Wenn einer Reise tut ...

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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:43

Matzi hat geschrieben:toller bericht!!!! danke :-)
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:44

Chacco hat geschrieben:Ich frage mich nur, wie man als Europäer Hund essen kann
Zuletzt geändert von Jean-Luc am 11.02.2011 - 22:46, insgesamt 1-mal geändert.
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:44

Matzi hat geschrieben:
Chacco hat geschrieben:Ich frage mich nur, wie man als Europäer Hund essen kann


[spaßmodus ein]
es sind ja keine europäischen hunde, da ist das erlaubt :wink:
[/spaßmodus aus]

nein ernsthaft, ich denke es bleibt jedem selbst überlassen. wenn man richtig tief in eine fremde kultur und fremde gebräuche eintaucht, dann ist (isst?) man denke ich offen für dinge, die zuhause vielleicht undenkbar sind.
squai scheint jeder neuen erfahrung offen gegenüber zu stehen und grenzenlos zu genießen, das merkt man ja in der art und weise wie er schreibt.. :-)

ich hab in australien auch schon schlange, krokodil, kamel und kangaroo probiert, obwohl ich seit 15 jahren vegetarier bin :-)
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:44

Chacco hat geschrieben:Schlange, Krokodil, Känguruh, Spinne, Skorpion, Heuschrecken, Kakerlaken...ja hab ich auch alles probiert, aber Hunde haben schon einen anderen Stellenwert, auch in Asien. Sie sind gesellschaftlich integriert, könnte man sagen.
Sicher, jedem selbst überlassen, aber ich komme da nicht drauf klar, Hunde bedeuten mir viel und ich weiss, wie sie in China vor dem Essen gequält werden, damit sie angeblich besser schmecken :evil:
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:45

Chacco hat geschrieben:
Matzi hat geschrieben:es ist und bleibt halt sehr schwer, mit anderen sitten und gebräuchen umzugehen, so "weltoffen" und "tolerant" man auch sein möchte..

Richtig, wobei es auch genügend Inder gibt, die aus der Armut heraus Kühe essen. Und Massentierhaltung ist alles andere, als moralisch akzeptabel, aber bewusstes Quälen noch weniger. Davon ab werden ja auch nur in einem kleinen Teil Chinas Hunde gegessen, es gehört also nicht unbedingt zur chinesischen Kultur, diese zu verspeisen.
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:47

soosa hat geschrieben:eine frage:


findet ihr wirklich, dass es so einen großer unterschied macht, ob man nun einen hund, ein schwein oder einen hasen isst?
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:47

Jean-Luc hat geschrieben:
soosa hat geschrieben:eine frage:
findet ihr wirklich, dass es so einen großer unterschied macht, ob man nun einen hund, ein schwein oder einen hasen isst?


JA !

Sobald ich ein Schwein oder Hase treffe das mir Stöckchen bringt, sein Geschäft hübsch draussen und nicht in meiner Bude macht und sich auf seine Vier Buchstaben setzt wenn ich "Sitz" rufe werde ich meine Meinung sofort ändern. :wink:
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:48

Matzi hat geschrieben:ja gibt es: nämlich die kulturellen und die subjektiv persönlichen unterschiede.

hunde sind, wie chacco es formulierte, "gesellschaftlich eher integriert" als schweine und hasen. jedenfalls bei uns "im westen". daher würde hier niemand auf die idee kommen, einen hund zu essen oder (bewusst) zu quälen.

selbst beim stichwort "quälen" gscheint es unterschiede zu gehen: wenn ein hund gequält wird, sind alle schockiert und betroffen. über gequälte schweine in massentierhaltung wird aber scheinbar gerne hinweggesehen. wir wollen uns nicht "bewusst" machen, dass die tiere dort auch gequält werden. und zwar ganz bewusst mit dem ziel höhere gewinne zu erzielen!
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:48

Chacco hat geschrieben:
Matzi hat geschrieben:hunde sind, wie chacco es formulierte, "gesellschaftlich eher integriert" als schweine und hasen. jedenfalls bei uns "im westen". daher würde hier niemand auf die idee kommen, einen hund zu essen oder (bewusst) zu quälen.

Auch in Asien, Hunde sind sogar in China hauptsächlich Haustiere.
Was das quälen angeht, hast schon recht, allerdings ist mir nicht bekannt, dass Schweine an den Hinterläufen aufgehangen und mit Stöcken geschlagen werden, bevor sie lebendig gehäutet werden.
Und da sehe ich durchaus noch Unterschiede.
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:48

ilmarinen hat geschrieben:Nun,

ich weiß das ich mich damit unbeliebt mache:

Das Foltern von Tieren lehne ich ab, genauso wie das des Menschen.

Wer aber weiß, was in der chinesischen Küche und Medizin sonst alles verarbeitet wird (auch und gerade was vom Aussterben bedroht ist), wie Tiger in Massen in Minikäfigen gezüchtet werden, wie japanische und chinesische Trawler die Weltmeere leerfischen (auch für unseren Tisch!!!), der räumt dem Schicksal eines noch so süssen Wauwaus oder (Haus)Kätzchens auf dem Speiseplan keine besondere Priorität mehr ein.

