Wenn einer Reise tut ...

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Jean-Luc
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:58

Squai hat geschrieben:Startschuss 4 - oder Zaizijen (Auf Wiedersehen) China
Verfasst am: 12.01.2008


Nach 58 Tagen China, die mir mein „extended visa“ leider nur ermöglicht hatte, brachte mich am 29. Dezember ein Bus von Nanning an die vietnamesische Grenze. Womit die nächste Etappe, wie auch der Endspurt für 2007 angesagt war. Meinen Jahreswechsel würde ich also früher als Freunde und Verwandte in Deutschland begehen. Eine interessante Variante, auch wenn sie sich unspektakulärer darstellen würde, als je zuvor. Denn in diesem Land, in dem ~ wie in vielen, wenn nicht allen asiatischen Ländern ~ der Mondkalender gilt, hingen zwar überall die „Happy New Year“ Transparente und Schilder, aber damit hatte es sich dann auch schon. Und so fand in Hanoi am Kiem See zwar so etwas wie ein Open Air Konzert mit jungen unbekannten Sängern statt, so dass ich glaubte, hier geht die Post ab, aber es passierte nichts. Tausende von meist jungen Leuten standen herum, bzw. saßen auf ihren Mopeds und blickten und hörten in Richtung Bühne. Eine junge Sozia saß anscheinend aufs höchste gelangweilt hinter ihrem Typen strickend auf dem Bock. Es gab kein Gepfeife, keine Feuerzeuge, kein gar nichts, was man normalerweise von solchen Veranstaltungen kennt. Und als es dann so weit war ~ Punkt 12 Uhr ~ rührte sich immer noch niemand, aber immerhin hörte ich einen einzigen einsamen Böller. Und fünf Minuten später zündete doch glatt irgendjemand noch eine kleine Rakete, die dann vollkommen solo am nächtlichen Himmel zerplatzte, womit der Start ins Neue Jahr in Hanoi dann auch besiegelt war. Happy New Year. Und falls es weitere Feuerwerkskörper gegeben haben sollte, wurden die wahrscheinlich gebunkert für das eigentliche Neujahrsfest ~ das Tet Fest, wie es hier heißt ~ Anfang Februar. Dann soll hier alles außer Rand und Band sein, wie man mir erzählte. Aber nicht hier und jetzt. In dieser Nacht waren sogar die Straßen im Bereich der „Old Town“ ~ im Gegensatz zu allen anderen Abenden ~ fast menschen-, moped- und riksha-leer. Ein Bild, das ich in dieser quirligen Stadt bisher noch nicht gesehen hatte. Es wirkte ein wenig gespenstisch, wie auch eine nächtliche Baustelle, an der um diese Zeit noch fleißig gewerkelt wurde. Beton wurde per Hand gemischt, Steine hin und her getragen, Sand gesiebt, kurz um, alles dafür getan, dass die Hütte bald bezogen werden kann. Seltsam, seltsam.

Ganz anders dahingegen soll es hier am Heiligen Abend gewesen sein, Remmidemmi allerorten, mit abertausenden von Mopeds und Motorrollern, die sich bis weit in den anderen Morgen auf den Straßen tummelten. Und das zusätzlich und neben dem Fußvolk. Aber zu dem Zeitpunkt war ich noch in China und erlebte einen Heiligen Abend und ein Weihnachtsfest, wie ich es schon seit langem nicht mehr kannte. Und ich, der mit dem ganzen Weihnachtsrummel zuhause schon seit Jahren abgeschlossen hatte, wagte hier die Aussage, mein schönstes Fest ~ vielleicht seit Kindertagen ~ verbracht zu haben. Ich hätte es nicht für möglich gehalten. Nun, ich verbrachte es in einer vielleicht etwas ungewöhnlichen Situation und an unterschiedlichen Orten, nämlich in Yangshuo am Li- und Hulong-River und in Guilin, meiner Ausgangsstadt zu dem Zeitpunkt, zusammen mit Kevin, einem Chinesen, Pia, einer Französin und Rrrroberrrta, einer Italienerin. Letztere war, bzw. ist eine der verrückten Nudeln, wie ich sie mag. Pia und sie sprachen ein herrliches Englisch. Die eine mit dem Charme der Französin, und die andere, in dem sie das R so stark rollte, dass jeder Russe seine Freude daran gehabt hätte. Außerdem betonte sie die Endungen jeweils durch ein angehängtes E, typisch italienisch halt, wie es uns in der einen oder anderen Comedy Show näher gebracht wurde. Unser Zusammentreffen ist z.B. eine meiner Vorstellungen von Globalisierung ~ „come together now“.

Und so wurde bereits der Heilige Abend einerseits ein sehr angenehmer, anderseits der verrückteste Heilige Abend, den ich bis dato erlebt hatte. Denn die Chinesen hatten eine Art Karnevalsfest daraus gemacht, mit Menschenmassen auf den Straßen, permanenter lautstarker „Merry Christmas“ Rufe, Masken und sehr lauter Fröhlichkeit, zu der sie auch ohne Alkohol fähig waren. Im Gegensatz zu manchen Ausländern, die wahrscheinlich so ihren Frust meinten bekämpfen zu können, mehr oder weniger allein in der Fremde Weihnachten verbringen zu müssen. Tja, für mich war es eher ein Geschenk, fast völlig losgelöst von heimatlichen Einflüssen diesen Abend und auch die Weihnachtstage verbringen zu können. Und das, obwohl es nahezu überall ~ auch in unserem Hostel ~ Weihnachtsbäume + Dekoration gab. Sogar geselliges Beisammensein, mit gemeinsamem Essen und Kochen wurde angeboten.

Für den ersten Weihnachtstag hatte Kevin für eine Bootstour auf dem Li River Kontakt mit einer Familie aufgenommen, die irgendwo am Fluss mitten in der Pampa ihr Domizil hatte, dort als Flussfischer ihr Dasein fristete und ein paar Bambusboote besaß, um Touristen wie uns über den Fluss zu den schönsten Stellen zu bringen. Zu Plätzen, an die die normalen Touristenboote wegen ihres Tiefgangs nicht gelangen konnten. Als Krönung hatte er mit der Familie ausgemacht, dass wir unseren Lunch bei ihnen einnehmen würden, mit einem Essen, wie es landestypischer nicht sein konnte. Wir hatten Suppe, Fisch aus dem Fluss, getrocknete und irgendwie behandelte Schweinszunge in dicken Bohnen, eine riesige chinesische Kartoffel, die nichts mit unseren gemein hat, Gemüse, Obst (Pamelo und Golden Mandarins, die nebenbei eine köstliche Hustenmedizin sind), sowie ein Huhn, das erst einmal für uns aus der Hühnerschar herausgefangen und geschlachtet wurde. Ein Mittagessen oder Heilig Abend Schmaus, wie ich ihn wohl noch nie hatte. Und das alles in einer traumhaften und ursprünglichen Kulisse, die aus einer anderen Zeit hätte stammen können. Wie Kevin uns erzählte, dürfen die beiden alten Hütten, in denen gewohnt und gekocht wird, bei Strafe nicht durch neue ersetzt werden, um eben diese Ursprünglichkeit zu bewahren. Und dennoch gab es hier Handy und Sat-Schüssel und damit Telefon und Fernsehen selbst an diesem entferntesten Fleck.

