Kummer mit deutschen Australienreisenden

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Romana
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Kummer mit deutschen Australienreisenden

Beitragvon Romana » 25.03.2015 - 05:40

Ich bin zum ersten Mal in diesem Teil des Forums und sehe, dass sich hier nur junge Deutsche beschweren, die von ihren Reiseerfahrungen enttäuscht sind. Hier mal eine Kummerbotschaft von der anderen Seite her: Warum manche jungen Deutschen hier in Australien (oder sonst wo auf der Welt) einfach fehl am Platz sind!

Was ist denn der Sinn und Zweck des Reisens? Meiner Meinung nach ist es das LERNEN und die Erweiterung der persönlichen Sichtweise auf die Welt und das Leben.

Nun kommen manchmal junge Menschen aus Deutschland hierher, nur weil sie gehört haben, dass hier die Arbeitslöhne für ungelernte Arbeiter höher sind als in Deutschland, und dass man hier aufgrund der kleinen Bevölkerungszahl nicht gegen so viel Konkurrenz um solche Jobs zu kämpfen hat. Sie kommen ausgestattet mit dem Wissen, wie man mit staatlichen Behörden umgeht ("Arbeitsamtkundenmentalität") und wenden dieses einzige Wissen, das sie haben, hier an. Sie füllen lange Antragsformulare aus, lassen sich in die Verzeichnisse von Arbeitssuchenden eintragen und warten dann auf die "gut bezahlten" Jobs für Tagelöhner. Und während sie auf die Reaktionen von Seiten der staatlichen Vermittlungsagenturen (d.h. "auf bessere Zeiten") warten, tun sie absolut NICHTS. Sie lernen nichts, sie suchen keine Freundschaften mit Einheimischen, sie besuchen keine Sehenswürdigkeiten ... sie sitzen nur rum und quasseln wochenlang dummes Zeug oder vergnügen sich auf ihren Mobilgeräten oder sehen fern und warten und warten, dass irgendetwas geschieht, das ihnen Geld bringt, das sie dann für Bier oder ähnliches ausgeben können.

Dabei sind sie freilich glücklich, wenn sie einen Platz finden können, wo sie während dieser Wartezeit kostenlos schlafen und essen können, und freilich verhalten sie sich ihrem Gastgeber oder ihrer Gastgeberin gegenüber lieb und nett - bis sie ihn oder sie nicht mehr brauchen!

Ich möchte hier nicht auf die Einzelheiten meiner konkreten Erlebnisse mit solchen Menschen eingehen. Ich möchte hier nur die Frage aufwerfen: Ist das der Sinn und Zweck einer Auslandsreise?

Bestimmt nicht. Ich hätte diesen Menschen so viel beibringen können und habe es auch versucht, doch sie hatten an absolut Nichts Interesse. Solche jungen Menschen zu erleben bricht mir einfach das Herz.
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
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Beitragvon Wastl » 02.04.2015 - 13:23

Romana hat geschrieben:Nun kommen manchmal junge Menschen aus Deutschland hierher, nur weil sie gehört haben, dass hier die Arbeitslöhne für ungelernte Arbeiter höher sind als in Deutschland, und dass man hier aufgrund der kleinen Bevölkerungszahl nicht gegen so viel Konkurrenz um solche Jobs zu kämpfen hat. Sie kommen ausgestattet mit dem Wissen, wie man mit staatlichen Behörden umgeht ("Arbeitsamtkundenmentalität") und wenden dieses einzige Wissen, das sie haben, hier an. Sie füllen lange Antragsformulare aus, lassen sich in die Verzeichnisse von Arbeitssuchenden eintragen und warten dann auf die "gut bezahlten" Jobs für Tagelöhner. Und während sie auf die Reaktionen von Seiten der staatlichen Vermittlungsagenturen (d.h. "auf bessere Zeiten") warten, tun sie absolut NICHTS. Sie lernen nichts, sie suchen keine Freundschaften mit Einheimischen, sie besuchen keine Sehenswürdigkeiten ... sie sitzen nur rum und quasseln wochenlang dummes Zeug oder vergnügen sich auf ihren Mobilgeräten oder sehen fern und warten und warten, dass irgendetwas geschieht, das ihnen Geld bringt, das sie dann für Bier oder ähnliches ausgeben können.

