Work and Travel ja oder nein?

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Simagdo
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Work and Travel ja oder nein?

Beitragvon Simagdo » 26.07.2016 - 20:42

Hallo zusammen,

dies ist mein erster Beitrag hier in dem Forum.
Erst einmal zu mir: Ich bin 18 Jahre alt, mache nächstes Jahr mein Fachabitur mit ner Schulischen Ausbildung und bin am überlegen, ob ich danach ein Jahr nach Australien gehe. Ich bin recht schüchtern und zurückhaltend und weiß somit nicht, ob dies etwas für mich ist. Jedoch habe ich von vielen gehört, das dies kein Ausschlusskriterium dafür ist und man mit der Zeit an Sicherheit gewinnt.
Meine Eltern meinen, dass Sie sich das nicht bei mir vorstellen können und meinen, ich solle eine Ausbildung oder direkt in einen Betrieb nach der Schule gehen. Jedoch wollte ich danach halt erst einmal ein Jahr Pause machen, da ich sonst nicht weiß, wann ich die Möglichkeit dazu bekommen kann.
Falls ich dies machen sollte, wollte ich wahrscheinlich ohne eine Organisation das machen. Wie habt ihr das gemacht und braucht man wirklich eine Organisation, die das für einen macht? Wenn man das ohne Organisation machen sollte, wie viel Zeit sollte man dann ungefähr für die Planung einberechnen?

Gruß,
Simon
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Beitragvon Romana » 31.07.2016 - 02:31

Lieber Simon, ich nehme seit drei Jahren junge Backpacker bei mir auf (sehr oft Deutsche) und habe dabei vor allem unter den ganz jungen Leuten viele kennengelernt, die vor ihrem Besuch bei mir allerhand Unsinn gemacht haben und von einer Katastrophe in die nächste geschlittert sind. Daher sind die Sorgen deiner Eltern durchaus berechtigt. Nach ihrem Besuch bei mir waren diese jungen Leute dann viel besser informiert und für ihre Weiterreise gewappnet und konnten auch viel leichter bezahlte Arbeit finden. Ich hatte auch Alleinreisende hier und manche von ihnen litten ziemlich unter Einsamkeitsgefühlen, Angst, Unsicherheit und Depression. Auch das änderte sich, nachdem sie bei uns erste Freundschaften schließen konnten - und manchmal reisten sie dann zusammen mit unseren anderen Gästen weiter!

Ich empfehle dir also auf jeden Fall zumindest für den Anfang Unterkünfte mit Familienanschluss, so wie es beim Schüleraustausch üblich ist. Als Erwachsener und Nicht-Schüler findest du solche Unterkünfte als freiwilliger Helfer durch Organisationen wie wwoof.com.au, helpX.net oder workaway.com. Bei den teilnehmenden Gastgebern bekommst du kostenlose Unterkunft und Verpflegung und hilfst dafür in der Regel halbtags in ihrem Haushalt oder Betrieb mit. So erlernst du auch die unterschiedlichsten Arbeiten, die du anschließend eventuell gegen Bezahlung weitermachen kannst. (Erfahrene, produktive Olivenernter sind zum Beispiel sehr gefragt!) Der größte Vorteil für dich ist jedoch der Familienanschluss: Deine Gastgeber werden sich um dich kümmern wie um ihr eigenes (großes) Kind und dir mit Rat und Tat weiterhelfen, damit dir nichts Böses geschieht und damit du überall, wo du hinkommst, unter sicherer Anleitung auch alle Sehenswürdigkeiten kennenlernst. Zudem helfen dir deine Gastgeber auf Anfrage in der Regel auch gern mit wichtigen Dingen wie Kontoeröffnung, Autokauf, Reiseplanung und Arbeitssuche.

Also sieh dir die Organisationen an, wähle eine aus und werde Mitglied. Dann such dir schon vor deiner Abreise die ersten zwei bis drei Gastfamilien aus und sichere dir per E-Mail bei ihnen einen Schlafplatz zu deinem Wunschtermin. Ich empfehle dir, bei jeder Gstfamilie mindestens zwei Wochen zu bleiben; es können durchaus aber auch vier oder sechs Wochen sein. Somit werden auch deine Eltern die Gewissheit haben, dass du gut aufgehoben bist, und sich nicht so viele Sorgen machen müssen und du wirst das Land und die Lebensweise seiner Menschen viel besser kennenlernen als von Backpackerhostels aus. Und du wirst nie allein und ohne Hilfe dastehen!
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
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Beitragvon missjones85 » 01.08.2016 - 15:27

Hallo Simon,
also ich wuerde ja generell jedem empfehlen, so eine Erfahrung mal zu machen. Ich selbst bin auch eher ein zurueckhaltender Mensch und noch nie jemand gewesen, dem es leicht fiel, auf andere (fremde) Menschen zuzugehen. Australien hat mich in dieser Hinsicht jedoch veraendern koennen. Ich bin anfangs mit meiner besten Freundin gereist, nach ein paar Wochen, dann aber alleine und das war wirklich eine gute Entscheidung. In Hostels lernt man so viele verschiedene Menschen kennen, gerade Alleinreisende Leute und auch durch verschiedene Jobs hat man die Moeglichkeit andere Reisende kennenzulernen und die Erfahrung praegt einen fuers Leben!

Ich hab meinen Aufenthalt ohne Organistation gemacht, ich denke auch, dass sowas rausgeschmissenes Geld ist. Informationen zur Planung findet man mittlerweile ja ueberall ganz einfach im Internet.
Man kann viele Sachen auch von Deutschland aus bereits planen und Sachen, wie ein Bankkonto, von zu Hause aus beantragen.