Ein Bambusboot ist eigentlich mehr ein Floß, das von einem Bootsbauer hergestellt wird. Dabei werden mehrere dicke Bambusstangen vorne und hinten überm Feuer gebogen und zu einem etwas mehr als einen Meter breiten Floß zusammengefügt. Darauf kommt dann ein kleines Podest, auf das dann eine Bank für zwei Personen gestellt wird. Und hinten ist ein Außenbordmotor mit einem längeren beweglichen Ausleger für die Antriebsschraube montiert, ähnlich der Boote in Thailand. Bambusboote dieser Art sind nur für zwei Personen + Skipper gedacht, nur die teureren, aber hässlichen und klobigen, aus Kunststoffrohren nachempfundenen Boote können vier Personen tragen. Also waren wir mit zwei Booten unterwegs.

Bevor es aber aufs Boot gehen konnte, mussten wir erst einmal mit dem Minibus zum Anleger fahren, an dem ich mein erstes mir bewusst gewordenes chinesisches Eigentor schoss. Mein Gegen- oder Mitspieler war ein Kormoran, bzw. sein Besitzer, dessen Vogel angebunden auf einer Holzstange hockte und nur darauf wartete, von mir fotografiert zu werden. Kaum hatte ich ihn im Kasten, meldete sich sein Besitzer und wollte Kohle sehen, was ich nicht einzusehen vermochte und nur mit Kevins Hilfe und einem Teil seiner Forderung dann geregelt bekam. Die Lehre daraus ~ die sich auch immer wieder bestätigte ~ einfach mal etwas zu fotografieren, ist nicht immer möglich. Oft steht jemand auf der Lauer, der dann kassieren will. Auch wenn es geizig erscheinen mag, aber wenn es mir trotz aller Aufmerksamkeit wieder passierte, habe ich halt vor den verdutzten Augen des- oder derjenigen das Bild wieder gelöscht, denn zahlen wollte und will ich nicht für so ein käufliches Motiv. Wie schön, dass wenigstens unsere Bootseigentümer und Gastgeber sich nicht jedes einzelne Foto zusätzlich bezahlen ließen, sondern geruhsam und gemütlich mit uns auf ihrem Fluss dahintuckerten.

Die Landschaft und das sanfte Dahingleiten auf dem Fluss war einfach spektakulär. Für mich war sie eindrucksvoller, als die Yangzi River Tour. Wir waren einfach hautnah dran am Geschehen, denn nur ein paar Zentimeter trennten uns vom nassen Element. Und wenn uns ein größeres Schiff entgegenkam oder überholte, mussten wir die Füße heben, damit sie trocken blieben. Es war schon urig, wenn das Wasser mal eben so über das Floß schwappte und nur noch das hochgebogene Vorder- und Hinterstück aus dem Wasser herausschaute. U 472 auf Tauchfahrt. Mit so einem Kahn müsste man zusammen mit (s)einer Liebsten den ganzen Fluss befahren, abends am Ufer sein Zelt aufbauen, am Lagerfeuer hocken und einfach nur durch die Gegend schippern und sein. Ich könnte glatt ins Träumen geraten.

Auf dem Hulong River am zweiten Weihnachstag ~ den wir erst einmal per Fahrrad erreichen mussten ~ war es ähnlich, nur dass hier jegliche Art von Motor verboten war, und die Boote gestakt wurden und dass es immer wieder kleine Staustufen gab, die das Boot mit uns oder auch ohne uns zu bewältigen hatte, halt „bamboo boat rafting“. Wir standen dann mehr oder weniger wackelig auf dem Damm und warteten, bis unser Skipper das Boot darüber hinweg bugsiert hatte oder mussten sogar mit anfassen, was nicht immer ohne nasse Füße abging.

Tja, was soll ich sagen, am Ende dieses Weihnachtsfestes war ich fast ein wenig traurig, dass es zu Ende war, zu schön waren die gemeinsamen Erlebnisse und die miteinander verbrachte Zeit. Und Dank Kevin war ich / waren wir an Orten, an denen normale ausländische Touristen einfach nicht zu finden sind, es war China in Reinstform.

Und dann war auch schon wieder Weiterreise nach Nanning, Richtung vietnamesischer Grenze angesagt, wobei ich auf den letzten Drücker erfuhr, dass mein Visum noch nicht fertig war, und ich ohne meinen Pass und das Visum fahren müsste. Ich würde in Nanning am Bahnhof abgeholt, ins Hotel gebracht, wohin mir dann beides nachgeschickt werden sollte. Ob da wohl in mir nicht gerade kleine Bedenken auftauchten, bei dem Gedanken daran, mein wichtigstes Reisedokument dergestalt im luftleeren chinesischen Raum hängen zu sehen??? Ich diskutierte aufs Heftigste mit Alice, der Sachbearbeiterin der Travel Agencie und drohte ihr sämtliche Höllenqualen an, wenn da etwas schief gehen sollte, aber es nützte nichts, Pass + Visum blieben erst einmal unerreichbar. Und darum beschloss ich, auf meine Erfahrungen mit der generalstabsmäßigen Planung der Yangtze Tour und ihrer Abwicklung zu bauen und bestieg am anderen Morgen relativ ruhig und gelassen meinen Zug, um dann in Nanning festzustellen, dass mal wieder kein Schwein Englisch konnte, und ich somit auch nichts in Erfahrung zu bringen vermochte, was mich meinem Pass näher gebracht hätte. Bis jemand an der Rezeption auf den Gedanken kam, jemanden anzurufen, der Englisch sprach. Und so redeten wir dann über drei Ecken miteinander und bekamen Stück für Stück geklärt, dass mir mein Pass mitsamt Visum abends gegen 21 Uhr ins Hotel gebracht werden würde. Tatsächlich kam er dann bereits um 18 Uhr, worüber ich natürlich nicht böse war, denn so wusste ich, dass ich am anderen frühen Morgen gelassen den Bus besteigen konnte, der mich zur chinesisch / vietnamesischen Grenze bringen sollte. Und weiter als bis zur Grenze ging es auch nicht, denn hier war Endstation auf chinesischem Boden. Und hier hieß es dann, aus- und umsteigen in kleine offene Wägelchen, die uns mitsamt Gepäck zum Grenzübergang brachten. Auch hier die bereits bekannte Prozedur. Die Aus- und Einreiseformulare mussten ausgefüllt werden, der Pass wurde kontrolliert, um dann in ein vietnamesisches Wägelchen einsteigen zu dürfen, das uns zu einem vietnamesischen Bus brachte. Und dann rollten wir auch schon die ersten Kilometer auf vietnamesischen Straßen.