Von dem Standpunkt aus gesehen ist mutet diese Diskussion (Hunde auf dem Speiseplan) geradezu euphemistisch an

@ Jean

Ich sehe es eher wie Soosa. Ein Tiger, Pandabär, Emu, Blauwal oder was auch immer wird dir auch kein Stöckchen bringen.
Sind sie aber deswegen weniger schützenswert?
Und du als (Haus)Tier Mensch machst du dein Geschäft dann auch immer draussen und nicht in deiner Bude... oder wie soll ich mir das denken? :wink:
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:49

Chacco hat geschrieben:
ilmarinen hat geschrieben:Wer aber weiß, was in der chinesischen Küche und Medizin sonst alles verarbeitet wird (auch und gerade was vom Aussterben bedroht ist), wie Tiger in Massen in Minikäfigen gezüchtet werden, wie japanische und chinesische Trawler die Weltmeere leerfischen (auch für unseren Tisch!!!), der räumt dem Schicksal eines noch so süssen Wauwaus oder (Haus)Kätzchens auf dem Speiseplan keine besondere Priorität mehr ein.

Gegen das Eine zu sein, schliesst ja nicht aus, auch das Andere zu verurteilen. Beides (und auch Massentierhaltung) ist zu verurteilen und da spielen kulturelle Dinge gar keine Rolle.
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:49

alex82 hat geschrieben:
soosa hat geschrieben:findet ihr wirklich, dass es so einen großer unterschied macht, ob man nun einen hund, ein schwein oder einen hasen isst?



Nein, fuer mich macht es ueberhaupt keinen Unterschied was an Aas letztendlich auf dem Teller liegt (ob jetzt Hund, Katze, Schwein..). Was allerdings einen Unterschied fuer mich macht ist, was mit ihm passiert ist bevor es auf den Teller kam. Massentierhaltung, Transport ueber 1000km von Rumaenien nach Deutschland, Quaelerei?

Ich bin manchmal wirklich froh, dass ich dank einer Stoffwechselfunktionsstoerung dieses Problem nicht habe, denn wie oft kann man mit 100%iger Sicherheit sagen, dass das Fleisch ethisch einwandfrei ist?


zu den Hunden:
Ich habe einen sehr engen Bezug zu Hunden. Nachdem ich erfahren habe, dass Tesco in Thailand Strassenhunde vergiftet die auf den Parkplaetzen rumstreunen hab ich keinen Laden dieser Kette mehr betreten da ich es einfach unakzeptabel finde.

LG alex
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:50

Squai hat geschrieben:Manoman, aber ich ahnte es. Denn ...

Chacco schrieb:
Ich frage mich nur, wie man als Europäer Hund essen kann

Darauf möchte ich u.a. mit der Essenz einer kleinen Geschichte antworten, in der ein Mann statt andauernd nach dem „Warum“ zu fragen, stattdessen immer „Warum nicht“ fragte. Wobei die o.a. Frage für mich eine Warum-Frage ist.

Aaaaber, in Deutschland gibt es ja die sogen. Meinungsfreiheit, zu der ich das Zitat zähle. Und es gibt die Handlungsfreiheit, zu der meine Entscheidung gehört. Aber es gibt auch den Satz: „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“ Nun, meine „Strafe“ habe ich bekommen, in dem ich hier quasi an den Pranger gestellt wurde, denn ich wusste nichts von dem, was hier im Forum über das Töten der Hunde gesagt wurde.

Deshalb habe ich zweierlei gemacht – mich diesbezüglich im Internet umgeschaut und inzwischen mit vier Chinesinnen über dieses Thema geredet. Alle vier sind Vegetarierinnen. Aber sie wussten, dass in China Hundefleisch gegessen wird, und zwar hauptsächlich im Süden, aber auch in anderen Provinzen. Sie wussten jedoch nichts davon, wie die Hunde getötet werden und fanden den Gedanken, dass es in ihrem Land auf diese Art geschehen könnte, genauso schrecklich, wie jeder von uns.

Die Berichte im Internet habe ich mit sehr gemischten Gefühlen gelesen, da sie teilweise widersprüchlich, oft wenig sachlich, dafür aber mit sehr viel Polemik und von verständlicher Emotionalität geprägt waren.

Für mich habe ich aus all dem herausgelesen, dass es in China und anderen Ländern Menschen gibt, die in dieser verwerflichen Art mit einem Tier, einem Hund umgehen. Dass es aber mindestens genauso viele geben dürfte, die einen Hund in einer Art töten, die wir bei anderen Tieren durchaus akzeptieren, einfach weil sie zu einer Lebensweise, sprich Kultur gehört, in bestimmten Ländern praktiziert wird und sogar in unserem Land einen Freifahrtschein bekommen hat. Ich denke dabei an das Schächten, bei dem meines Wissens auch in Deutschland den Tieren die Kehle durchgeschnitten wird – was auch bei uns früher durchaus üblich war – um sie dann ausbluten zu lassen. Soweit ich mich erinnere, hat es darum sogar einen Prozess gegeben, in dem diese Prozedur abgesegnet wurde.

