Heimkehr - Richtig ankommen, wie gehts?

Hilfe bei Reisefrust, Heimweh, Fernweh und anderen Zweifeln, Sorgen, Gedanken und Problemen die euch vor/während/nach eurer Reise beschäftigen.
anseoz
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Heimkehr - Richtig ankommen, wie gehts?

Beitragvon anseoz » 27.07.2013 - 00:36

Hallo alle zusammen!

Wie der Betreff schon betitelt, würde ich hier gern über die Heimkehr nach einer längeren Reise, und eure diesbezüglichen Erfahrungen reden.
Kurz zu mir, ich heiß Timo, bin 22 Jahre alt und seit 3 Monaten bin ich wieder Zuhause.
Zuvor bin ich 18 Monate lang gereist, davon 12 Monate durch Australien (WHV) und anschließend nach Neuseeland, Indonesien, Thailand, Philippinen, ...(und noch ein paar andere Länder in Südostasien).
Ich war allein unterwegs, also so allein wie man halt normalerweise ist beim backpacken (man findet ja immer wieder Leute mit denen man mal ein paar Tage, mal ein paar Wochen/Monate zusammen ist).
Momentan leide ich unter ziemlich starkem post-travel-blues.

Ich bin schon wieder so lange Zuhause, und doch noch nicht wirklich angekommen. Das liegt wohl zum größten Teil an der Reduzierung meines sozialen Lebens.
18 Monate war ich unterwegs, das sind 18 Monate, in denen die Menschen in der Heimat gelernt haben, ein Leben ohne mich zu führen.
Beim reisen war ich ständig von Leuten umgeben, mit welchen ich mich unbeschwert über wirklich alles unterhalten konnte und wann immer ich wollte, war ich unter Leuten.
Hier in der Heimat ist es nun so, dass sich kaum noch ein Schwein bei mir meldet. Fast jeder meiner Freunde hat sich an ein Leben ohne mich gewöhnt, und wenn ich mal wen treffen will,
geht die Initiative andauernd von mir aus, und selbst wenn's dann mal klappt mit einem Treffen, fühl ich mich so, als würde ich nicht mehr dazu gehören.
Ich habe komplett andere Ansichten entwickelt als die meisten meiner Freunde und auch wenn ich versuche von meinen Erlebnissen zu erzählen, so ist es für keinen nachvollziehbar, weil keiner meiner Freunde je eine ähnliche Erfahrung gemacht hat. Mein soziales Leben ist somit quasi von 100% auf 0% geschrumpft seit ich wieder da bin.
Ansonsten hätte ich Freitagnacht um halb 1 besseres zu tun, als mein Herz an hoffentlich verständnissvolle Mitbackpacker auszuschütten^^

Bis mein Studium im Oktober beginnt, bin ich aus finanziellen Gründen wieder bei meinen Eltern eingezogen, auch hier werden meine Freiheiten extrem eingeschnitten.
Gar nicht mal durch Verantwortungen im Haushalt (die ich eigentlich gerne übernehme), viel mehr durch die Tatsache, dass ich jederzeit erreichbar bin.
Wenn ich mal absolut keinen bock habe, mit meinen Eltern zu reden, so wohn ich doch im selben Haus, und es ist unumgänglich und unvermeidbar sich aus dem Weg zu gehen.
Ich glaube echt ich werde hier noch depressiv, deshalb reagier ich mich gerade auch sportlich sehr viel ab. Ich gehe viel wandern, joggen, schwimmen und fahrradfahren.
Das hilft jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt, von da an setzt dann immer diese Einsamkeit und Traurigkeit ein hier festzusitzen.

Ich freue mich auf mein Studium - darauf neue Menschen kennen zu lernen und endlich wieder nur für mich selbst verantwortlich zu sein und auf keinen Rücksicht nehmen zu müssen.
Momentan hab ich auch kein wirkliches Bedürfnis wieder zu Reisen ( die 18 Monate die ich unterwegs war, waren nicht zu viel und nicht zu wenig, also vorerst genau genug),
vielmehr will ich einfach nur weg. Weg von den Menschen, die sich nicht mehr für mich interessieren, oder mit denen ich einfach nicht mehr auskomme, weil unsere Ansichten vom Leben sich mittlerweile zu krass unterscheiden.

Ich wollte mich eigentlich nur mal umhören, ob es hier vielleicht Leute gibt, die ähnliche Gefühle oder Erfahrungen haben/hatten und/oder wissen,
wie man damit am besten klarkommt.
Zur Zeit kämpf ich echt jeden Tag darum, zu lachen und das Leben zu genießen so wie ich es auf meinen Reisen getan habe.

PS: Ich bin eigentlich ein echt lebensfroher Mensch, der normalerweise in ALLEM Positives sehen kann, und optimistisch durch' s Leben geht

Lg,
Timo
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Beitragvon Chacco » 27.07.2013 - 08:11

Menschen verändern sich, vor allem auf Reisen. Es ist normal, dass du dich in den 18 Monaten anders entwickelt hast, als die daheim gebliebenen.
Du wirst noch öfters im Leben mit der Enttäuschung umgehen müssen, Bekannte ( Freunde hat man fürs Leben ) zu verlieren, das tut zwar manchmal kurz weh, aber letztendlich ist das der Lauf der Dinge.
Es hat seine Gründe, warum man Menschen aus den Augen verliert. Ich habe über Facebook viele alte Weggefährten wieder getroffen, man redet ein wenig und das wars. Man hat sich halt nicht mehr viel zu sagen, aber dafür kommen neue Menschen in dein Leben.
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Beitragvon Jubu94 » 28.07.2013 - 17:59

Ja, das mit dem Wiederankommen ist leider gar nicht so einfach. Während man unterwegs war, hat man sich nie alleine gefühlt, obwohl man die Leute kaum kannte, und dann kommt man nach Hause zu den Leuten, die man seit Jahren kennt...und fühlt sich plötzlich total allein! Vor allem bei 18 Monaten, das ist natürlich schon wirklich eine wahnsinnig lange Zeit, da verändert man sich einfach unglaublich und merkt, dass man teilweise mit Menschen, die einem früher total nahstanden, einfach nicht mehr so die Verbindung hat. Aber das ist leider so und es bringt dann auch nichts, mit Gewalt zu versuchen, das Ganze aufrecht zu erhalten. Aber was das angeht, freu ich mich auch wie du unglaublich aufs Studium, weil man da doch nochmal quasi von vorne anfangen kann und ganz viele neue Leute kennenlernen kann :-)
Und das Schöne ist ja auch, dass es genau für diese "Wehwehchen" die Community hier gibt, in der man sich dann doch immer wieder sehr verstanden fühlt!
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Beitragvon Sofiesingt » 18.02.2014 - 10:27

ich kenne das von einer Freundin die von einer Weltreise zurück gekommen ist und ihr Leben danach radikal umgekrempelt hat, Job gekündigt, neue Ausbildung etc. - für sie war das total wichtig und es geht ihr jetzt viel, viel besser als vor der Weltreise, sie ist dadurch erst richtig bei sich angekommen... wie geht es dir mittlerweile damit? Es sind ja doch schon einige Monate seit deinem Beitrag vergangen.

LG

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