Schlagartig sah vieles ganz anders aus, die Menschen, ihre Dörfer und ihre Häuser. Sogar die Luft schien irgendwie anders zu sein. Das waren vielleicht Kontraste. Die Gesichter hatten nichts chinesisches mehr, sondern etwas, was mich eher an Thailand erinnerte. Die Häuser waren im Handtuchformat gebaut, schmal und hoch. Gaaaanz anders, als chinesische Häuser, sie sahen schnuckeliger aus, lebendiger. Ich weiß nicht recht, wie ich Letzteres beschreiben soll. Und wenn ich sagte schmal, dann meine ich, dass sie nur ein Zimmer breit waren, vielleicht 4 Meter ~ manchmal weniger ~ und damit schmaler als jedes Reihenhaus bei uns. Aber dafür länger und mindestens zwei oder drei Stockwerke hoch. Das höchste, was ich freistehend gesehen habe, hatte 6 Stockwerke und stand da wie ein Zahnstocher in der Gegend. Und farbig waren sie, sogar äußerst farbenfroh, von gelb, über blau, grün, lila und gemischt. Mit Türmchen und kleinen Erkern und sonstigen verspielten Details. Es erinnerte ein wenig an Karibik mit französischem Einschlag aus der Kolonialzeit. Interessanterweise war nur die Front farbig gehalten. Die Seitenwände, die meistens keine Fenster hatten, waren nur zementgrau. Und überall herrschte das reinste Chaos in Form von herumliegenden Gegenständen, von brauchbar, bis unbrauchbar. Ein herrliches Sammelsurium.

Dabei befanden wir uns noch im mehr oder weniger ländlichen Bereich. In den Städten ~ auch in Hanoi ~ rückte das alles einfach näher zusammen, so dass sich ganze Straßenzüge bildeten. Ein schmales Handtuch neben dem anderen. Mal höher, mal weniger hoch. Mal quietschfarbig, mal dezent oder ohne Farbe, weil verwittert. Deutsche Bauämter sollten hier einmal Nachhilfeunterricht nehmen, dann wüssten sie, wie eine lebendige Straße, eine lebendige Stadt aussieht. Hier gab es nichts von dem deutschen Einheitsbrei deutscher Siedlungen. Hier gab es stattdessen von allem mehr, als ich es bisher erlebt hatte. Es gab mehr Menschen, mehr Mopeds, Motorroller, Motorräder und mehr Rikshas, dafür weniger Fahrräder, Autos, Busse und LKW's. Und vor allem weniger Platz, denn jedes noch so kleine Fleckchen war mit irgendetwas zugestellt, belegt, genutzt.

Der Bürgersteig und die Straße gehören allen, heißt es hier. Und so standen auf den Bürgersteigen so viele parkende Mopeds quer zur Fahrtrichtung, Miniverkaufsstände, Minirestaurants, die Auslagen der Geschäfte, dass auf ihnen kein Durchkommen war. Dafür befanden sich sämtliche Fußgänger und Lastenträger auf der Straße zwischen den irrsinnig hupenden und bimmelnden Fahrzeugen aller Art. Hatte ich bisher geglaubt, dass die Natur uns mit unseren Sinnen komplett und ausreichend ausgestattet hat, musste ich hier feststellen, dass es besser gewesen wäre, wenn wir z.B. 8 Augen ~ 2 vorne, 2 hinten und zur Seite bekommen hätten. Das Ganze ergänzt durch ein Abstandsradar und Gummiknochen wie die chinesischen Akrobaten, um diversen Lenkern, Frachtgut auf den Fahrzeugen und Menschen jederzeit ausweichen zu können.

Hatte ich in Irkutzk und danach in Peking und Schanghai schon angenommen, den verrücktesten Straßenverkehr kennen gelernt zu haben, wurde ich hier eines Besseren belehrt. Es gibt anscheinend doch noch immer eine Steigerung. Ich war begeistert, weil ich es liebe, in diesem Verkehr mit zu schwimmen, gegen den Strom und alle Regeln. Und wenn das mit der Steigerung stimmt, bin ich jetzt schon gespannt, wie die aussehen wird, und wo ich sie vorfinde. Vielleicht in Hue, der alten Kaiserstadt, in deren Richtung ich mich als nächstes bewegen werde. Oder in Saigon, das dann folgt. Danach geht's weiter nach Kambodscha und Laos.

In diesem Sinne wünsche ich mit etwas Verspätung noch ein wunderschönes und reiseträchtiges 2008.

LG Squai
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:58

catchat hat geschrieben:danke squai, wieder ein wundervoller miterlebens-bericht.
wie geht es dir? ich sehe dich vor meinem geistigen auge mit einem bereits eingebrannten lächeln, mit einer gelassenheit auch bei hupkonzerten und habe das gefühl, du hast deine drastische lebensveränderung noch nicht bereut.
so ist es gut, genieße das leben und sauge es ein!
und erzähl usn weiter davon...
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:58

Squai hat geschrieben:catchat schrieb:
... habe das gefühl, du hast deine drastische lebensveränderung noch nicht bereut

Vor ein zwei Tagen wachte ich in der Nacht auf mit oder durch den Gedanken, ich wäre wieder in Deutschland, müsste mich um eine Wohnung und meine eingelagerten Klamotten kümmern und bekam fast einen Panikanfall.:roll: Nein, diese Entscheidung habe ich noch nicht einen Moment bereut, auch wenn es anfangs hin und wieder mal Umkehrtendenzen gab. Und ich kann mir auch kaum vorstellen, dass ich es bereuen könnte, zu gut gefällt mir das, was ich nun bereits seit über 5 Monaten mache. Nur manchmal – immer dann, wenn es für eine gewisse Zeit jemanden gab, mit dem ich ein Stück Weg gemeinsam verbrachte – Du und viele andere Solo-Traveller werden das kennen – tauchte anschließend ein wenig Wehmut auf. Und das wird wohl auch so bleiben. Aber Gott sei Dank legt sich das dann bald wieder, vor allem dann, wenn ich ebenfalls mit neuem Ziel weiter ziehe, was ich ja nun morgen tue.