In Hostels wird man so viele Menschen treffen, die so hilfsbereit sind und ihre Erfahrungen mit dir teilen und dir Tipps geben. Meiner Meinung nach, sollte man das Geld fuer eine Organisation lieber sparen und fuer was nuetzlicheres und schoeneres ausgeben.

LG
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Beitragvon Romana » 01.08.2016 - 16:35

missjones85 hat geschrieben:...Ich hab meinen Aufenthalt ohne Organistation gemacht, ich denke auch, dass sowas rausgeschmissenes Geld ist. Informationen zur Planung findet man mittlerweile ja ueberall ganz einfach im Internet...


Ich möchte nur mal anmerken, dass hier von ganz unterschiedlichen Arten von "Organisationen" gesprochen wird. Was du, Sebastian, und missjones meinen, sind wahrscheinlich Reisebüros. Das, wovon ich gesprochen habe, sind Freiwilligenverbände. Bei helpX kostet eine Mitgliedschaft 20 Euro für zwei Jahre und da wird für die Mitglieder keine "Planung" gemacht, sondern man bekommt Zugang zu Tausenden von kostenlosen Unterkunftsmöglichkeiten mit Familienanschluss. Also bitte nicht alle "Organisationen" in einen Topf werfen! Zudem gibt es noch andere Organisationen, bei denen sich eine Mitgliedschaft lohnt. Zum Beispiel YMCA und Studentenverbände, durch die man Preisnachlässe in Hostels, bei Reisetickets und bei Eintrittskarten zu Sehenswürdigkeiten bekommt, um nur ein weiteres Beispiel zu nennen. Ansonsten gebe ich missjones recht, dass eine längere Auslandsreise eine lebensverändernde Erfahrung sein kann, den Charakter bildet und einen jungen Menschen in der Regel selbständiger und selbstbewusster macht. Also nur Mut!
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
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Beitragvon Simagdo » 02.08.2016 - 18:11

Danke für eure Antworten, ich werde mich nach meinem Urlaub mal genauer darüber informieren und dann auch mal ein längeres Gespräch mit meinen Eltern halten bezüglich meines weiteren Werdegangs. Wahrscheinlich entscheide ich mich wirklich für ein Jahr work and travel. Auch werde ich kontakt zu meiner Schwester halten, da die ihre Reise demnächst antritt und die kann mir dann bestimmt auch ein paar Tipps geben.

Gruß,
Simon
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Beitragvon Nici » 30.08.2016 - 13:58

Hallo Simogda,

meine Antwort kommt zwar etwas spät, aber vielleicht hilft sie dir ja in deiner Entscheidungsfindung.

Mit dem Thema "Organisation ja oder nein?" haben wir uns von Reisebine auch schon auseinander gesetzt und einen kleinen Artikel dazu verfasst.
Schau mal hier: http://www.workandtravel.reisebine.de/p ... -oder-nein

Nur weil man etwas schüchterner ist, muss man sich nicht gleich an eine Organisation binden. Manchmal genügt auch nur eine kleine Unterstützung in den ersten Wochen. Dafür wurden die Starter Packages konzipiert. Man hat eine Starthilfe in der ersten Woche und lernt auch gleich noch neue Leute kennen. Hier ein Überblick über unsere Starter Packages: http://www.workandtravel.reisebine.de/s ... -vergleich
Wen du aber selbstständig bist und nur etwas schüchtern, dann brauchst du so ein Starter Package auch nicht unbedingt.
Liebe Grüße,
Nici vom Reisebine-Team
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Beitragvon Tümmler » 13.09.2016 - 16:12

Ich finde die Tipps hier wirklich super! Ich mache zwar (noch) kein Work and Travel, aber hab es definitiv noch vor. Ich glaube man denkt immer, dass Schüchternheit ein Ausschlusskriterium für sowas ist, aber am Ende ist gerade dann so eine Reise ein riesen Gewinn für die Persönlichkeit, der dich nur weiter bringen kann!
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Beitragvon Travolanti » 15.09.2016 - 11:07

Vermutlich werden viele hier im Forum eine ähnliche Meinung haben, aber für mich ist eine ausgedehnte Reise wie diese das allerbeste, was man machen kann. Vor allem als junger Mensch.

Es wird ja oftmals von Begriffen wie "sich finden" gesprochen, und meiner Ansicht nach ist (alleine) reisen das zuverlässigste Mittel, um das zu schaffen.
Gerade für junge Leute, die vielleicht 1-2 falsche Entscheidungen getroffen haben, kann so ein drastischer Wechsel der Umgebung absolut heilsam sein.
Man erweitert seinen Horizont ungemein, erlebt Abenteuer, lernt neue Dinge, Sprachen und Leute kennen und auf dem Weg kommt man auch mit der eigenen Persönlichkeit etwas besser klar.

Ich würde so etwas ausnahmslos jedem nahelegen, der in der ersten Hälfte der 20er ist und nicht genau weiß, was Sache ist.
Romana
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Beitragvon Romana » 15.09.2016 - 11:28

Dem stimme ich voll und ganz zu! Und wenn doch ein wenig Angst und Schüchternheit dabei ist, kann Anschluss an liebe Menschen sicher helfen - seien es mitreisende Freunde oder eine Gastfamilie im Ausland. (Wie schon gesagt, Wwoof und ähnliche Verbände sind da sicher ihre Mitgliedsgebühr wert.) Hast du schon eine Entscheidung getroffen oder hast du noch Fragen?
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:

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