Farmtrainingsprojekt

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Moderator: Yassakka

reisebiene

Farmtrainingsprojekt

Beitragvon reisebiene » 16.09.2016 - 15:51

Hey,

Ist es notwendig so ein Farmtrainingsprojekt (das ca.4-8 Tage oder so geht) zu machen, oder wird man auch so auf einer Ranch/Farm genommen?
Beziehungsweise wie habt ihr es geschafft auf einer ranch zu arbeiten und gab es dort Kost und Logis gegen den Lohn, oder Kost und Logis und Lohn?
Wäre dankbar über ein paar Farm-Backpacker die vielleicht etwas über ihre Geschichte erzählen könnten.
Werd mich bestimmt noch öfters mal melden.
Danke für eure Kommentare

Gruß Nick :grins:

P.S. hattet ihr alle vor der Abreise eine Ahnung was ihr ungefähr machen w ollt oder seid ihr einfach drauf los?
P.P.S Irgendwie schaff ich es nicht meinen Namen Reisebi.e.ne zu schreiben, werde deswegen einen neuen Account errichten.
Zuletzt geändert von reisebiene am 17.09.2016 - 11:10, insgesamt 5-mal geändert.
Romana
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Beitragvon Romana » 17.09.2016 - 02:00

Hallo und willkommen im Forum. Ich finde, du solltest deinen Forumsnamen ändern, da "Reisebine" der Name dieser Website ist und die Chefin es wahrscheinlich nicht gern sehen wird, dass jemand den Eindruck erweckt, dies sei ein Beitrag von ihr selbst.

Aber nun zu deiner Frage: Leider kommen viele junge Backpacker bei Farmern oder Ranchern an und denken, sie wissen alles und können alles und sie wollen von der ersten Arbeitsstunde an gleich bezahlt werden. Diese Herangehensweise finde ich ziemlich dumm, denn sie überstehen dann in der Regel keine zwei Tage an dem neuen Arbeitsplatz und schimpfen dann über den bösen Bauern, der "Unmögliches" von ihnen verlangt hat!

Es gibt alle möglichen Varianten, wie man es besser anpacken könnte, aber egal mit welcher Arbeit du Geld verdienen willst - es ist auf jeden Fall zu empfehlen, dass du diese Arbeit erst erlernst. Viele Farmer oder Rancher bieten selbst ein Anfängertraining. Während dieser Zeit wirst du in der Regel nicht bezahlt; es ist auch völlig legal, dass man als Arbeitgeber neue Arbeitskräfte erst einmal zwei Tage lang unbezahlt "auf Probe" arbeiten lässt. Wenn es längere Zeit in Anspruch nimmt, eine konkrete Arbeit zu erlernen, empfehle ich, es über Wwoofing zu machen. Da ist dir wenigstens kostenlose Unterkunft und Kost gesichert, während du die Arbeit lernst, und du kannst von Farm zu Farm reisen und überall neue Fertigkeiten erlernen, was deine späteren Arbeitsmöglichkeiten ungemein erweitert.

Von irgendwelchen Schulungsfarmen speziell für Backpacker würde ich dagegen eher abraten. Ich hatte hier schon einige Backpacker, die für so eine Ausbildung Geld bezahlt haben, weil ihnen versprochen wurde, dass ihnen diese Schulungsfarm anschließend Jobs vermitteln wird, und dann gab es entweder gar keine Jobangebote oder nur ganz miserabel bezahlte mit entsetzlichen Unterkünften ... Also, wie gesagt, erlerne die Arbeit erst irgendwo, wo du keine Kosten hast und in die Familie einbezogen wirst, und dann mache dich selbst auf Jobsuche.

Ich selbst zum Beispiel bringe zurzeit meinen Wwoofern bei, wie man Olivenbäume beschneidet - und in der näheren Umgebung gibt es etliche andere Olivenbauern, die gerade jetzt ERFAHRENE, FACHKUNDIGE Olivenbäumebeschneider gegen Bezahlung suchen. Genauso werden die paar jungen Leute, die bei mir bis vorigen Monat Oliven ernten gelernt und geübt und sich damit das zweite Visajahr gesichert haben, ab nächsten April auf jeder anderen Olivenfarm mit Handkuss angenommen werden, weil sie die Arbeit eben schon können! Es kann ansonsten nämlich durchaus zwei bis drei Wochen dauern, bis sie eingearbeitet sind und endlich in der Lage sind, produktiv zu arbeiten - und für diese Einarbeitungszeit will kein Bauer gern bezahlen. Ich selbst habe leider selbst früher diesen Fehler gemacht und musste so auf die harte Tour lernen, dass man mit ungelernten Arbeitern als Farmer nur Miese macht.