Okay, es geht dabei in aller Regel um ein Schaf, einen Hammel oder ein Lamm, obwohl in den entsprechenden Ländern auch größere Tiere so geschlachtet werden. Aber hat nicht gerade auch das Lamm die gleiche niedliche Knuddeloptik, die auch einen Hund, insbes. einen Welpen auszeichnet? Sicher werden wir es nicht ins Haus holen und zu unserem Begleiter machen, aber wo ist da prinzipiell – wenn jemand schon Prinzipien reiten will – ein Unterschied?

Als ich mit dem Zug von Peking nach Jinan fuhr, hatte ein chinesisches Ehepaar einen relativ großen Eimer vor sich stehen. In ihm befand sich etwas, das sich später als zwei kleine Welpen herausstellen sollte, die, wie man mir auf meine in Zeichensprache verpackte Frage klar machte, zum Verzehr bestimmt waren.

Ich muss gestehen, dass ich das nicht gut für bare Münze nehmen mochte – und vor allem nicht gut haben konnte – obwohl ich ja vor einigen Tagen selber noch Hund probiert hatte. Aber es ist einfach etwas anderes, ob man das fertige, nicht mehr auf Anhieb mit dem ursprünglichen Lebewesen identifizierbare Produkt vor Augen hat oder das noch lebende Tier. Ist es doch das, was jeder Nicht-Vegetarier bei jedem seiner Fleischeinkäufe ausblendet. Der Satz, dass es viel mehr Vegetarier gäbe, wenn jeder sein Fleisch, sprich Tier, selber schlachten müsste, spricht da Bände. Insofern sollte nach meinem Dafürhalten jeder, der nicht Vegetarier ist, erst einmal vorsichtig sein bei Vorverurteilungen oder Unverständniserklärungen, wenn es um das Essen von Hunde-, Pferde- und sonstigem Fleisch geht.

Wohlgemerkt, ich distanziere mich von der beschriebenen Art und Weise, wie Hunde oder andere Tiere getötet werden. Daher vermag ich die Art und Weise nicht zu akzeptieren, wie mit dem Eingangssatz mein Verhalten, in ein mir fremdes Land einzutauchen und fremde Dinge auszuprobieren, in ein etwas seltsames Licht gerückt wird. Schließlich hätte ich auf die Erwähnung dieses Details verzichten können.

Wir westlichen Menschen haben Jahrhunderte, gar Jahrtausende gebraucht, um zu den humanitären Menschen zu werden, als die wir uns heute – nicht immer zu Recht – betrachten. Warum um alles in der Welt glauben wir auch heute noch, einem anderen Land, einer anderen Kultur (oder auch „nur“ Menschen in unserem Dunstkreis) unsere Ethik, Moral- und sonstige Vorstellungen aufdrücken zu dürfen oder gar zu müssen? Dieses Verhalten hat schon früher mehr Leid als Gutes erzeugt und tut es immer noch.

Ich bin davon überzeugt, dass auch China und andere Länder auf dem Weg in diese, unsere Richtung sind. Sie brauchen halt nur ihre Zeit. Und diese Zeit wird schneller von statten gehen, als Europa es sich denken kann und vor allem selber dafür gebraucht hat.

In diesem Sinne – Reise-Grüße aus China

Squai
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:50

catchat hat geschrieben:absolut richtig, squai.
die haltung "nur so, wie wir es machen, ist es richtig und nur so ist es kulturell einwandfrei" ist mir im ausland sehr, sehr oft bei meinen lieben deutschen mitmenschen aufgefallen.

das betrifft nicht nur essensgewohnheiten, sondern zum beispiel auch begräbniszeremonien, die schnell und oberflächlich abgetan werden (ich denke zb. an das zerteilen und an die geier verfüttern menschlicher leichname in nepal), ohne die hintergründe zu kennen oder auch nur kennen zu wollen. von akzeptanz einer anderen kultur mit völlig anderen sitten natürlich ganz zu schweigen!
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:50

Chacco hat geschrieben:Squai, vielleicht habe ich mich etwas falsch ausgesrückt: Ich wusste bereits vorher, wie Hunde oftmals in China und Vietnam für die Zubereitung präpariert werden, ich bin aber fälschlicherweise davon ausgegangen, dass es allen bekannt ist, dumm von mir.
Auch wenn ich aufgrund meiner Beziehung zu Hunden höchstens in allerhöchster Not Hundefleisch verzehren würde, würde ich normalerweise nicht auf die Idee kommen, es anderen Menschen vorzuwerfen.
Aber Kultur hin oder her, einige Chinesen scheinen es nicht nur zu lieben, andere Lebewesen leiden zu sehen (es gibt noch ganz andere Spezialitätenrestaurants in China mit abscheulicher Zubereitung direkt am Tisch), sie sorgen auch dafür, dass besonders bedrohte Tierarten kurz vor dem Aussterben sind. Das würde und werde ich jederzeit anprangern, ebenso die Massentierhaltung in Europa und anderswo.
Dem Schächten stehe ich sehr unentschlossen gegenüber, den ursprünglich wurde es angewandt, um den Tieren durch einen richtig angesetzten Schnitt unnötige Qualen zu ersparen (dies scheint auch wirklich so zu sein). Dass es heute unnötig ist, da es schnellere Methoden gibt, steht ausser Frage.
Und da ich selbst kein Vegetarier bin, möchte ich auch nicht die moralische Keule rausholen, das wäre scheinheilig, aber trotzdem wollte ich es nicht unausgesprochen lassen. Ich hoffe, jetzt ist etwas klarer, warum ich das kritisiert habe.
Ich wünsch dir weiterhin viel Spass auf deiner Reise und freue mich auch auf weitere (auch kulinarische) Berichte.
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:51

