Sind Bekanntschaften auf Reisen intensiver als zu Hause?

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Bine
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Sind Bekanntschaften auf Reisen intensiver als zu Hause?

Beitragvon Bine » 05.09.2005 - 11:54

Hallo Foris,

"-Lotte-" hat eine interessante Diskussion vorgeschlagen:

-lotte hat geschrieben:Interessant fände ich auch eine Diskussion über Freundschaften, die man so als Backpacker schliesst. Mir ist es oft passiert, dass ich das Gefühl hatte, dass trotz den natürlich immer wiederkehrenden "oberflächlichen" Fragen (Woher kommst du?Was machst du?wohin gehst du? usw) die Bekanntschaften von Anfang an irgendwie intensiver waren, als wenn ich in Deutschland jemanden gerade kennengelernt habe, und ich auch offener war, d.h. auch schneller über Gefühle z.B. geredet habe.
Schwer zu beschreiben aber ich denke ihr wisst was ich meine. Vielleicht wegen des Zusammengehörigkeitsgefühls, das man so hat als eine große "Backpackerfamilie"?

Gruss
Bine
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Beitragvon catchat » 05.09.2005 - 12:35

ja, wirklich interessant.
ich habe den gleichen eindruck gehabt wie lotte - die freundschaften "fühlen sich an", als wenn man sich jahrelang kennt.
ich erlebe ja das geliche phänomen hier in meinem hostel, nach 2-3 tagen bin ich oft so tief in das leben meiner gäste hereingzogen, dass ich viele dann wirklcih als freunde betrachte.

warum das so ist? nun, auf reisen haben wir viel weniger zeit, uns ausgiebig kennenzulernen. und wenn dann "die chemie stimmt", müssen wir innerhalb kürzester zeit die fronten klar haben.

meine intensivsten freundschaften sind auch jetzt noch diejenigen, die ich vor jahren auf reisen geschlossen habe. paradox, denn gerade diese freunde habe ich in den letzten 10 jahren - wenn ich es gutwillig hochrechne - 3 wochen gesehen. trotzdem weiss ich, dass diese leute mich ganz genau kennen, ich würde mich in einer schwierigen situation voll auf diese freunde verlassen.
liebe grüsse
-lotte-
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Beitragvon -lotte- » 05.09.2005 - 16:02

Ich glaube auch, dass man auf Reisen "ehrlicher" Freundschaften schliesst, weil man viel eher man selbst ist, da man nicht seine normale Umgebung um sich hat, die einen in bestimmte Schubladen steckt. Wie oft ist es denn so, dass man sich zb nur einer Freundin wegen mit anderen Leuten trifft, die man eigentlich gar nicht so sympathisch findet. Ist bei mir zb schon ab und zu so.
Auf Reisen ist man von diesem ganzen Freundschafts- und Beziehungskram losgelöst und trifft eben nur die Leute, die man selbst mag.
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Beitragvon snowboarder6 » 05.09.2005 - 16:32

tja hab die Reise zwar noch vor mir, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass es eventuell daran liegt, dass doch fast alle die man so kennenlernt Traveller sind!
Man findet schnell gesprächsthemen, kann viel gemeinsame Interessen erkennen (immerhin macht man ja das selbe) usw.
Wenn ich hier jemanden kennenlerne, weiß ich in den meisten fällen nach wenigen minuten nicht mehr was ich reden soll, da meist die interessen und einstellungen ganz anders sind!

Klar gibt es sicher Traveller mit denen ich mich nicht verstehn werde, das werden die sein die sich andauernd zusaufen und eigentlich dann vom Land nicht wirklich was haben! Was soll ich mit denen schon großartig anfangen?!
6 Monate Australien ging viel zu schnell vorüber!!!!

Realisieren erst jetzt daheim wieder wie schön das Leben und das Land war.
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Beitragvon Yassakka » 06.09.2005 - 16:06

Kann ich auch nur bestätigen. Ich habe auch das Gefühl, diejenigen Leute, die auf Reisen getroffen habe, besser zu kennen als meine Freunde hier zu Hause. Wie jemand oben schon schrieb: Ich würde mich sofort auf die verlassen, die ich in Australien kennen gelernt habe und mit denen ich heute noch Kontakt habe. Mir ist aufgefallen, dass ich mit denen teils sehr viel persönlichere Gespräche führe als mit meinen altbekannten Freunden hier.