So hatte ich hier in Hanoi Freund Torsten (geplant) wieder getroffen, dem ich bereits in Ulan Bartor begegnet bin und dann in Peking erneut. Durch ihn habe ich zwei seiner Freunde kennen gelernt, die hier mit ihren vietnamesischen Frauen und deren Familien leben. Wir waren dann zu dritt in der Halong Bay, sind mit der Fähre auf die Insel Cat Ba gefahren und haben es uns dort gut gehen lassen. Tja, und so etwas geht dann halt plötzlich zuende. Torsten zog es nach Myanmar, und sein Freund ging zurück zu seiner Familie. Und ich ziehe nun auch weiter.

Aber solche Kontakte begleiten mich – auch das wirst Du und die anderen kennen – selbst dann, wenn erst einmal kaum Aussicht auf eine erneute Begegnung besteht. Es ist u.a. eine Essenz des Reisens, denke ich – eine recht wichtige sogar.

Liebe Grüße

Squai
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 23:00

Squai hat geschrieben:Ca. 4000 Kilometer vor dem Ziel
Verfasst am: 13.07.2008


Auch wenn ich mich länger nicht mehr gemeldet habe, ich lebe noch, bin weiterhin unterwegs und mir geht es gut. Inzwischen bin ich natürlich schon ein ganzes Stück weiter gekommen. Nämlich von China aus über Vietnam, Kambodscha, Laos, Thailand, Malaysia über Singapur nach Indonesien, wo ich mich nun seit dem 11. Juli befinde.

Singapur hatte ich bereits am 11. Juni erreicht und bin dort 29 Tage geblieben; meine längste Zeit an einem Ort, bisher war Peking mit 20 Tagen auf Platz eins. Und hier bin ich zum ersten Mal bei verschiedenen Privatleuten aus der Servas Organisation untergekommen. Das sind Menschen, die ebenfalls gerne Reisen und anderen Reisenden für ein oder mehrere Tage ein Bett zur Verfügung stellen. Ähnlich Couchsurfing oder dem Hospitality Club. Ich hatte es so gut getroffen, dass mich ein Schweitzer, der hier seit 1 Jahr lebt und arbeitet, zuerst für 3 Nächte eingeladen hat und mich dann an eine befreundete Familie mit 4 Kindern (sie Deutsche, er Holländer, die hier schon 5 Jahre sind) weiter reichte. Dort durfte ich 7 Tage in einem alten singapurer Haus mit Schwimmbad bleiben, musste dann für 3 Nächte zur Üœberbrückung in ein Hostel, weil die Familie für 4 Wochen nach Europa flog. Danach konnte ich wieder zu meinem Schweitzer, der bereits die Anschlusseinladung für weitere Üœbernachtungen ausgesprochen hatte. Außerdem wurde ich noch von einer lokalen singapurer Freundin der drei eingeladen und dort war ich dann bis zu meiner Weiterreise nach Indonesien.

Das sind oder waren schon schon Kontrastprogramme. Hier der Single, mit dem ich um die Häuser gezogen bin, da die 4 kleinen Kinder (18 Monate, 3,5 / 7 und 9 Jahre alt) und dann die alleinerziehende Mutter eines Siebenjährigen, die außerdem noch "Dula" ist, eine Art freiberufliche Hebamme, Hypnosetherapeutin und noch ein paar Dinge mehr.

Die Stadt gefiel mir so gut, dass ich – trotz der politischen Gegebenheiten – hier gerne mal 'ne Weile leben würde. Mal schaun, ob, wie und was sich da vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt tut. Allerdings ist es kein ganz billiges Pflaster, so dass es ggfls. erst einmal ein Test sein würde. Aber noch ist es nicht so weit. Außerdem bin ich ja nun nicht mehr all zu weit von meinem Reiseziel Down Under entfernt, ca. 4000 Kilometer, wie man mir sagte. Jetzt trennt mich ja nur noch der Rest Indonesiens und ein bisschen Wasser von meinem Ziel. Somit werde ich höchstwahrscheinlich nach Ablauf meines 60 Tage Visums Down Under erreichen, falls ich nicht verlängere. Wer hätte das gedacht?!? Aber Tatsache ist, dass sich am 1. August dann schon 12 Monate on the road sein werde, und dass es mir immer noch sehr viel Spaß macht.

Mit Borneo hat es leider (noch) nicht geklappt, da es von Malaysia und Singapur keine Schiffsverbindungen mehr dorthin gibt, sondern nur noch Billig-Flüge (oder auch teure), ich aber möglichst ohne zu fliegen meine Reiseziele erreichen möchte. Die Insel steht also für meinen Rückweg auf der Liste, denn von Jakarta aus gibt es Schiffe nach Borneo, und von dort auf die Philippinen ebenfalls.

Da ich nun Singapur erst einmal wieder verlassen habe, kann ich nur sagen: Asien hat mich wieder – oder ich habe Asien wieder. Wie auch immer, nach der westlich orientierten, vielfach doch recht sterilen Metropole Singapur, ist es nun wieder wie in den Ländern zuvor, es gibt etwas oder auch mehr Dreck (eher noch mehr als zuvor), es gibt wieder Kuddelmuddel, Durcheinander und Mopedtaxis. Die Straßen sind oft voller Krater, Löcher und Pfützen, oft gar nicht mal gepflastert und dann matschig, und es ist voller Gerüche – nicht immer die angenehmsten, versteht sich – es ist nichts geleckt oder irgendwie aufgepeppt und dennoch ist der Westen überall spürbar. Die Hupe ist wieder wichtig, und man hat sich im Verkehr zu behaupten, wenn man auf die andere Seite will. Und die Menschen sind wieder so, wie ich sie liebe – freundlich, neugierig mit einem Lächeln oder Lachen für einen foreigner. Selbst die Mädchen und Frauen mit den Kopftüchern haben da keine Scheu, auch wenn der Mann dabei ist. Das ist neu, denn bisher schien für sie so etwas nahezu unter Todesstrafe zu stehen. Jeder zweite oder dritte quatscht mich – trotz der Sprachprobleme, die es hier nun wieder gibt – mit ein, zwei Brocken Englisch an. Meistens zwar, um mir irgendeinen Dienst anzubieten, aber immer wieder auch, um nur mit mir zu reden, zu fragen, von sich zu erzählen. Das ging schon los, als ich mich nicht an die Empfehlung des Reiseführers und des Empfehlungsschildes im Fährhafen hielt, auf dem DANGEROUS stand + Empfehlung, nur ein autorisiertes Taxi in die Stadt zu nehmen und genauso eines dann nicht nahm. Mein Fahrer wurde dann außerhalb des Geländes der, der mich im Gegensatz zu den anderen, die mir folgten, nicht zutextete, sondern nur neben den anderen her lief, sich raushielt und dann, als die anderen aufgaben, seine Chance bekam. Er war freundlich, unaufdringlich, hilfsbereit, fuhr „nur“ einen Privatwagen ohne Taxischild und Taxameter, und wir haben uns auf der 20-minütigen Fahrt ein Drittel unseres Lebens erzählt – etwas überzogen ausgedrückt. Und ich habe ihn für den nächsten frühen Morgen bestellt, was sogar klappte. Noch etwas verschlafen trabte er an. Wie ich von ihm erfuhr, ist er Protestant und Vater von 6 Kindern, die alle deutsche Vornamen, wie Dieter, Gisela, Helga usw. tragen, weil seine Frau Deutsch studiert und unterrichtet hat, bis es mit den vielen Kindern nicht mehr ging und sie nur noch Mutter sein musste. Und er träumt davon, reisen zu können, wie ich es tue, wenn er das Geld dazu hätte. Es war herrlich. Das setzte sich später auf dem „local market“ in Nagoya fort, als mich einer der Standbesitzer ansprach, aber ohne den geringsten Versuch zu machen, mir etwas verkaufen zu wollen. Er lachte mich nur an und fragte, ob ich mir das Leben der Einheimischen anschauen würde – ich bin hier mal wieder weit und breit der einzige Ausländer; aber ich liebe diesen "Sonderstatus" :smile: – und dann lernte ich Stück für Stück seine ganze Familie kennen, die zum Teil hinter irgendetwas auf diesem Mini-Stand versteckt waren und dann hervor kamen. Der Typ hatte eine kleine zierliche Frau und gar 7 Kinder, wie die Orgelpfeifen, jedes Jahr ein neues. Und eins niedlicher als das andere. So zum Klauen.