Also, wie gesagt: Lerne die Arbeit erst, bevor du dafür Geld verlangst, aber nicht in irgendwelchen Backpacker-Trainingslagern, die dir dafür Geld abnehmen - es sei denn, du hast diese Schulungseinrichtung sorgfältigst geprüft. Wenn es eine staatliche Einrichtung ist, dürfte sie in Ordnung sein, ansonsten eher nicht.
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
reisebiene

Beitragvon reisebiene » 17.09.2016 - 11:07

Danke für deine Antwort Romana.
Werde es dann mal per Wwoof probieren. Muss mich noch etwas genauer informieren was das genau ist, aber werde das mit Vergnügen machen :)

P.S. Da ich den Namen nicht ändern kann, und einsehe das mein Name schlecht gewählt war, werde ich mir einen neuen Account machen um meine restlichen Fragen stellen zu können.

Mein neuer Account wird dann meinen wahren Namen: Nick beinhalten

@Reisebine tut mir leid wegen dem jetzigen Account. Ich habe nichts dagegen, solltest du diesen Account löschen

LG Nick :-)
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Beitragvon Bine » 20.09.2016 - 13:16

Hallo Nick,

hast Du dich jetzt als "nickisontheroad" angemeldet?
Wenn ja, dann werde ich den Account "Reisebine" löschen.
Romana hat Recht - das könnte zu Verwechslungen führen.

Gruß
Sabine
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Beitragvon nickisontheroad » 20.09.2016 - 22:37

Ja genau der bin ich :)

Kannst du sehr gerne machen.
Australien2017
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Beitragvon Sonnenblume1 » 26.12.2016 - 13:15

Erfahrungsbericht: einmal Australien und zurück: vom Wunschtraum zum Albtraum[/b][/b]