Das könnte ich nicht besser sagen. So schön ich es auch finde, dass junge Leute nach dem Abitur hinaus gehen, um die weite Welt zu sehen, aber mich hat das auch etwas erschrocken, wie viel Naivität viele junge Leute in Australien an den Tag legen. Aber will man es Ihnen verübeln? Viele sind gerade erst von zu Hause "entlassen" wurden, stehen das erste Mal auf eigenen Beinen. Für Viele ist es selbstverständlich, dass man mal eben nach Australien geht und den gleichen Lebenstil wie zu Hause leben kann. Sie realisieren wahrscheinlich erst Jahre später, welch große Chance sie ausgelassen haben ihren Horizont zu erweitern und unvergessliche Erfahrungen zu sammeln. Hinzu kommt, dass viele sich unterbewusst in Sicherheit wiegen. Die Eltern zu Hause in Deutschland werden das eigene Kind ja nicht verhungern lassen, wenn das Bankkonto leer ist. Solange man als junger Mensch nicht zu 100% auf eigenen Beinen stehen muss, ist der Drang Herausforderungen anzunehmen und wertvolle Erfahrungen zu sammeln einfach nicht groß genug, weil Alles als selbstverständlich angesehen wird. Für viele junge Leute endet das Abenteuer doch schon, wenn sie in Australien angekommen sind. Weg von zu Hause, frei sein, nicht unter Kontrollzwang sein, einen Fuß auf australischen Boden gesetzt zu haben und dann nach Hause kommen und prahlen "Ich war in Australien". Das reicht den meisten leider schon aus. Das bestreben nach mehr ist da leider nicht vorhanden.
Romana hat geschrieben:Ich hätte diesen Menschen so viel beibringen können und habe es auch versucht, doch sie hatten an absolut Nichts Interesse. Solche jungen Menschen zu erleben bricht mir einfach das Herz.

Das tut mir wirklich leid für dich, weil ich glaube, dass du mit guten Absichten den Backpackern Etwas vermitteln möchtest und ihren Trip auch etwas besonderes verleihen möchtest. Aber du wirst immer Leute haben, die so etwas zu schätzen wissen und welche, die das nicht zu schätzen wissen. Ich kann mir das in deiner Situation sehr gut vorstellen. Du wirbst mit kostenloser Unterkunft und Essen im Gegenzug für etwas Arbeit, die wahrscheinlich auch recht einfach zu verrichten ist.
Das wirkt für mich schon von vorherein wie eine Anlaufstelle für perspektivlose Backpacker ohne Geld. Wie gesagt, es gibt ganz viele, die durch ihre Naivität früher oder später in Geldnöte geraten und nicht weiter wissen, falls sie keinen Job finden. Da kommt Ihnen so ein Woofing Job doch gerade recht. Das Problem folgt dann, dass sie sich wiederum in Sicherheit fühlen, wenn sie bei dir Woofen. Sie fallen in das Verhaltensmuster von zu Hause zurück, wo sie abgesichert sind, wo sie ein Dach über den Kopf haben, wo sich die Eltern um Alles kümmern, wo man nicht mal den Finger krumm machen muss, wenn man keine Arbeit hat. Ganz nach dem Motto: "Mir wird schon Alles zu Füßen getragen werden". Auch wenn sie es nicht bewusst machen, es ist schon traurig, dass letzendlich die Bequemlichkeit und Selbstverständlichkeit solcher Dinge den jungen Leuten mehr wert ist als den Hintern hoch zu bekommen, die Chancen zu nutzen, die einen gegeben sind und einfach mal wichtige Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Warum Arbeit suchen, wenn ich den ganzen Tag fernsehen kann? Die Arbeitsvermittlung wird sich schon melden, ich bin doch der Beste für den Job :lol:

Romana hat geschrieben:Ich möchte hier nur die Frage aufwerfen: Ist das der Sinn und Zweck einer Auslandsreise?

Wie schon gesagt, vielen jungen Leuten geht es einfach mal darum, das Gefühl von Freiheit, Unabhängigkeit und Ausgelassenheit zu erfahren. Das äußert sich aber von Person zu Person unterschiedlich. Der Eine bekommt dieses Gefühl, wenn er ein Jahr lang Party in Sydney macht, der andere wenn er mit dem Auto durchs Outback fährt oder Dinge tut, die er zu Hause einfach nicht machen kann. Das Problem dabei ist, dass die jungen Leute häufig die Situation nicht hinterfragen oder reflektieren. Sie bringen ihre gelebten Werte aus Deutschland mit, die sie in Australien ohne Weiteres ausleben können. Die Frage nach Veränderung oder Neuem kommt da einfach nicht auf.
Aber nochmal: Willst du es Ihnen verübeln? Sie verhalten sich doch nur so, wie sie es zu Hause gewohnt waren. Sie wissen noch nicht, dass ein Großteil von ihnen die nächsten 40 Jahre in einem Bürostuhl verbringen werden, Verantwortung übernehmen müssen und Zeit unheimlich kostbar ist. Sie verstehen noch nicht, dass jetzt eigentlich der richtige (und wahrscheinlich einzige) Zeitpunkt im Leben ist, um Dinge anzupacken, Erfahrungen zu sammeln und den Horizont zu erweitern.