Jinx hat geschrieben:Toller Reisebericht :grins: Auch ich freue mich schon auf mehr.

Bei deinem 2. Posting, lieber Squai, bin ich auf den Geschmack gekommen und freue mich nun schon auf die Pferdebratwürstchen auf dem Bremer Weihnachtsmarkt :wink:

Ich liebe übrigens alle Tiere und würde vegan leben, wenn ich die Tiere selbst töten müsste. Da eine gute Freundin von mir vegan lebt, habe ich auch immer mal wieder Sojaprodukte ausprobiert und musste feststellen, dass ich -solange nicht gesundheitlich erforderlich- niemals vegetarisch leben könnte *schüttel*. Ich brauche ab und an mal Fleisch ;-)
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:51

Squai hat geschrieben:Hallo Chacco,

mit diesen Zeilen kann ich weitaus mehr anfangen – DANKE. Und eins steht fest, dass meinem ersten Versuch kein zweiter folgt.


Hallo Jinx,

ich habe meine erste Pferdebratwurst auch auf dem Freimarkt gegessen, habe 13 Jahre in meiner Lieblingsstadt gewohnt.

Ich wäre durch die Tatsache, dass es eine Zeit in meinem Leben gab, in der ich aus der Situation heraus mal 4 Gänse schlachten musste, beinahe zum Vegetarier geworden, habe es aber auch nicht ganz geschafft. Allerdings esse ich heute nur noch wenig Fleisch, manchmal wochenlang nicht. Aber dann ist doch wieder der Wunsch nach ein wenig Fleisch da.

Tofu kann übrigens sehr lecker sein, wenn er entsprechend zubereitet und ergänzt wird. So für sich gegessen, würde es mich auch schütteln.

LG Squai
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:52

Jinx hat geschrieben:@Squai: Das artet gerade in einem kulinarischen Ratgeber aus wa? Egal. Meine vegan lebende Freundin kocht echt alles mit Tofu und es gibt ja auch die Tofu-Salami Aufschnitt etc. Sie hat mir mal deftiges Geschnetzeltes mit Tofu bereitet. Das war okay, aber der Tofu hätte nicht drin sein müssen *lol*. Hab echt schon vieles ausprobiert, aber ne... schmeckt mir nicht. Da streiken meine Geschmacksnerven einfach. Aber mit so einem leckeren Sellerieschnitzelchen kann man mich schon kriegen. Habe letztes Job Weihnachtsfest meiner Freundin zuliebe vegetarisch gegessen. Da hat uns unser Kollege eben Sachen wie Sellerieschnitzel präsentiert, was echt lecker war. Die fettige Ente oder Gans hätte ich nicht essen mögen. Da bin ich eh net der Fan von.

Jedoch muss ich mich manchmal fragen, warum die Sachen mit Fleisches Namen belegt werden ;-) Denn gemein hat es damit nichts, egal wie sehr man sich versucht damit zu täuschen ;-)
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:53

Squai hat geschrieben:Reise-Erlebnisse der etwas anderen Art ...
Verfasst am: 27.02.2008


... sind für mich Erlebnisse, mit denen ich wohl zu tun hatte und haben werde, weil ich nun mal als etwas älteres männliches Wesen unterwegs bin. Und vielleicht passt es hier nicht einmal hin. Dann bitte löschen.

Es geht dabei um das uralte und anscheinend ewige Thema Prostitution, mit dem ich hier in Asien immer mal wieder konfrontiert werde, ob ich will oder nicht. Und da würde es mich schon interessieren, ob und inwieweit die jüngeren Männer unter Euch damit ebenfalls ihre Erfahrungen sammeln mussten / konnten oder ob sie auf Grund ihres kürzeren Daseins auf unserem Planeten (noch) davor verschont blieben.

In meinem Fall meine ich jetzt nicht all die „fast normalen“ Anfragen, bei denen es um die „schnelle Nummer“ oder etwas in der Art ging, sondern die, die mich in unterschiedlicher Form stärker beschäftigt haben. Beginnen möchte ich aber mit zwei Erlebnissen, die trotz der Hintergrundthematik irgendwie ganz lustig waren.