Nun bin ich wieder zurück in Italien (Südtirol), seit Oktober 2015.
Seit ich denken kann wollte ich für einige Zeit ein Cowgirl sein. Eigentlich hatte ich mich schon mein ganzes Leben lang darauf vorbereitet, mit unzähligen Reitstunden und Turnieren, Mithilfe in Reitställen, cattle drives in Spanien und Italien, Infobroschüren und Filmen. Kurz vor meinem 30. Geburtstag entschied ich mich, meinen lange ersehnten Wunsch in die Realität umzusetzen.
Um Risiken einzugrenzen entschied ich mich bei Farmstays bzw. visitoz mitzumachen. Das Programm klang verlockend:
„Gehe für bis zu einem Jahr (3 - 12 Monate möglich) nach Australien und finanziere deinen Aufenthalt durch gut bezahlte Farm- und Ranchjobs. Die Jobangebote sind garantiert, da Du am Anfang ein Programm auf einer Trainingsfarm durchläufst, welches dich für die anschließenden Farmjobs qualifiziert und Du dann in entsprechende, gut bezahlte Jobs vermittelt wirst.
Jeder Job geht über wenige Monate und zwischen den Jobs kannst Du auf Reisen gehen und Urlaub machen. Übrigens: bei den meisten Farmjobs wird die Unterkunft und auch die Verpflegung gestellt, zusätzlich zum Gehalt! So kannst Du das gesamte, verdiente Geld sparen und für deine Reise durch Australien nutzen.“
Die Kosten
- 50 € für das Kennenlern- bzw. Informationsgespräch
- 250 € für Jobvermittlung und Trainingsfarm (1. Rate)
- 2.190 € für Jobvermittlung und Trainingsfarm (2. Rate)
------------------------------
= 2.490 €
Die Organisation über Deutschland (Sachbearbeiterin Marion P.) lief reibungslos. Meine Fragen wurden schnell und kompetent beantwortet.
Ab Australien übernahm dann Visitoz, die australischen Partner von Interswoop Auslandsaufenthalte. Das Abholen vom Flughafen klappte, das Hostel in Brisbane war ok und die 3 Tage auf Rainbow Beach konnte ich zum Erholen von der langen Reise nutzen.
Die Trainingsfarm machte Spaß, die Unterkunft war sauber und das Essen gut. Wir wurden dann verschieden Mitarbeitern zugeteilt, welche uns einen Job vermitteln sollten.
Im Vorfeld hatte ich bereits einen ausführlichen Lebenslauf an Visitoz versedet und hatte diesem ein Empfehlungsschreiben eines Pferdetrainers beigelegt bei welchem ich seit vielen Jahren von seinen Erfahrungen lernen darf.
Die Mitarbeiterin „Giorgi“ war für meine Job-Vermittlung zuständig. Angeblich kamen nicht viele Angebote herein und Giorgi meinte sie hätte für mich eine „amazing opportunity“ gefunden, als Mitarbeitern von Vicky Roycroft zu arbeiten, eine in Australien bekannte Springreiterin. Der Job war absolut das Gegenteil von dem was ich mir von Visitoz gewünscht hatte, denn ich wollte eigentlich:
„Recently I heard about the possibility to become a jillaroo in Australia. I have been riding horses since I was six years old and I always wanted to become a cowgirl. I am fascinated about the idea of being a jillaroo in Australia and of getting to see this wonderful country. I just love to work with animals, preferably horses. It would be awesome to work with cattle (if possible with horses). I am very motivated and ready to work hard. So far my experience includes a cattle drive in Spain (2013) and some cutting lessons.
From 2007 to 2014 I spent most of the weekends and holidays (and 4 evenings during the week) at Luis Kompatscher’s ranch. He showed me how to train horses, particularly young horses, how to make them accept the saddle and the bit, how to correct gaits and to help them get ready for tournaments, to pack saddling, how to prepare the horses for the farrier, how to load and unload them onto the horse trailer, how to deal with behavioural problems and how to subsequently correct them. Additionally, I also helped in the daily routine tasks at the stable (to feed horses, to remove the manure, to maintain the boxes, the horse hygiene etc.) and to maintain the outdoor riding areas, to repair fences and the paddocks (see the certificate attached). Now I would love to work as a jillaroo and to make my dream come true: driving animals with horses!”
Giorgi meinte ich solle den Job annehmen, da er eine wirklich einzigartige Gelegenheit sei um mit Vicky Roycroft zu arbeiten. Im April 2015 könne ich dann Arbeit wechseln, bis dahin könne mich Visitoz bestimmt an eine Cattle-Farm vermitteln, welche „mustering on horses“ macht.
Alle Mitarbeiter schienen sehr unter Druck die Bewerber vermittelt zu bekommen. Ich fühlte mich ebenfalls unter Druck gesetzt und durch das Versprechen, sollte der Job nicht gut laufen könne ich mich wieder bei Visitoz melden und sie würden mir weiterhelfen, akzeptierte ich das Angebot.
Somit bezahlte ich die Anreise von Goomeri (Nähe Brisbane) nach Sydney (920 km).
Am nächsten Tag startete ich die Arbeitswoche bei Vicky Roycroft, der Springreiterin. Von Anfang an schrie sie mich an „you idiot“, „you fucking european“ usw. Ich war schockiert von ihrem Verhalten. Ich versuchte alles richtig zu machen, doch ich konnte ihr nichts recht machen. Es schien als benötige sie mich gar nicht als Arbeitskraft, sondern nur jemanden den sie tyrannisieren konnte. Ein australisches Mädchen (Vicky unterscheidet sehr zwischen Australierinnen und fucking europeans) welches ebenfalls dort arbeitete erklärte mir vorige Woche sei ein deutsches Mädchen hier gewesen um zu arbeiten. Sie habe nach 6 Tagen gekündigt. Sollte ich länger bleiben sei dies ein neuer Rekord. Die Unterkunft war ekelhaft (siehe Fotos).