Und für die Gründe warum das so ist, sind ja schon gute Ansätze genannt worden. Vielleicht, weil man sich im Urlaub "offener" verhält, direkter ist als zu Hause (also direkt jemanden "verscheucht" oder sich auf eine nähere Bekanntschaft einlässt) und vielleicht auch, weil man mehr Zeit mit den Leuten verbringt und die zeit irgendwie intensiver nutzt.
Schlussendlich kommt hinzu, dass ja alle Traveller irgendwie "im gleichen Boot sitzen". Man hat eine Grundverwandtschaft, das heißt, schon allein, die Tatsache, dass der andere auch weit weg von zu Hause ist, schafft eine gewisse Verbundenheit, so dass man dann meist nicht mehr ganz so weit voneinander entfernt ist und man (sehr vereinfacht ausgedrückt) nur noch zwischen den ruhigen Travellern und den Partytravellern wählen muss.
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Beitragvon Tappsy » 06.09.2005 - 16:55

HI,

is ja komisch, ich hab letztens mit jemandem telefoniert, der war für 1 Jahr in Neuseeland und er meinte, er hat zu niemandem seiner Bekanntschaften aus der Zeit heute noch Kontakt (weder telefonisch noch per Mail oder sonst was). Während des Reisens war alles toll, man verstand sich super gut, saß (wie Ihr geschrieben habt) in einem Boot und machte alles zusammen. Wenn man sich dann aber nach ein paar Monaten "trennte", weil man sich anderen Leuten anschloß, hattte man da eben neue Bekanntschaften gemacht und oftmals kein Interesse an den alten Bekanntschaften.

Ist wie gesagt keine eigene Erfahrung (das kommt erst noch auf mich zu), sondern hat mir jemand erzählt.

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Beitragvon Mariposa » 06.09.2005 - 21:05

Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Man schliesst schnell Freundschaften, aber das geht auch ganz schnell wieder.
Aber die meisten Begegnungen zu halten ist eh fast unmoeglich,
wie soll das bei so vielen Leute gehen?
Ich hab mal mit einem Maedel im Dorm ueber meins / ihr ganzes Leben erzaehlt. Als ich sie ein paar Wochen spaeter in einer anderen Stadt traf, erkannte sie mich nicht mehr :shock: .
Seit Australien ungefaehr kann ich mir keine Namen mehr merken, mir fiel letztens nicht mal der Name meiner Mitbewohnerin ein... :oops:
Na ja, jedenfalls haben sich bei mir ca. 20-30 Kontakte (oder) der letzten 4 Jahre erhalten. Die meisten sind komischerweise Deutsche....
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Beitragvon Shue » 07.09.2005 - 03:45

Ich unterhalte mich hier auch durchaus oft sehr gut mit Leuten, die ich erst sehr kurz kenne. Das ist wohl wirklich das Reisende-unter-sich-Syndrom. Ich bin aber nicht jemand, der von jedermann E-Mail-Adressen einsammelt oder seine an jeden gibt. So wichtig ist es mir dann meistens doch nicht bzw. wenn ich Daten austausche, halte ich auch den Kontakt. Ich habe also schon viele Leute (auch mehrfach, das ist das das Witzige, wie klein Australien ist) getroffen, aber nur mit ganz wenigen darüber hinaus noch Kontakt. Aber witzigerweise sind es immer die Leute, von denen man es nicht erwartet hätte, die sich dann regelmäßig melden. Und da freut man sich dann um so mehr. :)

Ich habe aber in/über Australien durchaus schon zwei drei Freunde fürs Leben gefunden oder solche, die es vielleicht werden könnten, zumindest würde ich das für mich so sagen (ob die das auch so sehen, weiß ich ja nicht... ;) ) Und solche Leute begegnen mir in D eher sehr wenig, wenn ich das mal rückblickend so betrachte... Aber auch alles Deutsche, keine Sorge also, Mariposa. :D
...
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Beitragvon Yassakka » 07.09.2005 - 09:35

Mariposa hat da was gutes gesagt: Es gibt in der Tat der sehr engen Freundschaften die lange halten, aber die allermeisten Bekanntschaften verlaufen sich schnell wieder.
Ich würde das einfach mal als den Bekanntschaften-Overkill bezeichnen. Man trifft so viele Leute, da es ist es total unmöglich, zu jedem halbwegs interessanten auch nur annährend Kontakt zu halten. Da wäre man ja 20 Stunden am Tag am telefonieren oder eMail schreiben.