Noch in Saigon, ging ich mal wieder meiner Lieblingsbeschäftigung nach und stromerte so durch die Gegend, als mir plötzlich nach meinem Lieblingskaffee, dem vietnamesischen „Motoröl“ war. Wir nannten ihn so, weil er schwarz, dickflüssig und glänzend an altes Motoröl erinnerte. Und komplettiert durch die noch dickflüssigere ziemlich süße Kondensmilch, wurde dieser Kaffee zu einem der geilsten Getränke für mich überhaupt. So lugte ich dann auf meinem Streifzug nach einem passenden Lokal und sah plötzlich jede Menge Kaffee in Tüten, Dosen und iin loser Form als Kaffeebohnen mit Preisschildern auf dem Bürgersteig aufgebaut. Wo auch sonst in einem Land, in dem alle „local people Läden“ ihre Waren nun mal genau an dieser Stelle präsentieren? Dahinter gab es ein Fenster und eine Tür, und ich konnte ein paar Tischchen und Stühle erkennen. Und da ich irgendwo gelesen hatte, dass es sich gerade in Saigon lohnt, mal den teuersten Kaffee zu probieren, dachte ich, das tuste nun, und marschierte in dieses kleine, recht dunkel erscheinende Lokal.

Das erste, was ich wahrnahm, war eine Gruppe Männer, die mich alle durcheinander mit irgendwelchen freundlichen Worten begrüßten / überschütteten und aufforderten, Platz zu nehmen. Aber noch bevor ich das tun konnte, nahm ich war, wie sich aus dem noch dunkleren Hintergrund des Lokals ein paar Frauen schälten. Lächelnd und mir ebenfalls irgendetwas Unverständliches erzählend. Frauen, in negligeeähnlichen Kleidungsstücken. Und da schwante mir doch iiiiergendwie, wo ich da gelandet sein könnte, obwohl ich doch bloß einen Kaffee trinken wollte. Aber hier in dieser Stadt war nun mal vieles weniger übersichtlich oder auf den ersten Blick erkenntlich, als in anderen Städten. Und so warte ich noch heute auf den Genuss des teuersten Kaffees, denn ihn auf diese Weise zu trinken ~ falls das überhaupt möglich gewesen wäre ~ das war's dann doch nicht. Das Ganze muss aber wohl eine ziemliche Situationskomik gehabt haben ~ wahrscheinlich auf Grund meiner doch etwas perplexen Flucht aus dem Lokal ~ bei der mich das Gelächter der fidelen Truppe begleitete. Aber auch mir sprang mal wieder ~ im sicheren Hafen der Straße angelangt ~ der Draht aus der Mütze.

Dabei war mir kurz vorher schon eine ähnliche Geschichte passiert. Ich hörte hinter mir in einer schmalen Gasse ein Moped, wollte es vorbeilassen und drehte mich zur Seite, um Platz zu machen. Das Gefährt ~ auf dem ein Mann und seine Sozia saßen ~ hielt aber, und er begann mich mit den typischen Sätzen vollzulabern: „How are you? Where will you go? Do you want motobike?“ Usw. usf. Als wir das Programm abgespult hatten und klar war, dass ich nicht motobiken wollte, erzählte er seiner Sozia etwas, die daraufhin vom Sattel kletterte und in einer Form lächelnd auf mich zu kam und ansprach, wie das vielleicht nur Vietnamesinnen können ~ jedenfalls habe ich es so gekonnt noch nicht wieder erlebt. Auch ihr lang gezogenes: „You want buuumbuuum?“ ist ein Wort, das wohl nur entsprechende Frauen in diesem Land lächelnd so aussprechen und betonen können, dass kein Zweifel daran besteht, was den Glücklichen ~ der diesem Lockruf folgt ~ erwarten könnte. Alles klar???

Aber auch diese Situation hatte fast noch etwas loriohaftes, über das ich lachen konnte, was ich von den nächsten beiden nicht mehr sagen mag. Aber dem voraus ging Normalität, die aufzuzeigen vermag, wie zufriedenstellend mein „normaler“ Alltag aussehen kann und aussieht, so lange er frei bleibt von den anderen Begegnungen. Und so möchte ich das quasi als Vorspann benutzen. Zu dem Zeitpunkt befand ich mich dann schon in Battambang / Kambodscha und damit mehr oder weniger bereits auf meinem Weg nach Bangkok.