Ich hatte keinen Handyempfang und war daher von Vicky abhängig ob sie mich telefonieren ließ oder ans Internet. Nach 2 Tagen durfte ich ans Internet für 1 h. Im Nachhinein meinte sie, sie würde mir hierfür 50 Dollar berechnen. Ich meldete mich somit bei Klint Kenyon von Visitoz und erklärte ihm, dass ich hier auf keinen Fall länger bleiben könne, da ich ständigen Beleidigungen ausgesetzt sei, ohne Grund aus jeglicher Laune heraus angeschrien wurde und die Unterkunft katastrophal war. Klint meinte er würde mit Vicky sprechen und sich dann wieder bei mir melden. Mitte der Woche meinte Klingt er hätte mit Vicky gesprochen. Diese hätte erklärt sie benötige diese Woche dringend Personal da sie am Wochenende ein Turnier hätte, danach könne ich die Farm verlassen. Ich erklärte Klint, dass ich auf keinen Fall so lange bleiben könne, auch hatte Vicky bereits am Donnerstag angekündigt, dass sie mich am Sonntag nicht wie vereinbart ausbezahlen würde (vereinbart waren 300 Dollar pro Woche). Vicky meinte meine Arbeit sei höchstens 250 Dollar wert, das habe sie so jetzt entschieden. Klint meinte wenn ich jetzt sofort kündigen würde, sei Visitoz nicht mehr verpflichtet mir Arbeit zu vermitteln. (Waaas????) Ich müsse bis zum Wochenende durchhalten, weil Vicky eben Personal benötige. Ich war schockiert. Ich hatte 2.490 Euro bezahlt für die Jobvermittlung und nun drohte Klint mir, ich sei diejenige die den Vertrag brechen würde????
Das Wochenende über musste ich somit mit zum Turnier fahren. Ich musste neben ihren Hunden im Dreck schlafen. Sie schrie mich an und beleidigte mich durchgehend. Sie wirkte psychisch äußerst labil. Ich hatte Angst vor ihr. Sie schien unberechenbar. Auf dem Turnier hatte ich die Gelegenheit mit einigen Pferdeleuten zu sprechen. Jeder sagte mir, dass jeder der mit Pferden zu tun hätte wüsste dass man für Vicky nicht arbeiten könne. Deshalb hätte sie ständig Schwierigkeiten Angestellte zu finden. Ich fragte Vicky ob sie bereits vorher Arbeiter über Visitoz bekommen hatte. Die Antwort war nein. Ich fragte sie ob sie ein „Bewerbungsgespräch“ mit Visitoz führen musste, um Arbeiter von dort zu bekommen. Die Antwort war nein. Dies enttäuschte mich besonders. Denn ich hatte mich entschieden für die Arbeitsvermittlung so viel Geld zu bezahlen, da Visitoz garantiert (in den Broschüren nachzulesen), dass die Arbeitgeber im Vorfeld überprüft wurden. Dies geschah hier offensichtlich nicht!
Das Wochenende war unbeschreiblich erniedrigend. Ich hatte Angst und wurde massivst beleidigt und angeschrien und bewusst vor anderen Leuten bloßgestellt. Ein Albtraum!
Am Sonntag reiste ich dann nach Sydney. Dort setzte ich mich dann sofort wieder mit Visitoz in Kontakt und erklärte meine große Enttäuschung! Dass ich das Wochenende nun gezwungenermaßen (da Androhung wegen Vertragsbruch) durchgehalten hatte und jetzt auf einen angemessenen Job hoffte.
Klingt erklärte mir dann, dass er derzeit keine geeigneten Jobs zur Verfügung hatte. Ich solle in Sydney warten bis er einen finde. Ich fragte wie lange das dauern solle. Er meinte vielleicht 1 Monat. In der Visitoz Broschüre zu entnehmen: “Don’t plan your touring in advance – get a job first.”
Ich hatte kein Geld um in Sydney für ein Monat zu bleiben, denn meine Ersparnisse hatte ich für die Anreise ausgegeben.