Ich bin nur rumgelaufen, habe geschaut und geschaut, bin in Ecken gekrochen, wo mich früher niemand reingekriegt, bzw. ich mich nie reingetraut hätte und habe mich satt gesehen an dem, was ich nun einen Monat lang in dieser Form nicht mehr hatte. Ich wurde unterwegs, wie schon gehabt, erneut gefragt, ob ich ein Mädchen haben wollte, und ich wurde gefragt, ob ich einen Freund haben wollte. Letzteres war ebenfalls neu. Und dabei bin ich dann in einen dieser tropischen Regenfälle geraten und konnte ca. 30 Minuten nur unter dem Vordach eines Gewürz- und Gemüseladens ausharren. Dort gab es u.a. Zimtstangen, die waren 60, 80 cm lang und z.T. daumendick und dufteten natürlich herrlich nach Zimt. Ich bekam sogar einen Sitzplatz auf einem aufgeplatzten Hocker angeboten, und eine Kundin wollte mich von ihrer Avocado abbeißen lassen, an der sie gerade knabberte – wie wir an einem Apfel – während sie mit mir zusammen auf das Ende des Regens wartete. Der prasselte so laut auf das Dach, dass man sich kaum unterhalten konnte. Und in einem der herrlich kruschigen Supermärkte bin ich nicht von der Rolltreppe gegangen, wie sich das für einen gesetzteren Herrn gehört :???:, sondern gehüpft, wie ein kleiner Junge. Ich hätte wer weiß was anstellen können. Es war einfach suuuuuuper, ich habe den Nachmittag genossen, wie lange nichts mehr. Oder gaaaanz anders genossen, als die Dinge zuvor in Singapur. Allerdings gab es schon mal gleich zu Anfang kein Internet, jedenfalls habe ich nichts entdecken können. Und da man mich diesbzgl. vorgewarnt hatte, war ich gespannt, wie es damit in der nächsten Stadt und allen folgenden aussehen würde.

Und da ich inzwischen in Pekanbaru auf Sumatra gelandet bin, sitze ich nun in meinem etwas teureren Hotel (12 Euro) mit WIFI on the room und kann wieder ins Net. Teurer deshalb, weil gestern, nach einem langen Tag – Beginn um 5:30, nach Ankunft der Fähre, Bus und Minibus am Hotel gegen 19 Uhr, die ersten angesteuerten Hotels bereits ausgebucht waren. Außerdem war es schon dunkel – was ich auf der Suche nach einem Bett immer noch nicht mag – und dann das nehmen musste, was sich anbot. Aber mit Hilfe eines Indonesiers hier aus Pekanbaru, den ich auf der Fähre kennen gelernt hatte, und der mich bis zu meinem endgültigen Hotel begleitete, klappte es dann im dritten Hotel. Und von hier aus werde ich dann weiter nach Padang ziehen, an die Westküste Sumatras, um dort ein wenig Inselhopping zu machen und mich anschließend noch in Richtung Norden zu bewegen, bevor es dann wieder südlich Richtung Java geht.

Sonnige Grüße aus Sumatra

Squai
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 23:20

Squai hat geschrieben:ES IST VOLLBRACHT ...
Verfasst am: 17.12.2008


... am Do. dem 4. Dezember ~ 2 Tage vor Nikolaus ~ bin ich nun endlich nach 16 Monaten und 3 Tagen nach einem gut eineinhalbstündigen Flug mit einer Propellermaschine von Dilli / Timor Leste (Ost Timor) kurz nach 16 Uhr in Darwin, im Northern Territory gelandet. Auf diese Weise selbstverständlich frei von den üblichen Jetlag und sonstigen Beeinträchtigungen.

Auf der einen Seite freute ich mich riesig und auf der anderen Seite war ich etwas traurig, weil ich nun, nach mehr als 46.000 zurückgelegten Kilometern doch noch die letzten 738 fliegen musste. Aber ich konnte ~ trotz aller Bemühungen ~ absolut kein wie immer geartetes Schiff oder Boot finden. Und so heißt es nun nicht mehr "Mit Bahn, Bus und Schiff nach Australien", sondern "Mit Bahn, Bus und Schiff fast bis nach Australien". Was ja auch schon was ist. Gelle?

Das war vielleicht ein Gefühl, zuerst die Küstenlinie, dann die Stadt und schließlich den Flughafen und das Rollfeld ins Blickfeld zu bekommen und dann nach der Zoll Prozedur außerhalb des Airports meine ersten Schritte zu tun. Der Zoll ging völlig harmlos über die Bühne, keine Hunde kein gar nix, nur Koffer eben öffnen, die Dinge zeigen, bei denen ich mir im Unklaren war und gut wars. Manoman, das war ja schon fast ergreifend oder so etwas in der Richtung. Ich musste glatt an Columbus denken und wie dem damals wohl zumute gewesen sein mag, auch wenn er auf der anderen Seite der Erdkugel landete. Und dass ich nun doch fliegen musste, war bereits vergessen. Ja, es war mir inzwischen so was von egal, dass ich es selber kaum glauben konnte. Ich war in Down Under angekommen und nur das zählte noch.