Aber mach dir da nicht soviele Gedanken drüber. Diese Einsicht kannst du bei den Leuten nicht erzwingen. Das kann nur irgendwann die Zeit und Lebenserfahrung bringen. Und ich bin mir sicher, du hast ja auch Gäste, die das Alles wirklich zu schätzen wissen.
2015 - ???? Neuseeland und Kanada
2011 - 2014 Australien, Ozeanien und Südostasien

http://backpackerinside.blogspot.com/
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Beitragvon equinox » 07.06.2016 - 01:08

@ Romana and @ wastl

Ihr habt sicher Recht, wenn ihr die Verhaltensmuster äußerst junger Backpacker kritisch begutachtet und feststellt, dass diejenigen, die gerade erst ihre Schullaufbahn beendet habe, aber noch voll durch das "Hotel Mama" gepampert werden, den Ernst des Lebens nocht nicht begriffen und realisiert haben. DAS kann man den jungen Leuten jedoch nicht zum Vorwurf machen, denn sie haben ja bisher auch noch keine anderen Erfahrungen als diese gemacht, dass die Eltern im Ernstfall in die Bresche springen (und Geld überweisen).

Anders sieht es allerdings mit denjenigen Backpackern aus, die bereits ein Studium oder eine Berufsausbildung erfolgreich hinter sich gebracht habe, die evt. bereits eine zeitlang eine eigene Wohnung hatten und finanzieren mussten, ein Auto, diverse Versicherungen.... und all das andere "Gedöns", was sich halt so im Laufe des Lebens ansammelt.
Wenn solche jungen Leute sich entschließen, ihrem Leben nochmal eine Zäsur zu geben und aus dem sich ankündigenden "Hamsterrad" aussteigen wollen, um eine Feinjustierung und Neuorientierung an ihrem Selbst und an ihren Zukunftsperspektiven vornehmen zu wollen, dann ist so ein WHV-Jahr in Australien genau die richtige Wahl der Mittel. Auto wird verkauft, Wohnung wird gekündigt, Möbel werden bei den Eltern eingelagert, Reisekasse wird erarbeitet... und ab geht's in den nächsten Flieger nach Down Under.

Das sind junge, hoch motivierte, total engagierte Menschen, die wertvolle Erfahrungen machen und ihren Horizont erweitern wollen!

Und was erwartet sie in OZ?

Sie kommen mit idealistischen Plänen hier an, wollen Land & Leute kennenlernen, wollen sich von den atemberaubenden Naturschauspielen verzaubern lassen und eine Tierwelt erleben, die ihresgleichen auf Erden sucht. Dann folgt zuerst die Ernüchterung angesichts der horrenden Übernachtungs- und Lebenshaltungskosten, die auch eine gut gefüllte Reisekasse sehr schnell schrumpfen lässt. Also muss ein Job her, der die finanziellen Mittel ein wenig "strecken" kann!
Am besten --- > "fruitpicking"!... DAS ist schließlich DER konventionelle backpacker-Job schlechthin!
Und nein, über Sklavenarbeit, Ausbeutung, Leistungsentgeltvorenthalt etc. will ich jetzt nicht referieren...
Ein Job als 'fruitpicker' reicht allerdings bestenfalls zum Überleben; ein Leben davon und vorallem danach ist schon fast utopisch.

Okay, also wwoofing..... Ist immerhin 'ne gute Sache, kostet kein Geld (accommodation & food for free), man lernt nette Leute all over the world kennen, bekommt einen Einblick in die australische Realität von Farmern und Ranchern.... und hat genügend Zeit, sich darüber klar zu werden, wie, wann und ob es weitergeht auf der Erlebnis- und Adventure-Reise. Allein schon das Nachdenken darüber kostet Zeit und Nerven, bis derjenige feststellt: Das Kreditkarten-Limit ist dann auch gleichzeitig das Limit der Reise.

Ich gehe davon aus, dass es nur sehr wenige backpacker gibt, die nicht realistisch einschätzen können, dass sie sich ihren Auslands-Trip auch während der Reise selbst verdienen müssen. Aber... es wird ihnen auch nicht immer einfach gemacht. Zuviel Konkurrenz, zuwenig gutbezahlte Jobs.

