Als Swagman Geld verdienen

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Romana
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Als Swagman Geld verdienen

Beitrag von Romana » 03.11.2016 - 09:54

Ich frage mich immer, warum kein deutscher Backpacker auf die Idee kommt, sich sein Geld in Australien als "Swagman" zu verdienen!?
Vielleicht, weil die meisten nicht wissen, was ein Swagman ist. Und doch kennen fast alle das Lied WALTZING MATILDA ... (aber verstehen es wahrscheinlich nicht ...)

Kennt ihr die deutsche Tradition des "reisenden Handwerksgesellen"? Etwas ähnliches ist der "Swagman".

Er ist praktisch die uraustralische Version eines Farmarbeiters, der mit Rucksack, Kochtopf und Einmannzelt (hier "Swag" genannt) von Farm zu Farm wandert und seine Dienste als Tagelöhner anbietet. Also im Prinzip nichts anderes als das, was der typische deutsche Rucksacktourist mit einem Working-Holiday-Visum tut oder eigentlich tun möchte - doch im Gegensatz zum typischen deutschen Backpacker hat der Swagman eine seit 200 Jahren bewährte und erfolgreiche Methode.

1. Ein Swagman trägt, wie der Name schon sagt, seinen Swag mit - er braucht also keine Unterkunft, sondern nur einen Platz auf der Farm, wo er seinen Swag aufschlagen kann. So ein Swag wiegt in der Regel um die 8 Kilo und hat schon eine Matratze drin. Man legt nur noch den Schlafsack rein, macht es sich bequem, zieht den Reißverschluss zu und betrachtet durch das Moskitonetz den herrlichen Sternenhimmel. Und er trägt auch einen Kochtopf mit (im Lied "Blackbilly" genannt) und weiß, wie man ein kleines Lagerfeuer macht, um sich ein Süppchen zu kochen (oder von mir aus Nudeln mit Tomatensoße).

2. Ein Swagman trägt seine eigenen Arbeitswerkzeuge mit. Viele Swagmen sind Schafscherer - das ist so ziemlich die traditionellste, typischste und am weitesten verbreitete Arbeit dieser sehr begehrten und beliebten "Landstreicher". Viele machen aber auch gern andere Arbeiten und sind zum Beispiel mit ein paar kräftigen Scheren zum Bäume- und Weinrebenbeschneiden unterwegs. Oder sie helfen bei Erntearbeiten mit.

3. Der Swagman ist ein selbständiger Unternehmer. Er hat eine ABN (Australian Business Number) und stellt dem Farmer eine - meist handgeschriebene - Rechnung über einen frei vereinbarten Betrag aus. Damit hat der Farmer keinen Papierkram und keine Scherereien wie mit angestellten Lohnarbeitern und das Finanzamt ist auch zufrieden.

4. Der Swagman ist frei und liebt seine Freiheit. Er arbeitet für wen er will, wann er will, wo er will und für wieviel Geld er will. Er würde diesen Lebenstil gegen keine Festeinstellung der Welt eintauschen. Er klopft einfach an die Tür eines beliebigen Farmhauses, vor dem er ungeschorene Schafe oder unbeschnittene Bäume oder Weinreben oder ungeerntete Feld- oder Baumfrüchte sieht, und bietet dem Farmbesitzer seine Dienste an. Und so läuft das schon seit 200 Jahren.

Nun? Wer will sich von der Herde der Backpackermasse abschotten und Swagman werden? Ich hoffe, ich habe euch ein wenig inspiriert. :)
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
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