2.490 Euro für Jobvermittlung + Trainingsfarm
1.415 Euro für den Flug
152,49 € Unfallversicherung
400 € Krankenversicherung
plus Kosten vom Visum

Die Übernachtung in Sydney pro Nacht kostet ca. 45 Dollar. Ich telefonierte die nächsten Tage immer wieder mit Visitoz und erklärte meine Situation. Es schien „aus den Augen aus dem Sinn“. Nach unaufhörlichen Nachfragen meinerseits, bot mir Klint von Visitoz nach ca. 14 Tagen schließlich an ich könne in Garah für 1 Monat für 250 Dollar pro Woche arbeiten. Danach würde er mir eine Arbeit für länger vermitteln und mit mehr Gehalt. Ich bezahlte erneut die Anreise zum Job, diesmal von Sydney nach Garah (ca. 750 km). Die Anreise betrug ca. 11 h mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Nach 1 Monat meinte Klint ich könne dann bei Jon Templeton in Kingaroy arbeiten (ca. 450 km, ca. 5h Anreise) für 380 Dollar die Woche. Dieser sei ein bekannter australischer Pferdetrainer für Cowhorses. Am 1. April 2015 startete ich die Arbeit und bereits am 6. Mai (nach 35 Tagen) erklärte mir der Trainer er würde mich nun nicht mehr benötigen. Dies teilte er mir mittags mit und meinte mit heute Abend wäre ich dann gefeuert. Ich denke dass er dies bereits seit einer Woche geplant hatte, denn die letzte Arbeitswoche musste ich sein gesamtes Haus putzen, nicht wie vereinbart farmwork. Am darauf folgenden Tag starteten wir dann um 05:00 Uhr morgens zum Turnier. Er setzte mich dann in Rockhampton aus, wo das Turnier stattfand. Am Nachmittag zuvor, kurz nachdem mir der Pferdetrainer Jon Templeton mitteilte, dass ich nun gefeuert war, da er nun weniger „workers“ benötige, telefonierte ich wieder mit Klint von Visitoz. Ich teilte ihm erneut meine Enttäuschung mit. Dieser war genervt dass ich mich wieder meldete (wobei dies ja nicht meine Schuld war, versprochen wurde mir ein längerfristiger Job, zumindest für 3 Monate). Er meinte er würde mir einen neuen Job vermitteln, in Hughenden (Kingaroy nach Hughenden 1.418 km, 15 h Anreise). Somit bezahlte ich erneut die Anreise zum Job.
In Rockhampton angekommen war Beef-Week. Alle Hostels waren ausgebucht. Die billigste Absteige pro Nacht kostete 50 Dollar. Jon Templeton setzte mich dann beim Turnierplatz ab, drückte mir ein Couvert mit Geld in die Hand und erklärte die Sache sei somit erledigt. Es fehlten mehrere 100 Dollar. Nach einer langen Diskussion bekam ich einen Teil des fehlenden Geldes doch bis heute fehlen insgesamt 460 Dollar. Das fehlende Geld erklärte er mit schlechtem Wetter an welchem ich weniger gearbeitet hätte. Ich musste mich dann selbst organisieren wie ich vom Turnierplatz in die Stadt kam. Er begründete dies mit „that’s live, that’s backpacking“. Auch bei dieser Arbeit ist kein Tax Return möglich, da ich keinen offiziellen Arbeitsvertrag bekam (Schwarzarbeit) und mich somit bezüglich des fehlenden Geldes auch an keine Organisation wenden hätte können wie z.B. http://www.fairtrading.qld.gov.au da ich offiziell dort nie gearbeitet habe. Es hätte auch nicht Sinn gemacht mich bei Visitoz zu beschweren, da der Arbeitgeber Jon Templeton der beste Freund von Klint Kenyon (Jobvermittler) ist (fahren immer zusammen in den Urlaub) und er sicher nichts unternehmen würde was diesem „schaden“ würde.
Somit musste ich zum 3. Mal Fahrtkosten aufwenden die ich nicht hatte. Anstatt von der Arbeit leben zu können, nicht zu denken später davon Urlaub machen zu wollen, mussten mir meine Eltern dauernd Geld übermitteln.
Generell muss ich sagen dass ich von den Farmern schlecht behandelt und meistens nicht richtig bezahlt worden bin.
Nach ca. 2,5 Monaten auf der Farm in Hughenden hatte ich einen mittelschweren Unfall (meine Schuld, kann passieren) und habe das Arbeiten dann gelassen. Bis dahin hatte ich das verdiente Geld für die Fahrtkosten zu den Jobs und die Bezahlung der Unterkünfte ausgeben, für die anschließende Reise durch’s Land mussten meine Eltern aufkommen, was so absolut nicht geplant war.
Vistoz vermittelt billige Arbeitskräfte an Farmer und kassiert somit doppelt (1x vom Arbeitgeber für die Jobvermittlung und 1x vom Arbeitnehmer für die Jobvermitlung). Dies alleine wäre nicht das Problem. Unfair finde ich, dass die Arbeitsplätze trotz des hohen Preises (2.490 € habe ich für die Jobvermittlung bezahlt) offensichtlich nicht überprüft werden, die Arbeitnehmer nicht geschützt sind (z.B. sollte Visitoz nur Jobs vermitteln bei den ein offizieller Arbeitsvertrag und damit ein Tax-Return möglich ist und man als Arbeitnehmer somit auch Rechte hat).
Die Arbeitgeber welche ich kennenlernte agierten nach der Einstellung „one day you are hired and one day you are fired“. Sie benutzen die ausländischen Studenten als „Knecht“ für Arbeiten die sie selbst nicht erledigen möchten. Z.B. war mein Arbeitskollege dafür zuständig das Unkraut mit einem äußerst starken Unkrautvernichtungsmittel über mehrere Wochen zu bekämpfen. Abends hatte er meist Kopfschmerzen, da er keine Sicherheitsbekleidung trug. Die Frau des Farmers welche Krankenschwester war meinte, Buben sollten diese Arbeit erledigen, denn Mädchen könnten riskieren unfruchtbar zu werden aufgrund der Chemikalien (ob das stimmt weiß ich nicht, habe ich nicht überprüft). Ihre Kinder ließ sie erst in die Nähe des Arbeitskollegen als sich dieser geduscht hatte um Kontakt mit dem Spritzmittel zu vermeiden.
Von Visitoz bin ich unbeschreiblich enttäuscht, da mir diese Jobs folgendermaßen beschrieben wurden: „zur Persönlichkeitsentwicklung durch das integrative Erleben einer andren Kultur abseits ausgetretener Touristenpfade“.
Diese kurze Zusammenfassung beschreibt nicht mal ansatzweise die Strapazen die ich erleben musste. Ich habe über 2.250 € bezahlt (abgesehen von den Versicherungskosten, den Flugkosten und den geplatzten Erwartungen).
Die Organisation durch Deutschland (Marion P.) hat super geklappt, alles was danach in Australien kam war eine Katastrophe. Meine Enttäuschung ist unbeschreiblich!!! Dass ich keinen Schadenersatz erhalten werde ist mir klar, denn Visitoz wird sich darauf berufen dass sie die Grundbedingungen im Vertrag erfüllt hätten, nämlich die Jobvermittlung. Doch die Qualität der Jobvermittlung ist eine Katastrophe!!! Am meisten enttäuscht hat mich, dass ich so oft über das Gehalt diskutieren musste, dass mir eigentlich zustand. Die Willkür der ich ausgesetzt war hat mich schockiert. Ich kann Visitoz nicht weiterempfehlen. Liebe Grüße, Martina
Zuletzt geändert von Bine am 04.01.2017 - 11:36, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon nickisontheroad » 26.12.2016 - 18:10

