufelskreis wiederfinden.

Bei mehr Interesse auch gern eine PM an mich senden.
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Beitragvon Wastl » 07.05.2015 - 09:28

EichfelderC hat geschrieben:Es ist ja auch schon von Belästigung die Rede, manche sollen in der Hitze nicht einmal etwas zu trinken bekommen oder auf die Toilette gehen dürfen.


Habe ich in 2 Jahren Australien nicht einmal von Jemanden gehört. Wenn, dann sind das absolute Einzelfälle. Backpacker übertreiben auch gern etwas, wenn sie ihre Reisegeschichten weitererzählen. Nur das mit der (sexuellen) Belästigung habe ich wirklich ein paar mal gehört, wo Hostelbesitzer ihre weiblichen Gäste angraben und unmoralische Angebote machen.
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Beitragvon Carpool Guy » 08.05.2015 - 03:38

EichfelderC hat geschrieben:Jede Art von Ausbeutung und sonstigem Missbrauch. Es geht mir darum, Erfahrungswerte zu sammeln, wie die Abläufe in Australien teilweise sind. Kannst Du mir etwas zur schlechten Bezahlung erzählen? Oder hast Du noch mehr erlebt? Es ist ja auch schon von Belästigung die Rede, manche sollen in der Hitze nicht einmal etwas zu trinken bekommen oder auf die Toilette gehen dürfen.


"Wurdest du wirklich nicht belaestigt? Nicht mal ein ganz kleines bischen? Vielleicht von einem verschwitzten typen auf dem feld seltsam angeguckt? Na ueberleg doch nochmal, irgendwas faellt dir sicher noch ein ..." - klingt mir eher wie ein Bild reporter, der krampfhaft versucht irgendwelche sensationsstories herbeizuschreiben wo keine sind.

Es liegt im interresse der farmer, die arbeiter dort gut zu behandeln. Die leute werden pro tag bezahlt. Wenn jemand nicht bezahlt, keine pausen gibt oder sich sonst irgendwie assozial gegenueber seinen arbeitern verhaelt, dann wissen das nach 5 minuten alle anderen die an diesem tag auf der farm sind. Im schlimmsten fall arbeiten die backpacker, die sich ungerecht behandelt fuehlen am naechsten tag auf einer anderen farm und erzaehlen es im hostel weiter, was dazu fuehren wuerde dass dem farmer waehrend der ernte der gewinn wegbricht weil er sein gemuese nichtmehr rechtzeitig ernten und verkaufen kann bevor es schlecht oder ueberreif ist. Dafuer hat er waehrend der erntesaison nur ein paar tage, weswegen es schnell (= viele arbeiter) und problemlos gehen muss.

Ich war auch mal auf einer farm wo der vorarbeiter staendig rumgeschrien und genervt hat, keine pausen gegeben hat und verlangte das leute unbezahlt laenger arbeiten, was den anderen backpackern ebenfalls nicht gefallen hat. Am abend haben sich ein paar andere backpacker ueber ihn im hostel (das hostel hat transport auf die farm und zurueck organisiert) beschwert, worauf dieses hostel eben keine arbeiter mehr an seine farmen vermittelt hat - und das war auch schon das ende der geschichte.
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Beitragvon Wastl » 08.05.2015 - 09:40

Carpool Guy hat geschrieben:Im schlimmsten fall arbeiten die backpacker, die sich ungerecht behandelt fuehlen am naechsten tag auf einer anderen farm und erzaehlen es im hostel weiter, was dazu fuehren wuerde dass dem farmer waehrend der ernte der gewinn wegbricht weil er sein gemuese nichtmehr rechtzeitig ernten und verkaufen kann bevor es schlecht oder ueberreif ist.


Sehe ich nicht so. Ich würde das eher als den besten Fall beschreiben. Ich habe immer wieder erlebt, dass Backpacker für einen Hungerlohn, sei es aus Geldsorgen oder um das 2nd Year Visa zu bekommen, arbeiten gehen. Ergo, sollten sich Leute beschweren, kommen sie entweder am nächsten Tag wieder oder der Farmer bekommt einfach neue Arbeitskräfte.

Carpool Guy hat geschrieben:Am abend haben sich ein paar andere backpacker ueber ihn im hostel (das hostel hat transport auf die farm und zurueck organisiert) beschwert, worauf dieses hostel eben keine arbeiter mehr an seine farmen vermittelt hat - und das war auch schon das ende der geschichte.


Das war dann aber eines der wenigen guten Working Hostels. Den meisten Working Hostels geht es um den Profit. Sie wollen einfach die Leute auf Farmen unterbringen, um sicher zu stellen, dass ihre Betten ausgelegt sind und die wöchentliche Miete herein kommt. Dem Hostel ist es meist egal wie die Zustände auf den Farmen sind. Keine Backpacker mehr zu vermitteln ist für viele Hostels eher schädlich, da Backpacker nicht lang warten wollen bis sie einen Job bekommen und ausziehen könnten. Sozusagen eine win-win-Situation für Farmer und Hostelbesitzer.
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Beitragvon Yassakka » 12.05.2015 - 09:23

Und das hier ist dann übrigens dabei raus gekommen:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/a ... -1.2469013
Berichte und Blog zu meinen bisher drei Australienreisen: australienberichte.de
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Beitragvon thaener » 12.05.2015 - 19:01

das hier geht auch gerade um:

http://www.abc.net.au/4corners/stories/ ... 227055.htm

Wahnsinn
das leben ist eins der härtesten...
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Beitragvon Romana » 12.05.2015 - 21:52

Wastl hat geschrieben:.... Dennoch würde ich generell nicht von Missbrauch oder Ausbeutung reden. Es gibt viele Firmen, die Backpacker zu ihrem Vorteil nutzen und darauf ihr Geschäftsmodell aufbauen. Aber da gehören halt auch immer 2 Seiten dazu. Die meisten Backpacker wissen, was auf sie zukommt. Viele nehmen die Jobs aus Verzweiflung an oder um ihr Visum zu verlängern. Ich würde hier also nicht unbedingt von Missbrauch oder kriminellen Machenschaften reden. ...