Als ich dann in Darwin auf meinen ersten Erkundungsgängen beim Sonnenuntergang oberhalb der Bucht entlang spazierte, saßen in den Bäumen diese kleinen grünen Papageien mit den roten Köpfen und machten einen Radau, der schon fast ohrenbetäubend war. Und hin und wieder segelte einer dieser riesigen fliegenden Hunde über meinem Kopf hin weg. Wobei die Biester ja groß wie eine Krähe sind. All diese neuen und ersten Eindrücke nahm ich auf und genoss sie, wie lange nicht mehr. Indonesien war nach 5 Monaten ja schon fast ein wenig langweilig geworden. Aber das meine ich jetzt nicht ernst. Es war einfach nur anders.

Was sich natürlich deutlich verändert hatte, das waren die Preise. Mein Bett im Chilli's Backpacker lag mit 21 Dollar für australische Verhältnisse wahrscheinlich an der unteren Grenze, aber mein erstes Abendessen gehörte mit 35 Dollar (ca. 17 Euro) zu den teuersten meiner Reise. Jedenfalls nachdem ich Europa den Rücken gekehrt hatte. Da muss ich mir auf Dauer wohl noch etwas einfallen lassen, bzw. wieder mehr auf Selbstversorgung umschalten. Obwohl mir das Essen-Gehen in den kleinen Straßenküchen besser gefallen hat, als mich mit Einkaufen usw. zu befassen.

Tja, und dann schlief ich zum ersten Mal im Känguru Land, auch wenn ich noch keines dieser Hüpfer zu Gesicht bekommen hatte. Aber Darwin ist da wohl auch nicht ganz der richtige Ort, hier dürften wohl eher die Krokodile von Interesse sein. Ich schlief in einem 4-Bett mixed dorm, wie zuvor schon in Dili, und ich hatte noch nichts vergessen, was diese Räume auszeichnet. Dass andere sich z.B. genau dann im Zimmer unterhalten wollen, wenn ich gerne mal ein Ründchen geschlafen hätte, dass Türen sich nicht leise schließen lassen und was es sonst noch so gab. Aber die Zeit der preiswerten Einzelzimmer + Privat Bathroom war damit vorbei ~ zumal es ja in den meisten asiatischen Ländern kaum oder keine Mehrbettzimmer gab. Aber der Umstieg fiel nicht schwer.

Was aber war dem Ganzen vorausgegangen?

Nachdem ich Singapur verlassen und mich in Indonesien langsam über Sumatra und Java nach Bali vorgearbeitet hatte, musste ich mich dort erst einmal einer Leistenbruch Operation unterziehen und einen dieser neckischen kleinen Darmparasiten wieder loswerden, den ich mir irgendwo eingefangen hatte. Ersteres bedeutete, dass ich für die nächste Zeit nicht mehr mit dem Rucksack weiter ziehen konnte, weil ich nichts tragen durfte, was schwerer als 8 Kilo war. Also legte ich mir einen Rollkoffer zu ~ obwohl damit jegliche Backpacker Optik zum Teufel ging ~ packte meinen Rucksack für später mit hinein und rollte nach einer ziemlichen Zwangspause dann auf die Fähre nach Flores, um mir dort die „Komodo Dragons“ anzuschauen. Allerdings nicht auf Komodo, sondern auf der Nachbarinsel Rinca, da sie um einiges interessanter ist. Erst einmal ist sie schneller von Flores aus erreichbar ~ ca. 2 Stunden mit dem Boot, statt 5 ~ dann hat sie mehr Vegetation und wild lebende Tiere, wie Wasserbüffel, Wildpferde, Hirsche, Wildschweine und Affen, die alle den Echsen als natürliche Beutetiere dienen, während sie auf Komodo mit toten Ziegen gefüttert werden müssen. Wobei der natürliche Weg sicher der interessantere sein dürfte, wenn man denn das Glück hat, phasenweise dabei sein zu können. Und ich hatte das Glück, am einzigen in der Trockenzeit noch verbliebenen Wasserloch aus etwa 4 Metern Entfernung, die erste Phase, nämlich einen angebissenen Büffel mit 10 oder 12 Echsen drum herum beobachten zu können. Sie warteten darauf, dass der giftige Speichel sein Wirkung tat und das Opfer das Zeitliche segnete, um als Festschmaus zu dienen. Aber das würde noch 2 bis 3 Wochen dauern, meinte der Guide. Zwischendurch kam sogar noch ein anderer Wasserbüffel vorbei, verkniff sich dann aber das Trinken und marschierte in ca. 1,5 Meter Entfernung an mir vor bei. Ich hätte nie gedacht, solchen Tieren einmal ohne trennende Gitterstäbe so nahe auf die Pelle rücken zu können, auch wenn sie sich an die Menschen gewöhnt haben dürften. Aber auch 3 Hirsche, 1 Wildschwein Mutter mit Frischling und ein weiteres Wildschwein, sowie zwei große hühnerähnliche Vögel habe ich gesehen, aber keine Wildpferde. Und das frisch abgenagte Skelett eines Büffels, von dem der Guide sagte, dass der vor ungefähr 3 Wochen verspeist worden sei.

Auf meiner Reise hatte ich mich seit Singapur immer mal wieder nach einer Möglichkeit erkundigt, meinem Wunsch entsprechend, ein Schiff zu finden, das mich nach Australien mitnehmen würde. Und auf Bali hatte ich ~ da mir ja reichlich Zeit zur Verfügung stand ~ diese Suche noch verstärkt. Um die 30 Mails hatte ich geschrieben, diverse Telefonate geführt, dem Hafenmeister und verschiedenen Cargo Firmen einen Besuch abgestattet, aber alles leider ohne Erfolg. Und so versprach ich mir ~ zumal das von den „locals“ bestätigt wurde ~ auf Flores oder spätestens auf Timor ein besseres Ergebnis. Aber dann war ich auf West Timor in Kupang gelandet, um festzustellen, dass es wohl wirklich keine Möglichkeit zu geben schien, von dort aus mit einem Schiff nach DU zu gelangen. Genauso wenig gab es die Möglickeit fliegen, weil vor einiger Zeit alle internationalen Flüge eingestellt wurden.