Was ich damit sagen will, ist:
Verteufelt nicht die jungen Menschen, die idealistisch und mit sehr hohen Erwartungen nach Australien geflogen sind und nun auf den Boden der Tatsachen stehen, der der Ernüchterung folgt. Das ist hart und das tut weh.
Enttäuschungen prägen die Persönlichkeit und geben die Gelegenheit, daran zu reifen und sich zu entwickeln, aber sofern es noch einen Lichtstreif am Horizont gibt, dann besteht die Hoffnung, dass diejenigen diese Chance sehen und ergreifen. MEIN Bestreben ist es, zumindest auf diesen Lichtblick hinzuweisen und den Weg dazu zu ebenen.
Lieben, Leben, Lachen... veni vidi vici!
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Beitragvon becherts » 18.07.2016 - 17:06

Interessante Diskussion. Tja, die meisten haben halt auch falsche Vorstellungen denke ich!
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Beitragvon Romana » 18.07.2016 - 17:28

Stimmt. Mein einleitender Beitrag hier ist ja nun ziemlich alt und inzwischen habe ich ein oder zwei Dutzend mehr deutscher Rucksacktouristen kennengelernt und habe festgestellt, dass es unter ihnen alle Abstufungen von äußerst primitiv bis hochintelligent, von totalen Versagern bis hin zu lernwilligen und sehr hilfreichen, inspirierenden und produktiven Heldengemütern gibt. Was mich aber nach wie vor interessiert ist die Frage:

Mit welchen Vorstellungen kommen junge Deutsche nach Australien?

Ist es für euch ein superreiches Land, in dem man die tollsten hochbezahlten Jobs bekommen kann?
Glaubt ihr, es herrscht hier ein Arbeitskräftemangel?
Denkt ihr, Deutsche hätten hier besondere Vorteile?
Warum kommt ihr hierher?
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
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Beitragvon Tofi » 22.07.2016 - 23:15

Romana hat geschrieben:Stimmt. Mein einleitender Beitrag hier ist ja nun ziemlich alt und inzwischen habe ich ein oder zwei Dutzend mehr deutscher Rucksacktouristen kennengelernt und habe festgestellt, dass es unter ihnen alle Abstufungen von äußerst primitiv bis hochintelligent, von totalen Versagern bis hin zu lernwilligen und sehr hilfreichen, inspirierenden und produktiven Heldengemütern gibt. Was mich aber nach wie vor interessiert ist die Frage:

Mit welchen Vorstellungen kommen junge Deutsche nach Australien?

Ist es für euch ein superreiches Land, in dem man die tollsten hochbezahlten Jobs bekommen kann?
Glaubt ihr, es herrscht hier ein Arbeitskräftemangel?
Denkt ihr, Deutsche hätten hier besondere Vorteile?
Warum kommt ihr hierher?


Bei den meisten deutschen handelt es sich um kleine Kinder die gerade das Abi gemacht haben, meist Mädchen. Was erwartest du da an Lebenserfahrung?

Was ich immer nie verstehen kann: Warum sucht sich ein 19jähriges Kind ausgerechnet das absurd teuerste Land der Welt fürs Reisen aus und wundert sich dann das alles 3x so teuer ist wie in Deutschland?
Zwischen hundertausenden deutschen Abituerienten zu sitzen und dabei das Abenteuer des Lebens zu erwarten ist auch irgendwie sehr naiv....
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Beitragvon Carpool Guy » 25.07.2016 - 01:34

Tofi hat geschrieben:Zwischen hundertausenden deutschen Abituerienten zu sitzen und dabei das Abenteuer des Lebens zu erwarten ist auch irgendwie sehr naiv....

Fairerweise muss man dazu sagen, dass man vorher ueberhaupt keine richtige vorstellung hat wieviele deutsche backpacker eigentlich in australien sind. Das wird in den bunten broschueren der anbieter nirgendwo erwaehnt. Australien soll wildniss, natur, lange einsame strassen und freundliche einheimische sein, und in den broschueren kommt es immer so rueber als macht man da was total ausgefallenes, individuelles und exotisches wenn man dort als backpacker hingeht. Kein anbieter wird schreiben "Im moment sind mehr als eine million deutsche mit WHV in australien unterwegs!" :grins:

Wenn man dann im hostel ankommt ist man total geschockt, dass mindestens 50% dort deutsch sprechen. Die ersten 2 wochen ist es noch toll dass man immwer jemanden findet den man fragen kann, danach nervt es nur noch: "Oh, du kommst auch aus deutschland? Dann koennen wir ja deutsch reden!" :cry:
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Beitragvon Romana » 25.07.2016 - 04:53