Das Städtchen bot wirklich nicht viel, wie mir zuvor schon gesagt wurde. Aber als Zwischenstation nach Bangkok und umgekehrt wird der Ort von vielen Travellern genutzt, während ich mir hier immerhin eine Fahrt mit dem „Bamboo Train“ gönnen wollte, von dem ich bereits in Deutschland in einem Filmbericht über die Züge Asiens etwas gesehen / gehört hatte. Ich wusste daher, dass es kein richtiger Zug im Sinne normaler Züge ist, sondern als Privatinitiative der Einheimischen irgendwann mal entstanden ist, um leichter über den vorhandenen ~wenn auch abenteuerlichen ~ Schienenstrang, der nach Phnom Penh führt, in die umliegenden Orte zu gelangen. Dieser Zug wird erst bei Bedarf auf den Schienen zusammengebaut, besteht nur aus zwei Achsen mit relativ kleinen Rädern, auf die eine Bambus Plattform von ca. 2 mal 3,50 m gesetzt wird, die weder mit einem Geländer, noch sonstigen sicherheitsrelevantem Schnickschnack ausgestattet war ~ was mich ja in dieser Schlichtheit immer wieder begeistert. Dann wird noch ein kleiner Benzinmotor an der Hinterachse angeflanscht und los geht’s. Man sitzt dann auf dieser Plattform, lässt sich den Fahrtwind kühlend um die heißen Ohren wehen und durch die Landschaft zum nächsten Ort rattern. Wobei rattern wörtlich zu nehmen ist, da die Schienenstöße oft zentimeterweit klaffen und verspringen, dass einem bei der Geschwindigkeit, mit der dieses Gefährt über die Schienen rollt, schon mal das Gefühl beschleicht, gleich durch so einen Ruck von der Plattform geschubst zu werden.

Zu dieser Fahrt hatte ich mich schon im Vorfeld entschieden, noch bevor ich am Fluss entlang stromerte und dort ein Moped auf mich zu knatterte. Auf ihm saß ein noch recht jung aussehender Fahrer, der mich erst einmal in ein Gespräch verwickelte, bevor er zur Sache kam. Es war die schon öfter gehörte Geschichte, vom "Nur-Englisch-sprechen-wollen", die er durch seinen Wunsch ergänzte, nach seinem Studium als Tour Guide arbeiten zu wollen. Na ja, dieser kambodschanische Smalltalk endete dann in dem Angebot, mich mit dem Moped durch die Gegend zu fahren. Und da ich genau das ja sowieso vorhatte, wollte ich seinen Preis zum „Bamboo Train“ und dem einen oder anderen Tempel in der Umgebung wissen. Der deckte sich in etwa mit dem zuvor im Hotel gehörten, und so wurden wir handelseinig. Als es jedoch darum ging, wo er mich denn am nächsten Morgen auflesen würde, kam eine neue Variante ins Spiel, denn am Hotel konnte er mich nicht abholen, weil er keine offizielle Erlaubnis für diese Fahrten besaß. Und so bat er mich denn auch dringlichst, ja nichts im Hotel oder anderen Fahrern von unserem Deal zu erzählen. Dann überlegten wir uns noch einen unverfänglichen Treffpunkt in der Nähe des Hotels, und weg war er.

Es war schon komisch, was mir in diesen Momenten für ein Zeug durch meine kleinen Grauen Zellen wirbelte. Die ganze Gehirnwäsche der Angst- und Panikmache probte ihren Aufstand: „Du kannst dich doch nicht auf so etwas einlassen!!! Wer weiß, wo der dich hinfährt und dann ausraubt, umbringt oder sonst was mit dir anstellt!!!“ Und so weiter und so fort. Aber dann musste ich innerlich lachen, schaute mir mit meinen inneren Augen meinen kleinen Fahrer noch einmal an und wusste, dass mir auch in dieser „dunklen Gasse“ nichts passieren würde. Aber es ist schon zum Piepen, wie diese Programmierungen immer wieder / oder immer noch wirken. Und so kletterte ich dann am anderen Morgen an einer etwas versteckt liegenden Stelle wohlgemut und klammheimlich auf sein Moped.

Aber erst einmal wollte ich ja noch meine Ortskenntnis weiter ausdehnen und folgte dem Fluss, bzw. den Straßen, die ihn begleiteten und geriet dabei immer weiter an den Stadtrand und damit in Bereiche, in denen so etwas wie ich eher seltener zu finden sein dürfte. Hier fand ich dann wahrscheinlich wohl eine der letzten Möglichkeiten, den Fluss noch innerhalb der Stadtgrenzen zu überqueren. Und zwar in Form einer schmalen Eisenbahnbrücke, die auch von Fußgängern und Mopedfahrern genutzt wurde. Das sah so „strange“ aus, dass ich das Geschehen erst einmal 'ne Weile beobachtet habe, bevor ich mich dann auf die Brücke traute. Es war nämlich so, dass es zwischen den Geleisen auf den Schwellen nur zwei schmale Bretter von ca. 2,5 cm Dicke und insges. ca. 50 oder 60 cm Breite gab. Man konnte also überall durch die Zwischenräume auf den Fluss schauen, während man sich den leicht federnden Brettern anvertraute, die an vielen Stellen geflickt worden waren. Oder aber noch darauf warteten, so dass es immer wieder mehr oder weniger kleine oder größere Lücken in diesem Bretterweg gab.