Dafür ist der Kontakt mit denjenigen, die diese Selektion dann überleben, enger als man gedacht hätte. Denn diejenigen, die dann noch schreiben, tun das meistens ausführlich und persönlich. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Aber vielleicht ist das auch nichts besonderes. Vielleicht wäre es ja zu Hause genauso, wenn man hier genauso viele verschiedene Menschen kennenlernen würde, wie in australien. Aber wo lernt man zu Hause schon ~ 20 neue Leute pro Woche kennen? Und wenn das der Fall wäre, wäre dann nicht auch die Wahrscheinlichkeit hoch, dass darunter ein paar "Freundschaften für Leben" sein könnten, wie das in Australien der Fall ist? Den prozentual hat man mit den meisten Bekanntschaften aus dem Ausland hinterher ja doch eher wenig Kontakt. Mit den wenigen jedoch einen relativ intensiven. Das könnte ja in Deutschland genauso sein, wenn hier der Lebensstil ebenso viele neue Bekanntschaften in kurzer Zeit zulassen würde?
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Beitragvon alex82 » 07.09.2005 - 09:47

mittlerweile ist mein Australien/Neuseelandtrip drei Jahre her und es hat genau eine Bekanntschaft überlebt. Wir waren damals über zwei Wochen zusammen in Neuseeland unterwegs bis sie in Queenstown nen Job gefunden hat, haben uns allerdings später nochmal kurz in Auckland getroffen. Nachdem sie noch über 1,5Jahre in Australien und Asien unterwegs war hat sie mich auf ihrem Heimflug für ne Woche in München besucht und es war ne super schöne Zeit für uns beide. Derzeit haben wir regelmässig Emailkontakt und wenn ich mal länger Urlaub bekomme werd ich mich in den Flieger nach Canada setzen, da sie mich schon mehrfach eingeladen hat :smile: Aber wie gesagt, das ist wirklich die Ausnahme; ansonsten gab es noch etwa ein bis zwei Monate hin und wieder emails, was dann irgendwie eingeschlafen ist, obwohl man sich im Urlaub total gut verstanden hat. aber; C'est la vie
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Beitragvon Barbarella » 07.09.2005 - 13:57

Ich glaube das Phänomen kennt jeder der individuell reist. Man kommt schnell mit Leuten in Kontakt und wenn man auf einer Wellenlänge liegt dann wird da oft schneller eine Freundschaft draus als wenn man die Leute zu Hause kennenlernt. Warum das so ist? Keine Ahnung, vielleicht weil man manchmal nur einen begrenzten Zeitraum an Verfügung hat und dadurch sich schneller kennenlernt und auch Thema bequatscht die man zu Hause erst später bequatschen würde.

Ich habe das aber auch erlebt als ich in England gelebt habe, zumindestens als ich Au-Pair war und auch in der Anfangszeit in London (wo ich in diversen office jobs gearbeitet habe).

Ich habe sowohl auf Reisen als auch in England sehr viele Leute kennengelernt, von welchen ich doch einige als Freunde bezeichnet habe. Dennoch ist zu vielen über die Jahre der Kontakt abgebrochen, zu einigen habe ich aber auch heute noch sehr guten Kontakt und bezeichne diese auch heute noch als Freunde. Mit einigen davon besteht die Freundschaft schon 5 oder sogar über 10 Jahre. Eine Freundin hat mich sogar zu ihrem Hen Weekend in London eingeladen als auch zu der Hochzeit in der Karibik. Zum Hen Weekend fliege ich auf jeden Fall nach London, aber ob ein Flug in die Karibik drin ist weiß ich noch nicht. Was die Nationalitäten angeht ist es ganz gemischt, ein paar Deutsche, ein paar Skandinavier, ein paar Engländer, eine Amerikanerin und eine Tschechin.
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Beitragvon Tappsy » 07.09.2005 - 16:30

Man sollte wohl grundsätzlich zwischen Freundschaften und Bekanntschaften unterscheiden. Nur weil ich mich mit jemandem beim Reisen gut verstehe, muß das noch keine Freundschaft sein, auch wenn ich demjenigen Dinge erzähle, die ich vielleicht meinen Freunden nicht erzähle.