Punkt 1, der die Wahrscheinlichkeit gegen Null schraubte, war die Jahreszeit, die die See zu rau werden lässt, so dass kaum noch eine Yacht oder ein anderes Boot fährt. Es lag gerade mal ein relativ kleines Segelboot vor Anker, und das kam von Australien und fuhr weiter nach Bali. Da fragte ich mich eh, wie diese Nuss Schale den Ozean überqueren konnte. Aber ich bin nun mal kein Segler und kenne mich auf dem Gebiet nicht aus.

Punkt 2 war, dass die korrupten Zuständigen von jedem Booteigner seit einiger Zeit 600 USD verlangten, nur damit das Boot im Hafen anlegen darf. Folge, sie fuhren woanders hin.

Punkt 3 zeigte auf, dass inzwischen die Fischerboote, die ich als mögliche Alternative ins Auge gefasst hatte, massivst kontrolliert wurden, und man die Fischer im Falle des Erwischtwerdens bestrafte, weil in der ganzen letzten Zeit Menschen aus Pakistan, Afganistan, Irak usw. auf diesem Wege illegal nach DU geschleust wurden. Australien hatte deswegen wohl einen mächtigen Tanz veranstaltet, so dass die hiesige Polizei entsprechend handeln musste. Aber auch die australische Polizei passt ebenfalls auf wie Schießhund, und der ertappte Fischer geht für mind. 2 Monate in den Bau, hat eine Geldstrafe zu erwarten, und das Boot wird beschlagnahmt und verbrannt. So hart sind da die Bräuche. Konsequenz, kaum einer fährt mehr rüber. Die einen erzählten, dass ich als Ausländer keine Probleme bekommen würde, wenn ich den jemanden fände, der es wagte, die anderen, dass ich 'ne Menge davon haben würde und wahrscheinlich gar nicht mehr rein dürfe. Und damit war auch das Thema vom Tisch. Ich habe im Laufe der Zeit sicher mehr als 100, zum Teil interessanteste Kontakte geknüpft und Hannes und Krannes gefragt. Alle erzählten sie nahezu das Gleiche, egal, wen ich auch fragte. Eine sehr seltene Üœbereinstimmung für Indonesien, wo normalerweise jeder etwas anderes erzählt. Man sagte mir außerdem, dass es bis vor ca. 2 Jahren überhaupt kein Problem war, ein Schiff zu finden, weil reichlich da waren ~ was mein Sohnemann bestätigte, da er ja immerhin mit einem Boot von Darwin nach Kupang und weiter bis nach Thailand gekommen war ~ aber durch diese ganzen Verschärfungen hatte sich halt alles verändert.

An einer Stelle wurde ich sogar gefragt, ob ich nicht so einen Kahn kaufen wolle, um ihn selber rüber zu steuern, denn einige Illegale mit Schiffserfahrung seien inzwischen auf diesen Dreh gekommen. Sie kaufen ein Boot, setzten es irgendwo in DU auf den Strand, lassen es da liegen und sind im Land. Neckische Idee. Parallel erzählte mir ein Indonesier aber auch, dass seine Schwester gerade erst mit einem Boot von Darwin gekommen wäre, dessen Skipper ein Freund sei, der zu Weihnachten wieder zurück fahren würde. Wenn ich so lange warten könnte, würde er den Kontakt herstellen. Aber um das zu machen, müsste ich erst einmal in Ost Timor ein weiteres Visum beantragen und wieder zurück nach West Timor kommen. Beides ~ solange zu warten und noch mal ein Visum für Indonesien zu beantragen ~ brachte mich überhaupt nicht in Stimmung. Ich wollte endlich australische Luft schnuppern. Aber auch meine große Hoffnung, die Kontaktadresse eines Australiers, der zwischen Darwin, Timor, Bali, Singapur, Hongkong und Korea herum schipperte ~ die ich auf Bali bekommen hatte ~ reagierte weder auf meine SMS, noch auf meine E-Mail. Es war zum Mäusemelken. Wie ich dann später in Darwin erfuhr, befand er sich gerade in Korea.

Die einzige Möglichkeit, die es noch zu geben schien ~ auch für den Flieger, der von dort aus immerhin täglich zweimal Richtung Du abhebt ~ war Dili auf Timor Leste (Ost Timor). Und auch dort sollte es nur mit einer Portion Glück und u.U. langer Wartezeit möglich sein. Also musste ich wohl oder übel dort hin, mir für 30 USD ein ungewolltes Visum geben lassen, um es auf der anderen Hälfte der Insel weiter zu versuchen. Aber auch dort machte ich die Erfahrung, dass sich nichts gestaltete. Und so schickte ich als erstes dann doch dem Knaben in Kupang mit dem Weihnachtsboot 'ne SMS und war gespannt darauf, watt hie sächt. Außerdem bin ich wieder einmal im Containerhafen aufgekreuzt, habe mit dem dortigen Hafenmeister und 2 weiteren Leuten geplaudert und erfahren, dass es z.Z. kein Cargo Schiff nach DU gibt und erneut die alte Leier gehört, dass sie keine Passagiere mehr an Bord nehmen. Es hatte da wohl vor einiger Zeit einen Unfall gegeben, in den ein Backpacker verwickelt wurde und dann gabs Versicherungsprobleme und Probleme mit der Polizei, weil es kein Ticket usw. gab. Und seit dem sei es vorbei mit Lustig. Von einem bekam ich immerhin noch eine Adresse von einem Vermittlungsbüro, von dem er meinte, dass – wenn überhaupt – dort die größte Chance bestünde. Aber auch dieser Tip erwies sich als Sackgasse. Außerdem habe ich mit jemandem vom australischen Verteidigungs Ministerium gesprochen, das hier, wie viele Nationen, eine Art Außenstelle hat und die Regierung berät / unterstützt. Er wollte sich umhören und mich ggfls. benachrichtigen. Was er nicht tat. Selbst bei der Europäischen Gemeinschaft war ich, weil ein afrikanischer Mitarbeiter der UN meinte, dass man mir dort evtl. weiter helfen könnte. Was man aber nicht konnte oder wollte. Außerdem fuhr mich mein Guesthouse Besitzer (ein Aussi) zu einem Thai Lokal, das von Jim (ebenfalls einem Aussi) geführt wird. Der Mann soll DIE Koryphäe in Dili sein, der alles über Boote zwischen Timor und Darwin weiß. Leider wusste auch er nischt. Aber auf diese Weise habe ich mal wieder lecker Thai food gegessen.

Auf meinen Pirschgängen lernte ich auch ein paar Neuseeländische Soldaten kennen, die bald abgelöst werden sollten und mit einem Truppentransporter zurück fahren würden. Aber da hieß es: „No private persons allowed.“ Außerdem quatschte ich alles an, was auch nur annähernd nach Australiern aussah, wie die meisten Ausländer hier. Wie biste hergekommen? Mit dem Flieger oder gar mit 'nem Schiff? Alle waren sie geflogen. Und auf drei Mails an weitere Cargo Firmen, die ich in Dili noch abgeschickt hatte, ist nie eine Antwort eingegangen.