Danke für deine geteilte Erfahrung Martina :)

Erstmal: mein Beileid... so sollte ein Australien Aufenthalt nicht aussehen.
Da ich schon sehr gerne auch auf einer Ranch arbeiten würde, allerdings keine Erfahrungen mit dem Reiten habe, und auch nicht das Geld für eine Organisation für mehrere tausende Dollar, ein paar Fragen an die Community:
- Ist es möglich ohne solch ein Farmtrainingsprogramm und ohne Erfahrungen an einen job auf einer Ranch zu gelangen? Und den Umgang mit dem Pferd dort zu lernen... natürlich bis dahin unbezahlt
- gibt es Farmtrainingsprojekte die weniger Service, und dafür wesentlich günstiger als 2000 Dollar sind? wenn ja habt könntet ihr die hier preisgeben?
... sonst gerne weitere Erfahrungsberichte oder Tipps zum Thema Farmtrainigsprojekt

P.S. Woofing-Farmer, die Pferde haben, verlangen auch diese bestimmte Vorkenntnisse, oder sind diese bereit mich für einen richtigen "Job mit Pferd" vorzubereiten?
Australien2017
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Beitragvon Romana » 27.12.2016 - 00:55

Oje, Martina, auch von mir mein Beileid! Danke auch, dass du die Community hier vor dieser australischen Firma gewarnt hast. Du solltest unbedingt auch deren deutsche Geschäftspartner informieren!