Wenn sich dann jemand ~ z.B. ein fahrradschiebender Brückenüberquerer oder auch ein Fußgänger oder beides ~ auf der Brücke befand, wurde es spannend. Denn garantiert tauchte wenig später auf der anderen Seite ein Moped auf, das ebenfalls über die Brücke wollte. Und jetzt gab es zwei Möglichkeiten, entweder wartete es, bis der- oder diejenigen drüben angekommen waren, oder es fuhr los. Jaaa, das Moped wurde über die Bretter ~ die hier die Welt bedeuteten ~ gefahren, nicht geschoben. Ich glaube, ich hätte mir dabei in die Hose gemacht. Und natürlich traf es unweigerlich an irgendeiner Stelle auf den schwächeren Gegenverkehr, der dann gnadenlos zuzusehen hatte, wie er diesen Knoten irgendwie löste. Und das funktionierte so, dass der- oder diejenige besagte Bretter seitlich komplett verließ und nur noch auf einer der Schwellen stand. Das Fahrrad, wenn denn eins mit im Spiel war, wurde ebenfalls soweit wie möglich zur Seite genommen und dann tuckerte das Moped frisch, fromm, fröhlich, frei vorbei. Problem gelöst. Ich habe mal ~ einfach so, und weil ich neugierig war ~ runter in den Fluss geschaut, ob ich irgendwelche Mopeds, Fahrräder oder gar wagemutige Kambodschaner in der lehmigen Brühe entdecken konnte, aber es war nix zu sehen, die Brühe war zu trüb. Vielleicht haben sie es ja auch alle geschafft. Irgendwie ermutigend.

Na ja, um dem Risiko (m)einer Flusslandung auszuweichen, und weil ich den gleichen Weg nicht wieder zurück laufen wollte, ging es jetzt nur noch darum, den geeignetsten Moment abzupassen. Und der kam für mich, als sich schon drei Personen mit und ohne Fahrrad auf der Brücke befanden, und ein ankommendes Moped auf der anderen Seite tatsächlich stehen blieb und wartete. Also nix wie hinterher, schwanke es, was es wolle. Es war schon ein seltsames Gefühl, das sich da in meiner Magengegend breit machte, aber eine Begehung der klassischen „Monkey Bridge“ stelle ich mir heftiger vor. Denn das ist ja eine Brücke, die nur eine einziges, relativ dünnes rundes und zusätzlich krummes Baumstämmchen als Auftrittsfläche besitzt und ansonsten nur noch von dort aus über v-förmig verspannte seitliche Handläufe verfügt. Wahrlich eine Affenschaukel. Solche Brücken sind in jedem Dschungel Film das absolute Highlight und meistens reißen sie dann an einem Ende ab, um den Helden mit einem Riesenschwung ~ während auf ihn geschossen wird ~ flugs ans andere Ufer zu schaffen. So ein Teil habe ich bisher nur ein einziges Mal irgendwo am Mekong gesehen, aber ohne Helden, und benutzen musste ich sie auch nicht. Aber das hier war ja keine „Monkey Bridge“, und so brauste der Fahrer in dem Moment mit einem Affentempo los, als auch ich drüben angelangt war, denn die Brücke war in dem Moment gerade mal komplett frei. Tja, die Jung's haben's drauf.

Und jetzt, nach diesem Exkurs kommt's. Als ich dann auf der anderen Seite des Flusses langsam wieder in die „normalen“ Bereiche der Stadt kam, ereilte mich mal wieder ein Erlebnis der dritten Art, das mich in meinen Gedanken dann noch eine ganze Zeit verfolgte. Ich latschte so durch die Gegend ~ wie ich es halt nun mal gerne tue ~ als eine junge Frau auf mich zu steuert und mir erzählt: "I love you." Und als ich sie daraufhin perplex fragte: "What did you say?" erneut antwortete: "I love you, thousand Riel." Und da wusste ich, was gespielt wurde und bekam nur noch raus, dass ich an dem Angebot nicht interessiert sei. Fühlte mich aber anschließend wieder einmal völlig be********. Und als sie dann weg war, realisierte ich, dass 1000 Riel gerade mal einem viertel Dollar entsprechen = 25 US Cent. Und in Euro Cent ist es noch weniger.

Was muss diese junge Frau schon für ein beschissenes Leben mit meinen Artgenossen und auch sonst hinter sich gehabt haben, dass sie sich mir ~ einem älteren Ausländer ~ für diesen, für uns absolut lächerlich geringen Betrag anbietet. Es hat mich fast zerfetzt, und ich wollte hinterher, um ihr das Geld so zu geben, aber ich sah sie nicht mehr. Manomanomanoman, wieso werde ich auf meiner Reise immer mal wieder mit solchen Dingen konfrontiert, und jedes Mal eine Nummer heftiger? Selbst am nächsten Tag auf meiner Mopedfahrt zum „Bamboo Train“ hatte ich für eine Weile den Eindruck, schon wieder in so etwas reinzustolpern, was aber dann Gott sei Dank nicht passierte. Ich glaube, ich hätte 'nen Schreikrampf gekriegt, wenn meine Befürchtungen eingetreten wären.

