Freiwilligenarbeit für 2. Jahr Working Holiday Visa

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Romana
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Freiwilligenarbeit für 2. Jahr Working Holiday Visa

Beitragvon Romana » 12.05.2015 - 21:32

Oje, schlechte Nachrichten! Freiwillige, unbezahlte Arbeit wie z.B. Wwoofing wird offenbar nur noch dieses Jahr für das 2. Visajahr anerkannt werden. Das heißt in anderen Worten, dass ab dem nächsten Jahr (oder ab wann auch immer das neue Gesetz in Kraft tritt) auf jeden Fall für mindestens drei Monate Beschäftigung in der Landwirtschaft Steuern gezahlt werden müssen ... Die aktuellsten Informationen zu diesem Thema finden ihr hier:
<---- Link ist nicht mehr aktuell --->
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
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Beitragvon Romana » 25.09.2015 - 03:45

Hallo, Leute. Ich sehe eben, dass mein früherer Beitrag zu diesem Thema "gepinnt" wurde, also offenbar als besonders wichtig betrachtet wird, was er für viele Forumsteilnehmer wohl auch ist. Deshalb will ich euch die Aktualisierung nicht vorenthalten. Leider sind die Änderungen schon früher als erwartet in Kraft getreten, nämlich mit Ende August/Anfang September dieses Jahres. Freiwilligenarbeit wie z. B. Wwoofing wird also leider nicht mehr für das 2. Visajahr anerkannt.

Alle guten Menschen, die vor dem 31.08.2015 bei mir oder woanders gewwooft haben, können aber beruhigt sein; ihre Hilfe wird wie versprochen belohnt. Der genaue Wortlaut der Regierungsmitteilung folgt als Kopie der entsprechenden Wwoof-Mitteilung (auf Englisch - wer es nicht gut genug versteht, kann gern nochmals bei mir anfragen).

---------

The Department of Immigration and Border Protection (DIBP) has now made this change to the second Working Holiday (subclass 417) visa initiative, effective from 31/8/15 and have sent us the information below to pass on to WWOOF members.

WWOOFers on Working Holiday Visas will still be allowed to volunteer after the change, just not count those days towards their application for a second WH Visa.

This is the information we have been sent by DIBP:

"What’s the nature of the change?
* All specified work performed by participants in the second Working Holiday (subclass 417) visa initiative will need to be paid work, with pay slips provided to the Department of Immigration and Border Protection (the Department) as evidence when the participant applies for their second Working Holiday visa.

What’s the date of effect?
* All specified work performed from 31 August 2015 onwards will require pay slips as evidence of lawful remuneration.

What about work performed before 31 August 2015?
* Specified work performed before 31 August 2015 will not be subject to the new requirement for pay slips. Second Working Holiday visa applicants will only need to provide pay slip evidence to the Department for specified work performed from 31 August 2015 onwards.
* For example, a participant applying for a second Working Holiday visa on 30 September 2015 will only need to provide pay slips covering any specified work performed between 31 August and 30 September. The participant can include specified work they have undertaken before 31 August 2015 in their application without needing to provide pay slips for this work.
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
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Beitragvon Romana » 28.09.2015 - 04:55

Noch eine Ergänzung zum Obigen: Viele Menschen - hiesige Farmer ebenso wie ausländische Backpacker - sind überhaupt nicht glücklich mit der obigen staatlichen Entscheidung. Deshalb laufen mehrere Protestaktionen und Petitionen, damit zumindest Wwoofing wieder als Qualifikation für das 2. Visajahr anerkannt wird. Eine dieser Petitionen samt einem Artikel mit sehr guten Erklärungen, warum es für beide Parteien - Farmer und ausländische Backpacker - so gut und wichtig ist, findet ihr hier:

http://www.abc.net.au/news/2015-09-27/b ... m=Petition

BITTE UNTERSCHREIBT DIESE PETITION AUCH!