Ganz generell gilt: Man sollte in Australien NIEMALS Jobvermittler bezahlen! Man sollte sich immer selbst bei potentiellen Arbeitgebern bewerben (Listen kann man sich ganz leicht mit Hilfe von Google zusammenstellen) oder über persönliche Beziehungen/Freunde gehen.

Wärest du meinem Rat vom September gefolgt und hättest dich stattdessen bei Wwoof angemeldet, wäre es dir sicher besser ergangen. Die Mitgliedschaft kostet 70 Dollar für ein ganzes Jahr. Du hättest dann zum Beispiel zu mir kommen können und sobald ich von dir gehört hätte, wie erfahren du schon mit Pferdearbeit bist (das hattest du bei deiner ursprüngichen Frage hier ja nicht angegeben), hätte ich genau gewusst, wie ich dir hätte helfen können, und zwar ohne dafür auch nur einen Cent zu verlangen!

Ich hatte Anfang dieses Jahres erfahrene Springreiter aus Frankreich hier (ein junges Pärchen), die haben nach zwei Monaten Woofen bei mir und anderswo und Bewerbungen schreiben wirklich den Traumjob gefunden - und zwar bei Gai Waterhouse in Sydney, der berühmtesten Rennpferdetrainerin Australiens. Dort bekamen sie pro Person und Woche $1,250 bezahlt, offiziell mit Arbeitsvertrag und versteuert, und sind über drei Monate lang geblieben. Die Unterkunft haben sie sich selbst gesucht und sie kostete nicht einmal 10 % ihres Einkommens. So etwas ist smart!

Wie hätte ich dir helfen können, wenn du bei mir gewooft hättest? Ich hätte dir Kontakt zu diesen beiden vermitteln können und sie hätten dich an Gai weiterempfehlen können. Oder ich hätte dir Kontakte zu meinen anderen früheren Woofern vermitteln können, die z. B. auf Rinderfarmen im Outback gearbeitet haben und genau das gemacht haben, was du dir gewünscht hast: Viehtrieb mit Pferden! Das waren in diesem Jahr allein zwei deutsche Mädchen (unabhängig voneinander), die noch immer in Australien sind. Eine von ihnen hat mich gerade erst vor zwei Wochen wieder besucht und hätte dich sicher gern kostenlos an ihre früheren Gast- bzw. Arbeitgeber weitervermittelt. Und ich selbst hätte auch zwei oder drei Reitställe in Sydney und Dubbo, NSW, anrufen können, da meine eigene Stieftochter dort vor Jahren eine Ausbildung als Pferdepflegerin gemacht und eine aufbauende als Jockey angefangen hat. Und andere Wwoof-Gastgeber haben bestimmt ähnliche Beziehungen und Kontakte!

An Nick: Wie schon anfangs gesagt, würde ich von kostenpflichtigen "Farmtrainingsprojekten" generell abraten und deren Versprechungen hinsichtlich Jobs niemals trauen, ebenso wie ich niemals den Jobvermittlungsversprechen sogenannter "Arbeitshostels" trauen würde. All diese Vermittler werden nur von ganz wenigen potenziellen Arbeitgebern akzeptiert, weil sie eben von beiden Seiten Geld verlangen. Ein Inserat z. B. auf Gumtree ist für Arbeitgeber kostenlos und man bekommt innerhalb von Stunden mindestens ein Dutzend Bewerbungen. Wenn du zudem selbst eine Pferderanch/-farm anschreibst und eine für sie kostenlose Mitarbeit als freiwilliger Helfer im Austausch für etwas Reitunterricht anbietest, wirst du sicher überal mit Handkuss aufgenommen. Und nein, Wwoof-Gastgeber verlangen generell keine Vorkenntnisse. Allerdings musst du mit ihnen vorab abklären, ob sie bereit sind, dir das Reiten beizubringen, denn viele Farmer arbeiten 16 Stunden am Tag und haben einfach keine Zeit, um solche Sonderwünsche zu erfüllen. Wenn du aber als Wwoof-Mitglied im Wwoof-Forum oder unter den Gastgeberprofilen nachsiehst, wirst du sehen, dass viele Gastgeber solche Ausbildungen anbieten - bzw. du kannst dort selbst einen Forumsbeitrag schreiben und um entsprechende Angebote bitten. Auf keinen Fall würde ich dir oder sonst jemandem empfehlen, für eine Woche Training und leere Versprechungen 2.500 Euro zu bezahlen! Hol dir die Ausbildung dagegen kostenlos, lass dich in eine nette Familie mit Freundeskreis aufnehmen und bezahle nur die Anreise. Alles andere, einschließlich Jobvermittlung, findet sich dann auf ganz natürliche Weise.
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
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Beitragvon Carpool Guy » 27.12.2016 - 12:07