Und so langsam kam ich dann an den Punkt, an dem es hoffnungslos wurde und ich aufgeben wollte. Ich marschierte ins Reisebüro und ließ mir den Nachmittagsflug für den besagten Donnerstag reservieren. Irgendwie war ich es leid, einem Traum nachzujagen, der sich anscheinend nicht erfüllen lassen wollte.

Jaaaaa, und nun bin ich tatsächlich hier und bin riesig gespannt, wie es weitergeht und was mich erwartet. Vor allem, weil ich noch so gar nicht weiß, ob ich mich nun zuerst nach Westen, Osten oder in die Mitte und weiter runter nach Süden bewegen soll. Aber das wird sich finden.

Sonnige Grüße aus Darwin

Squai
Jean-Luc
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 23:22

heike-tz hat geschrieben:Hallo Squai,

welch eine Freude Deinen Bericht zu lesen, ich gebe zu: ich habe hin und wieder an den Aussteiger gedacht,
von dem ich schon so manchen Bericht bei reisebine gelesen hatte! Und nun heute, wo ich mal wieder
nach langer zeit, hier vorbei schaue, fällt mein Augenmerk sofort auf Deinen Namen ….
Und immerhin ist dies ein Bericht von ca. 780 Einträgen, die ich seit meinem letzten Besuch hier überfliege!

Doch wie gesagt Du bist mir sofort in Auge gesprungen und ich habe Deinen Bericht sofort verschlungen! Du solltest ein Buch schreiben …
also so wie Du schreibst… würde ich es sofort kaufen!Es Freud mich sehr das Du nun in Australien angekommen bist und wünsche Dir
in diesem Atemberaubenden Land viele wunderschöne Erlebnisse!

Ich wünschte ich könnte dies auch so wie Du machen, aber wollen wir ehrlich sein 1.als Frau schaut es doch anders aus,
2.auch hab hätte ich nicht die Zeit, ich kann max. 3 Monate frei bekommen in meiner Firma! Und auch fehlt mir dazu ein wenig der Mut!
Zurzeit begnüge ich mich damit zu lesen und zu Träumen!

Wie lange möchtest Du noch unterwegs sein und hast Du einen Ort gefunden an den Du zurückkehren magst??
Ach Fragen über Fragen stapeln sich in meinem Kopf – ich gehe jetzt mal auf „suche“ und dann schaue ich mal!

Ich wünsche Dir weiterhin eine tolle Zeit und viele nette Menschen, wunderbare Eindrücke, Erlebnisse und i
mmer eine gute Reise – eine Hand voll Wasser unter dem Kiel ist ja nun nicht mehr nötig!


Viele Liebe Grüße Heike
Jean-Luc
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 23:22

Squai hat geschrieben:Hallo Heike,

danke für die Blümchen und die guten Wünsche. Und falls es ein Buch geben sollte, ist eines der Freiexemplare für Dich reserviert. Aber leider ~ oder Gott sei Dank ~ gibt es schon sooooo viele äußerst interessante Bücher zum Thema Reisen, so dass ich mir kaum vorstellen kann, dass ein Verlag nun ausgerechnet auf meine Geschichte abfährt. Schließlich bin ich keiner der bekannten Schriftsteller, von dem die Verlage bald möglichst ein neues Machwerk erwarten. Außerdem bekam ich einen ersten Dämpfer in dieser Richtung, als ich im Mai auf Penang / Malaysia in einem „used book shop“ das Buch „Fliegen ohne Flügel“ fand, in dem Tiziano Terzini seine Reise 1993, ganz ohne Flieger und ebenfalls nur mit Bahn und Bus von Berlin nach Bangkok / Singapur beschreibt. Ein traumhaft schönes und informatives Buch, das ich gerne selber geschrieben hätte, weil es auf ganzen Abschnitten meine eigene Route vorweg genommen hat. Und das mit Erlebnissen, von denen ich nur träumen kann. Schon der Titel ist genial. Lies es mal bei Gelegenheit, und Du weißt, was ich meine. But we will see.

Ich wünschte ich könnte dies auch so wie Du machen, aber wollen wir ehrlich sein 1.als Frau schaut es doch anders aus.


Hier wage ich, zu widersprechen, habe ich doch etliche ~ z.T. gerade mal 18 oder 19 jährige junge Frauen getroffen ~ aber auch ältere ab 30 bis 60 jährige ~ die alleine bereits ½ Jahr oder länger unterwegs waren und erst einmal (noch) nicht daran dachten, so schnell nach D, GB, AUS (oder wohin auch immer) zurück zu kehren. Da ist der Zeitfaktor, wie auch der evtl. fehlende Mut, schon ein anderer Schnack. Wobei sich dahinter ja sicher eine gewisse Angst versteckt. Aber glaube mir, diese Angst habe ich auch „durchlitten“, aber sie hat sich mit jedem Schritt verabschiedet, den ich mich weiter von D entfernte. Sie tauchte jetzt erstmals hier in DU wieder auf, weil ich absolut noch nicht abzuschätzen vermag, ob ich bei diesen Preisen mit meiner nicht all zu üppigen Rente klarkomme. Und das ist schon ein Sch ... Gefühl ~ bezogen auf meinen Traum, 1 Jahr in DU bleiben zu wollen ~ mit dem ich überhaupt nicht mehr gerechnet hatte, und das mich die erste Zeit in Darwin ganz schön gelähmt hat. Wie einfach war es doch dahingegen finanziell in allen anderen Ländern zuvor.

Unterwegs sein möchte ich noch ziemlich lange. Wenn alles nach meinem groben Plan weiter läuft wie bisher, möchte ich nach dem einen Jahr DU, noch 'nen Abstecher nach Neuseeland machen, um dann langsam auf einer anderen Route nach D zurück zu fahren. Aber diese Route steht nur gob fest, wie auch der zeitliche Rahmen. Schätzungsweise 2,5 bis 3 Jahre, falls mich nicht zuvor so etwas wie Reisemüdigkeit oder andere Hindernisse zu einer schnelleren Gangart „back home“ zwingen. Und da es auch den Platz (noch) nicht gibt ~ vielleicht auch nie geben wird ~ an dem ich hängen bleiben möchte, ist alles offen. Was mir eh das Liebste ist.

So sieht's also aus. Und in diesem Sinne wünsche ich eine schöne Vor- und natürlich auch eine ebensolche Hauptweihnachtszeit und einen guten Endspurt.

Sonnig-schwüle Grüße (noch) aus Darwin

Squai

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