Dieser Meinung möchte ich mich gern anschließen. Zum Beispiel haben hier im Forum schon öfters Leute geschrieben, sie würden nie wwoofen - also ohne Bezahlung, sondern ausschließlich für Verpflegung und Unterkunft, 4-6 Stunden pro Tag auf einer Farm arbeiten - weil sie das für Ausbeutung halten. Dennoch machen es viele Tausende von Menschen auf der ganzen Welt und alle Beteiligten sind glücklich damit. Wenn man das mal aus der Sicht des Farmers sieht, erkennt man bei ein bisschen Intelligenz schon, dass es sich NICHT um Ausbeutung oder Missbrauch handelt. Für mich belaufen sich zum Beispiel die Kosten dafür, mit meinem Kind auf einer großen Farm wohnen zu dürfen (für die wir Miete, Strom, Wasser, Versicherungen usw. zahlen), auf rund 100 Dollar pro Tag. Essen und Tierfutter nicht mit eingerechnet. Für die 100 Dollar muss ich selbst auch rund 4 Stunden pro Tag arbeiten. Und für Einkaufen und Kochen geht nochmals mindestens eine Stunde pro Tag drauf und fürs Aufräumen und Saubermachen noch eine weitere. Also arbeite ich selbst 6 Stunden pro Tag nur für Unterkunft und Verpflegung und bin nicht einmal ein Backpacker! Aber ausgebeutet fühle ich mich bestimmt nicht, denn dieser Lebensstil ist meine eigene Wahl. Warum sollte ich also nicht dieselbe Arbeitszeit auch von jemandem anderen verlangen können, der hier vorübergehend mitwohnen und essen will?
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
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Beitragvon Chacco » 13.05.2015 - 05:47

Jeder muss selbst wissen, ob er sich ausbeuten lässt oder nicht. Zudem kommt es auch auf das eigene Empfinden an, wie man z.B. bei Romana sieht. Ich würde mich da sehr ausgebeutet fühlen, aber das sieht jeder anders.
Wenn ein Farmer viel Geld verdient und nur wenig bis nichts abdrückt, ist der allgemeine Konsens wohl der, dass es sich um Ausbeutung handelt. Dies trifft aber auch auf Zeitarbeit und viele andere Bereiche in Deutschland zu.
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Beitragvon Ans » 29.07.2015 - 17:57

Romana hat geschrieben:
Wastl hat geschrieben:.... Dennoch würde ich generell nicht von Missbrauch oder Ausbeutung reden. Es gibt viele Firmen, die Backpacker zu ihrem Vorteil nutzen und darauf ihr Geschäftsmodell aufbauen. Aber da gehören halt auch immer 2 Seiten dazu. Die meisten Backpacker wissen, was auf sie zukommt. Viele nehmen die Jobs aus Verzweiflung an oder um ihr Visum zu verlängern. Ich würde hier also nicht unbedingt von Missbrauch oder kriminellen Machenschaften reden. ...


Dieser Meinung möchte ich mich gern anschließen. Zum Beispiel haben hier im Forum schon öfters Leute geschrieben, sie würden nie wwoofen - also ohne Bezahlung, sondern ausschließlich für Verpflegung und Unterkunft, 4-6 Stunden pro Tag auf einer Farm arbeiten - weil sie das für Ausbeutung halten. Dennoch machen es viele Tausende von Menschen auf der ganzen Welt und alle Beteiligten sind glücklich damit. Wenn man das mal aus der Sicht des Farmers sieht, erkennt man bei ein bisschen Intelligenz schon, dass es sich NICHT um Ausbeutung oder Missbrauch handelt. Für mich belaufen sich zum Beispiel die Kosten dafür, mit meinem Kind auf einer großen Farm wohnen zu dürfen (für die wir Miete, Strom, Wasser, Versicherungen usw. zahlen), auf rund 100 Dollar pro Tag. Essen und Tierfutter nicht mit eingerechnet. Für die 100 Dollar muss ich selbst auch rund 4 Stunden pro Tag arbeiten. Und für Einkaufen und Kochen geht nochmals mindestens eine Stunde pro Tag drauf und fürs Aufräumen und Saubermachen noch eine weitere. Also arbeite ich selbst 6 Stunden pro Tag nur für Unterkunft und Verpflegung und bin nicht einmal ein Backpacker! Aber ausgebeutet fühle ich mich bestimmt nicht, denn dieser Lebensstil ist meine eigene Wahl. Warum sollte ich also nicht dieselbe Arbeitszeit auch von jemandem anderen verlangen können, der hier vorübergehend mitwohnen und essen will?


Und gerade beim Wwoofing arbeitet man ja nicht stumpf am Fließband vor sich her, sondern ist oft Teil der Familie und wird mit einbezogen in das Farmleben. Meine Wwoofing-Erfahrungen waren nur positiv und ich würde es jederzeit wieder machen. Die Erfahrungen, die ich machen durfte sind unbezahlbar! Ich habe gern jeden Tag beim täglichen Farmleben mitgeholfen und gearbeitet, habe dafür eine anständige Unterkunft bekommen und sehr gutes Essen, tolle Bekanntschaften gabs inklusive und keinen Cent pro Tag ausgegeben.

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