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Beitragvon Mariposa » 07.09.2005 - 22:41

Das stimmt. Freundschaften kann man so nicht sagen... und manchmal ist man überrascht, wenn der Kontakt erhalten bleibt und manchmal geht man fest davon aus, dass man in Kontakt bleibt und man hört nichts mehr...
z. B. hab ich mich total gut mit einer Neuseeländerin verstanden, aber als sie einen Job fand und zurück nach Melbourne ist, war sofort Funkstelle. Hätt ich nie gedacht. Vor einem Jahr sind zwei Mädels gegangen (eine davon Mitbewohnerin), ich kannte sie nur n halbes Jahr...Seitdem schreiben wir drei fast täglich! Hätten wir alle nicht gedacht, aber wenn mal eine eine Woche nicht kann, fehlt richtig was. Wir sehen uns auch öfter als ich z. B. meine Freunde in Deutschland und das obwohl wir in drei verschiedenen Ländern leben...irgendwie fänd ich s superschade, wenn das auseinander gehen wird/würde...
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Beitragvon Connylein » 08.09.2005 - 22:53

Also ich hab mir hier jetzt alle Antworten durchgelesen und finde die Diskussion sehr interessant. Ich war noch nicht in Australien, also kann ich da nicht wirklich mitreden.... trotzdem möchte ich kurz anbringen dass ich es mir nur schwer vorstellen kann dass man dort leichter Freunde fürs Leben findet. Ich muss dazu sagen, dass ich nicht so schnell jemanden als "Freund" bezeichne. Meiner Meinung nach gehört da schon eine gewisse "gemeinsame Zeit" dazu, und wenn man Reisende 2 Wochen begleitet und das wars....ich bezweifle, dass sowas inniger ist als eine Freundschaft die man Zuhause seit 10 Jahren oder so pflegt.

Ich glaube durch die Freiheit an einem Ort wo einen keiner kennt, wo man nichts zu verlieren hat..... da ist es verständlich dass man ev. offener redet als zuhause, außerdem wird man - schätze ich jetzt einfach mal - vielleicht auch mitgerissen von der Vertrautheit die andere ausstrahlen, aber is das nicht eher nur eine "oberflächliche Verbundenheit"?

Aber wer weiß, vielleicht rede ich DANACH ganz anders ;)

Liebe Grüße
Conny
wieder Zuhause... ist gar nicht so schlimm ;o)
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Beitragvon sunrise » 11.09.2005 - 18:17