Sonnenblume1 hat geschrieben:Um Risiken einzugrenzen entschied ich mich bei Farmstays bzw. visitoz mitzumachen.


farmstays hat ein netzwerk von verschiedenen webseiten zum thema auswandern, freiwilligenarbeit und farmstays die alle zur firma interswop.de gehoeren.

Haende weg wenn einem ein arbeitsplatz gegen vorrausbezahlung versprochen wird. Kein serioeser arbeitgeber wird irgendwelche unbekannten leute einfach so ungesehen einstellen und sie auf sein teuren pferde oder farmmaschinen loslassen ohne sie vorher persoehnlich kennengelernt zu haben.

Man bekommt eigentlich immer nuetzliche tipps wenn man im hostel bei anderen backpackern fragt wo es gute arbeitstellen gibt.

Romana hat geschrieben:Du solltest unbedingt auch deren deutsche Geschäftspartner informieren!

Oh ja, ich bin sicher interswop.de wird natuerlich sofort aus dem geschaeft aussteigen, die webseiten schliessen und keine 3000 Euro mehr von irgendwelchen leuten kassieren, die sie dann an ihrerseits weiter an sklaventreiber am anderen ende der welt vermitteln... Ist ja keineswegs so als waere das geschaeftsmodell von vorne bis hinten auf abzocke ausgelegt... /s


Ich wuerde eher empfehlen mich auf https://www.fairwork.gov.au/employee-entitlements umzusehen und mir die sache genau durchlesen, moeglicherweise gibt es dort weiterfuehrende links um den leuten auf der farm besuch vom ATO (schwarzarbeit?) vorbei zu schicken.
Waere natuerlich gut, wenn du noch emails, briefverkehr oder screenshots von SMS hast die deinen fall belegen.

Ansonsten siehe noch https://www.fairwork.gov.au/find-help-f ... d-migrants , vielleicht ist die untere haelfte noch nuetzlich:

- Minimum wages and conditions in Australia
- Workplace health and safety
- Where to get help
- Subclass 457 visa monitoring
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Beitragvon Sonnenblume1 » 28.02.2017 - 20:22

Herzlichen Dank an euch!!!!! Danke dass ihr euch die Mühe gemacht habt so ausführlich zu antworten. Den Netzwerkpartner in Deutschland interswoop.de habe ich über die Farmwork Katastrophe informiert, die waren an meiner Rückmeldung leider nicht interessiert.
liebe Grüße
Carpool Guy
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Beitragvon Carpool Guy » 28.02.2017 - 21:33

Sonnenblume1 hat geschrieben:Den Netzwerkpartner in Deutschland interswoop.de habe ich über die Farmwork Katastrophe informiert, die waren an meiner Rückmeldung leider nicht interessiert.


Ja natuerlich nicht, was hast du denn erwartet?

Wenn du irgendwo schlechte erfahrungen mit irgendwelchen online anbietern gemacht hast, dann solltest du sowas immer mit screenshots, fotos oder anderen beweissen auf DEREN facebook seite oder twitter account (freundlich, sachlich aber bestimmt) posten. Damit sehen es viele ihrer kunden und leute die an dem theme intereresse haben, und die firma muss versuchen die sache guetlich zu regeln wenn ihre facebook fans mitlesen.

Vielleicht haben irgendwelche webseiten auf dehnen sie werben oder wo viele bachpacker unterwegs sind noch foren, wo du deine erfahrung ebenfalls schildern kannst.
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