Als wir so durch die Gegend tuckerten ~ wir hatten gerade ein Kloster und einen Baum mit einer Meute fliegender Hunde hinter uns gelassen ~ bog mein Fahrer mit mir vom Weg ab in ein Anwesen ein, das mit anderen ähnlichen Häusern mitten in der Pampa lag. Er erzählte mir, dass hier sein Vater mit seiner zweiten Frau + Familie lebt, und dass er gerne guten Tag sagen würde, wenn ich nichts dagegen hätte. Hatte ich natürlich nicht, auch wenn ich erst dachte, dass es um einen kleinen Nebenverdienst für ein Mittagessen gehen würde, da gerade Mittagszeit war, und die Frauen dort auch kochten. Wogegen ich auch nichts gehabt hätte. Aber dem war wohl nicht so, denn es kam keine Einladung, Frage oder sonst etwas in dieser Richtung.

Ich wurde nur herzlich von seiner Stiefmutter + Papachen begrüßt und musste auf einer Holzterrasse Platz nehmen, wie sie zu jedem Haus gehört, und die für alles Mögliche genutzt wird, zum Schlafen, Essen, Spielen und was weiß ich. Hier befanden sich auch zwei kleine Mädchen und ein kleiner Junge ~ seine Halbgeschwister ~ mit denen ich mich ruckzuk anfreundete. Und dann tauchten, wie konnte es auch anders sein, noch einige Jungen und Mädchen aus der Nachbarschaft auf, mit denen es genauso munter weiter ging. Alle wollte sie meine weiße Haut anfassen, an meinen Unterarmhaaren zupfen und in den Ärmel schauen, wie es denn dort wohl weitergehen könnte. Besonders die etwas ältere von den Halbgeschwistern schien einen Narren an mir gefressen zu haben, sie kuschelte sich an mich, streichelte immer wieder das „Fell“ auf meinen Armen, hielt mir einen Spiegel vor, in dem nur wie beide zusehen waren und erzählte in einem Fort etwas, was ich nicht verstand. Meinem alten Wunsch, auch ein Töchterchen zu haben, wurde hier so richtig entsprochen. Und das hätte ich auch noch eine ganze Weile aushalten können, auch wenn es hier dann mindestens vier oder fünf gewesen wären.

Dann aber kam plötzlich noch ein Mädchen dazu, vom Körperbau hätte sie ca. zwölf sein können. Aber das Gesicht sah aus wie 20, und das Erschreckendste, ihre Augen sahen aus, wie die einer 50-jährigen, die auf ein verdammt schweres Leben zurückschaut. Tatsächlich aber war sie 15, wie mir mein junger Freund auf mein Nachfragen erzählte. Und ich saß dann da und hatte einen Heidenschiß davor, dass man mir gleich dieses Mädchen gegen ein entsprechendes Entgelt anbieten könnte und habe dann darauf gedrängt, möglichst schnell wieder vom Hof zu kommen, um das nicht auch noch erleben zu müssen. Denn einige Reisefrauen hatten mir von anderen älteren Rucksack-Reisenden erzählt, denen Eltern in ihrer finanziellen Not die eigenen Kinder angeboten hatten. Auch hier ließ mich die Frage nicht los, was dieses Mädchen an Schrecklichem erlebt haben könnte, zumal sie mich andauernd fixierte, ohne dabei auch nur eine Mine zu verziehen. Diese Augen werde ich wohl so schnell nicht wieder los. Dabei habe ich mich ja inzwischen mehr oder weniger an alles mögliche gewöhnt, an die vielen Bettler, selbst an die Krüppel. Aber wie ich mich jemals an so etwas gewöhnen soll, da habe ich keine Ahnung. Obwohl ich ja nicht einmal weiß, ob meine Vermutung stimmte. Ich weiß nur, dass ich anschließend an solchen Dingen erst mal 'ne Weile zu knappsen hatte und habe. Und das ist dann eine völlig andere Seite des ach so fröhlichen Travellerlebens, auf die ich gerne verzichten würde. Selbst jetzt, in diesen Minuten, in denen ich diese Zeilen schreibe, spüre ich wieder den Kloß in der Magengegend. Puuuuhhhh.

Na ja, und so möchte ich es erst einmal ~ nachdem ich einige Male tief durch geatmet habe ~ mit meinem etwas anderen Reisebericht dabei belassen und schicke Euch sonnige Grüße aus Sin City

Squai
Jean-Luc
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Beitragvon Jean-Luc » 11.02.2011 - 22:54

Chacco hat geschrieben:In Kambodscha hat "mein" Motorradfahrer natürlich versucht, mich in bestimmte Etablissements zu bringen. Und da ich von Kambodscha viel negatives gehört hab, bin ich dann auch mal vor Ort gewesen, um mich über die Situation zu informieren. Naja, scheinen einige Minderjährige dort zu arbeiten und sicher nicht freiwillig. Allerdings wollten die keine 1000 Riel (sowas nimmt doch eigentlich niemand in Kambodscha mehr an), sondern 50$.
In Bangkok ist es was anderes, die Mädels werden nicht gezwungen und man kann auch Spass mit ihnen haben, ohne sie mit aufs Zimmer zu nehmen.
Und angesprochen wird man auch nur auf der Sukhumvit und selbst da hält es sich schwer in Grenzen. Ich hab mich in Bangkok noch nie wirklich belästigt gefühlt.

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