Freunde finden auf Reisen leichter...,
du hast mich echt ins Grübeln gebracht.
Als ich aus Australien wieder zurück nach Deutschland gekommen bin, ist mir erst wieder aufgefallen, wie schön es doch ist meine ganzen Freunde wiederzusehen und um mich zu haben, die ich schon seit Jahren und Jahrzehnten kenne. Mir war gar nicht klar, wie sehr ich das vermisst hatte!!!
Doch rumreisen und ständig neue Leute kennen lernen hat natürlich auch große Vorteile. Es ist schon richtig, dass man in bestimmte Schubladen gesteckt wird, wenn man in seinem gewohnten Umfeld ist. Doch bei neuen Leuten kennt keiner den anderen. Es war eine schöne Erfahrung. Außerdem habe ich noch NIE in meinem Leben sooooooooooo viel über Verhütungsmittel und Sex geredet, ich glaube, das war fast Backpackerthema Nr. 1 nach den üblichen Fragen (Wie heißt du, woher kommst du, wo warst du schon... etc., ihr wisst was ich meine).
Und da gibt es auch noch den „Kulturaustausch“ (diese nette Bezeichnung habe ich schon mal irgendwo im Forum gefunden), wie entspannend die Leute nicht wiedersehen zu müssen, so geht doch alles gleich viel leichter ... . Und mir erzähle bitte keiner, Deutschland wäre doch so groß und es gäbe so viele Leute – man sieht sie doch alle wieder. Aber das Backpackerleben ... schließlich ist eine der ersten Informationen wo man schon war und wo man als nächstes hingeht ... alle Fronten schon geklärt.
Es gibt Leute die ich in Australien kennen gelernt habe, mit denen ich immer noch in Kontakt bin. Allerdings eher sporadisch. Der Kontakt war mir doch zu wenig intensiv / zu oberflächlich. Ich gehöre zu den Menschen, die Zeit brauchen, bis sich eine Freundschaft entwickelt, dafür halten sie dann auch sehr lange!
Eine Freundschaft hier in Deutschland ist durch meinen Australienaufenthalt intensiver geworden. Aber eine intensive „Australienfreundschaft“ habe ich nicht.
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Beitragvon HorseClaudi » 11.09.2005 - 20:04

Hi,
interessantes Thema!
ich denke auf Reisen wird es sehr sehr schnell konkret! Häufig muss man sich schnell entscheiden, dass man in Kontakt bleiben will, weil die Wege sich bald wieder trennen. Da blieb oft nicht viel an der Oberfläche rum machen, weil man eben weiss, man sieht den anderen nicht jede Woche wieder an einem bestimmten Ort, sondern vielleicht nie wieder!

Ich denke aber auch, dass so mancher Kontakt in Australien gerade auch aus diesem Grund heraus intensiver war: ich hatte ja nichts zu verlieren, also bin ich schon mal offener gewesen als ich das zu hause erst mal bin wenn ich jemanden kennen lerne.

Das hat sich jetzt geändert, da ich zurück bin. ich lebe viel eher nach dem Motto: entweder es passt oder nicht - und ich will es schnell wissen- ich habe weder die Energie noch die Lust auf Zeitverschwenung mit small talk!

Ich hab in Australien einige sehr gute Freunde gewonnen. Die Art und Weise Kontakt zu halten, ist sehr unterschiedlich. Seit ich Festnetz habe, ist es mit ein paar wieder intensiver geworden - ist halt doch was anderes sich "live" unterhalten zu können! und Mensch wie klasse sich jedesmal der Aussie strine anhört *schmilz* :razz:

Ich hab aber beim Reisen auch oft gemerkt, dass sich erst beim zweiten bewusst von beiden gewollten Wiedersehen die Freundschaft wirklich zeigt. also ich meine, ich hab viele Adressen ausgetauscht und viel ist im Sand verlaufen, viele euphorische Verabschiedungen. aber ob wirklich mehr draus wird, entscheidet sich meiner Meinung nach erst, wenn beide sich bewusst für ein Wiedersehen entscheiden. Und auch wenn ich es mit ein oder 2 dann nicht mehr tatsächlich in die Tat umsezten konnte bin ich mir sehr sicher, sie wieder zu treffen.

noch einen Vorteil hatte die Reiserei aber auch: seit ich wieder hier bin, mache ich oft nicht mehr so lange rum, bis ich nach einer Adresse frage. Da bin ich inzwischen viel schneller. Wieso sollte ich die Chance verpassen, jemanden interessanten kennen zu lernen und mich hinterher drüber ärgern??!!

LG
HC
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Beitragvon Australienanna » 15.09.2005 - 01:04