Das stimmt, CarpoolGuy. Noch schlimmer ist es in Neuseeland. Wir waren im Januar auf Urlaub dort und sind mit einem gemieteten Campervan von Caravan Park zu Caravan Park gefahren und ich kann gut und gerne sagen, dass wir mindestens doppelt so viele europäische, meist deutsche junge Menschen als Neuseeländer oder Australier vorgefunden haben. Das ist wirklich eine neue Art von Massentourismus. Ich frage mich nur, warum all diese Reisenden glauben, hier sofort Jobs zu finden, wo wir doch genügend eigene arbeitslose und ernsthaft arbeitssuchende Einheimische haben? Warum sollten sich die hiesigen Arbeitgeber um Leute reißen, die nach ein paar Tagen oder Wochen wieder weiterziehen wollen? Das ist der Teil, den ich nicht verstehe. Wenn die jungen Massentouristen nur herkämen, um Geld ins Land zu bringen und Spaß zu haben, wäre ja dagegen nichts einzuwenden. Aber mit den Einheimischen um Arbeitsplätze zu konkurrieren ist eine andere Sache.
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
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Beitragvon equinox » 26.07.2016 - 03:55

Romana hat geschrieben:Wenn die jungen Massentouristen nur herkämen, um Geld ins Land zu bringen und Spaß zu haben, wäre ja dagegen nichts einzuwenden. Aber mit den Einheimischen um Arbeitsplätze zu konkurrieren ist eine andere Sache.


Wenn die jungen Leute nur nach Australien kämen, um Spaß zu haben und Geld in's Land zu bringen, dann bräuchten sie kein working holiday visa; ein einfaches und vorrallem kostenloses visitor visa würde dafür vollkommen ausreichen.

DAS ist ja gerade die Crux!

Indem das australische Immigration Government auch visa MIT Arbeitserlaubnis herausgibt ----> WHV, suggeriert diese Tatsache auch gleichzeitig, dass es genügend Arbeit und ausreichend Arbeitsplätze während eines travel-Aufenthaltes gibt!

Die jungen backpacker glauben, dass sie mit dem WHV nicht nur eine ArbeitsERLAUBNIS, sondern auch gleichzeitig eine ArbeitsplatzGARANTIE quasi in Händen haben. Ein fataler Irrtum, der allerdings auch von der australischen Tourismus-Branche nur allzugern forciert wird. An der arbeitsmarktpolitischen Situation geht das allerdings meilenweit vorbei.

Den jungen Leuten, die enthusiastisch nach Down Under kommen - wobei für die meisten bereits der Flug und die geforderten finanziellen, nachweisbaren Mittel bereits ein Vermögen darstellen - darf man diese Fehleinschätzung allerdings nicht zum Vorwurf machen. DAS sind Indvidualisten und IDEALISTEN.
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Beitragvon Romana » 26.07.2016 - 06:46

Ja, da gebe ich dir völlig recht, equinox. Es ist nur traurig zu sehen, wie die Ideale mancher junger Menschen dann durch die raue Realität zerschlagen werden. Ich finde, Foren wie dieses und Reisebine im Allgemeinen leisten einen wertvollen Beitrag, indem sie den jungen Reisenden ein realistischeres Bild von Australien vermitteln als die glanzvolle Reisebürowerbung es tut - und dadurch mancher Enttäuschung vorbeugen bzw. den jungen Menschen nahelegen, ihre Reise besser vorzubereiten.

Wie könnte diese Vorbereitung aussehen? Wenn sich jemand zum Beispiel einen Job bei der örtlichen Weinlese oder Olivenernte sichern will, ist es eine gute Idee, vorher schon mal diese Art von Arbeit zu Hause zu üben, eventuell als freiwilliger/unbezahlter Helfer in den Schulferien. Weinberge gibt es auch in Deutschland überall und zu den Olivenhainen in Italien oder Spanien ist es auch nicht allzu weit. Auch wenn es vielleicht nur ein paar Tage sind, weiß man nach dieser Erfahrung zumindest schon mal, ob einem diese Arbeit liegt und ob man Talent dafür hat. Genauso kann man Kellnern, Putzen oder sonstige "übliche Backpackerarbeiten" schon zu Hause mal vorüben und sich ein paar Arbeitszeugnisse zum Mitnehmen übersetzen lassen. Über Foren wie dieses vorab einige neue Freundschaften mit Einheimischen anzubandeln kann freilich auch nicht schaden. Und natürlich sollte man schon zu Hause sein Englisch optimieren und den Führerschein machen!
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