Es häufe sich Meldungen, dass schon mehrere Öko-Farmen, Hobby-Farmern, Tierasyle und ähnliche Eirichtungen schließen, weil sie sich ohne freiwillige Helfer nicht über Wasser halten können. Und ohne den Anreiz des 2. Visajahres kommen eben nicht mehr genug.

Was bedeutet das für mich persönlich als nebenberufliche Kleinbäuerin? Nun, ich werde in der nächsten Erntesaison eben Leute zum Mindestlohn einstellen und wenn sie die geforderte Leistung nicht bringen, werde ich sie wieder sofort entlassen und gnadenlos auf die Straße setzen. Was kann ich denn sonst tun? Wir haben also wieder das erbarmungslose Leistung-gegen-Geld-Verhältnis, das das Leben so vieler Menschen unnötig schwer macht. Vor allem derer, die nicht voll leistungsfähig sind.

Es ist anzunehmen, dass kaum ein Backpacker die "üblicherweise erwartete" Leistung als Erntehelfer erbringen wird. Damit haben erfahrene einheimische Erntearbeiter natürlich absoluten Vorrang - und für Backpacker aus Europa wird es noch schwerer werden, Jobs als Erntehelfer zu bekommen.

Neben den hohen Leistungsanforderungen bei der Arbeit werde ich meinen Erntehelfern Unterkunft und Essen (wenn diese gewünscht werden) und jegliche sonstige Dienstleistung (z. B. Abholung vom Flughafen oder Chauffieren zum Supermarkt) voll in Rechnung stellen wie einem Urlaubsgast - oder zumindest campingplatzähnliche Strom- und Wasserkosten, wenn sie lieber im Olivenhain im Zelt oder Auto schlafen und sich die Zehen abfrieren wollen und sich mit Ein-Minuten-Nudeln, Brot und Wasser selbst ernähren wollen. Wenn sie dagegen denselben Komfort und die gesunde Hausmannskost wie meine bisherigen Wwoofer genießen wollen, müssen sie mir von ihrem Lohn mindestens $50 pro Tag abgeben. Ich könnte den Betrag locker auch auf $100 pro Tag und Person oder mehr erhöhen; angemessen wäre es angesichts der vor Ort üblichen Motel- und Restaurantpreise.
Auf dieses Einkommen zahle ich dann freilich Steuern!

Umgekehrt zahle ich den Arbeitern einen Lohn irgendwo zwischen $100 und $200 pro Tag - vorausgesetzt, sie ernten die geforderte Menge, was für einen Anfänger härteste Knochenarbeit und von früh bis spät ein Supertempo bis zur absoluten Erschöpfung erfordert. Davon müssen ihnen freilich Steuern abgezogen und an den Staat gezahlt werden!

Der Gewinner ist also nur der Staat, weil er von beiden Parteien - den Arbeitnehmern und Arbeitgebern - Steuern kassieren kann.

Die Verlierer sind die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer - denn wenn man den "gesetzlichen Anforderungen" Genüge leisten muss, ist es eben nicht mehr drin, dass man die Erntehelfer geduldig unterrichtet und einarbeitet und sich dann immer noch mit 10 % der "üblicherweise erwarteten" Arbeitsleistung zufriedengibt, sie in seine Familie aufnimmt, mit ihnen Freundschaften schließt und abends bei ein paar Flaschen Bier zusammensitzt, gemeinsam fernsieht oder Brettspiele spielt, ihnen an arbeitsfreien Tagen die Gegend zeigt und einfach Spaß miteinander hat. Bei der Arbeit und außerhalb der Arbeit!

Im Prinzip nimmt diese gesetzliche Regelung uns also all den Spaß, den wir als nette Menschen miteinander haben können, und zwingt uns ein erbarmungsloses, geld- und leistungsorientiertes Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis auf, in dem sich nur die Stärksten unter uns bewähren können.

Mir gefällt das nicht.
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