sehr gut, darüber habe ich auch schon oft nachgedacht. ich denke auch, dass es daran liegt, dass man viel weniger zeit hat. dass, was man in einer freundschaft normalerweise in einem jahr oder mehreren jahren erlebt konzentriert sich auf wenige wochen oder tage. ich finde, dass merkt man auch daran, wie traurig man ist, wenn man sich trennt. wenn man hier in deutschland jemanden kennenlernt, dann hat man ja selten nach ein paar tagen ein so intensives verhältnis zu demjenigen aufgebaut, dass man ihn vermisst, wenn man sich dann länger nicht sieht... aber, mein gott, in australien sind bei abschieds-angelegenheiten schon verdammt viele tränen geflossen.
außerdem hat man tatsächlich andere erlebnisse die man teilt. wenn man z.b. jemanden an der uni kennenlernt, dann kann man vielleicht sich vielleicht über profs aufregen, gemeinsam in die mensa gehen... aber das ist einfach was anderes, als wenn man gemeinsam in der dämmerung in einem tümpel auf fraser island baden geht, der sternenhimmel im outback anschaut oder eine woche zusammen auf dem carmarket in kingscross verbringt und versucht seine autos zu verkaufen...
mich würde dann ja auch mal interessiern, was aus den freundschaften geworden ist, die man auf reisen schließt.
catchat hat ja schon ein bisschen dazu geschrieben. bei mir ist es allerdings gar nicht so. obwohl wir in australien so viele freunschaften geschlossen haben, so tolle dinge gemeinsam erlebt haben, uns auf anhieb prima verstanden haben und uns tränenreich verabschieden mussten, hab ich trotzdem erst ein mädchen wiedergetroffen. mit anderen besteht zwar email-kontakt, aber mehr oder weniger sporadisch... ich habe teilweise sogar das gefühl, dass man sich, wenn jeder wieder in seinem eigenen umfeld ist, auf einmal ganz fremd ist.

das ist vielleicht auch ein bisschen diese "ferien-flirt" theorie, die man sowohl auf flirts und affären, aber auch auf freundschaften anwenden kann. working holidays sind ja schon wie ein sehr langer urlaub und alles ist anders. meistens passt es dann zuhause gar nicht mehr so gut
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Beitragvon -lotte- » 20.10.2005 - 16:17

Hm um mein Thema hier nochmal aufzugreifen, wie war das denn bei euch wenn ihr wieder zurück wart?

Ich hab noch mit meinen 2 besten Australienfreundinnen Kontakt und wir haben uns auch schon getroffen und zum Glück ist es auch noch wie in Australien. Bei einigen Leuten glaube ich aber, dass ich nicht mehr so sein könnte wie ich es in Australien war und sie vielleicht auch nicht mehr, dh es wäre glaube ich schon recht seltsam sich hier wiederzutreffen.

Aber trotzdem möchte man nichts wirklich "abhaken",es besteht unregelmässiger email-Kontakt, wird auch von Treffen gesprochen...allerdings frag ich mich, vielleicht ist es auch besser sich gar nicht erst zu treffen um nicht enttäuscht zu werden? Vielleicht sollte man sich einfach die schönen Erinnerungen behalten wie sie sind, man wird ja doch nicht mehr so zusammenkommen wie in Australien....Der australische Flair wäre einfach irgendwie weg...meint ihr nicht?

eure nachdenkliche und Australien-Sehnsucht-habende
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Beitragvon bex80 » 21.10.2005 - 15:19

Total interessant, hier von Euren Erfahrungen zu lesen. Ich habe auf Reisen auch schon einige Freude kennensgelernt, worüber ich sehr froh bin. Wobei es halt die Frage ist, ob das immer rechte Freundschaften sind, die noch nach Jahren Bestand haben. Zum eine ist es halt so, dass einen auf Reisen halt so vieles verbindet: weit weg von zu Hause, öfter mal Geldmangel :wink: , Travelpläne, auf sich alleine gestellt sein, weit weg von Familie und den „alten“ Freuden... Da entsteht so schnell ein Gefühl der Verbundenheit und Vertrautheit, und man hat ja auch einige Themen, über die man sich ausführlich unterhalten kann. Oder man hat einfach nur Spaß und schöner Erlebnisse zusammen.
Will man dann später den Kontakt halten, fallen unterschiedliche Einstellungen und Lebensweisen vielleicht viel schneller auf und schwerer ins Gewicht. Und wenn dann jeder zurück ist in seinem alten Leben, mit Studium, Beruf, normalen Alltag usw. gehen irgendwann die Gesprächsthemen aus. Bzw. man schwelgt nur zusammen in Erinnerungen, aber aktuell verbindet einen halt so gut wie nichts mehr. So ist es mir mit einigen gegangen, der Kontakt schläft einfach ein, man hat sich nicht mehr so viele Neues zu sagen und ist einfach nicht mehr „drin“ im Leben des anderen.
Habe aber auch andere Erfahrungen gemacht, mit Freundschaften, die auch in Deutschland dann noch weitergewachsen sind. Das waren dann aber auch die Leute, mit denen man von Vornherein mehr gemeinsam hatte, als nur Backpacker zu sein und weit weg von zu Haus. Warum sollte man diese Freundschaften dann in D wieder aufgeben? Das wäre doch total schade. Aber man kann Freundschaften nur dann erhalten, wenn man weiterhin neue Sachen miteinander teilt und am aktuellen Leben des anderen teilnimmt (sei es direkt oder über Telefonate, Briefe, Emails...), denke ich. Muss jetzt nicht täglich oder wöchentlich sein, aber eine gewisse Regelmäßigkeit ist schon wichtig. Und das wird dann halt auch schwierig ab einer bestimmten Anzahl von Personen, da selektiert man automatisch.

Freundschaften mit „Einheimischen“ begründen von Anfang an auf anderen Bedingungen als Backpacker-Freundschaften, habe ich den Eindruck. Da muss man gleich mehr Gemeinsamkeiten haben und andere Dinge miteinander teilen, als nur bachpacker-Erfahrungen (denn da können die Leute, die sowieso aus dem betreffenden Land kommen, ja eh nicht so mitreden). Mit denen hätte man sich also wahrscheinlich auch zu Hause angefreundet (nur dass man sie dort natürlich nie kennen gelernt hätte!), weil sie auf der gleichen Wellenlänge liegen und man irgendwelche Dinge gemeinsam hat und man sich halt was zu sagen hat.

Aber dann ist es halt auch so, dass manchen Leute einfach nicht gut im Kontakthalten sind bzw. „faul“, was das schreiben betrifft. Auch wenn man sich super verstanden hat und sie einen um den Hals fallen würden vor Wiedersehenfreude, wenn man sich wiederträfe. Man muss auch halt ganz schön was dafür tun, Kontakt zu halten, Freundschaften wollen halt gepflegt werden. Manche haben da glaube ich einfach ihre Probleme mit.
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Beitragvon Ulla » 07.12.2005 - 12:36

Hallo ihr alle,

super interessantes Thema! Ich glaub auch dass es sehr von den jeweiligen Menschen abhängt die man kennenlernt, ob die gut im Kontakt halten sind oder eher weniger. Ich habe meine jetzige beste Freundin an meinem ersten Tag in Australien im Hostel kennengelernt. Ich bin jetzt seit März 2003 wieder in Deutschland und danach sind wir sogar zusammen nach Köln gezogen (ich aus Süddeutschland, sie aus Koblenz), haben uns eine zeitlang eine 1-Zimmer-Wohnung geteilt und dann eine größere Wohnung gesucht. In Australien waren wir ca. 2 Monate zusammen unterwegs, danach war ich noch ca. ein halbes Jahr Down Under und sie wieder in Deutschland. Das alles hat unsere Freundschaft jetzt schon überstanden! :grins: Eine andere sehr gute Freundin hab ich auch am Anfang meiner Australien-Reise kennengelernt und auch diese Freundschaft hält bzw. wird immer intensiver, obwohl sie schon seit über einem Jahr in Neuseeland ist.

Ich fand es schwerer mit Australiern in Kontakt zu kommen bzw. diesen zu halten. Zwei bis drei sind mir bis heute, 2 1/2 Jahre später, geblieben, aber bis auf eine Freundin besteht nur noch ab und zu e-mail Kontakt. Aber auf einer Reise von 9 Monaten 3 sehr gute Freundinnen zu finden ist doch schon ein sehr guter Schnitt, oder? Die Australierin mit der ich noch in Kontakt bin ist Tourguide in Western Australia und ich hoffe sie bald mal wieder besuchen zu können.

Soviel zu meinen Erfahrungen was Kontakte auf Reisen betrifft...

Viele Grüße
und denen die ihre Reise noch vor sich haben viel Spaß!

von Ulla

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