Farmwork, abn Nummer?

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Moderator: Yassakka

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Isi21
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Farmwork, abn Nummer?

Beitrag von Isi21 » 20.02.2018 - 07:28

Hey

Ich bin hier irgendwie aufgeschmissen und Blicke nicht so ganz durch :???:
Vielleicht kann mir jemand weiterhelfen..

Also ich hin auf einer farm und der Farmer meinte ich brauche eine ABN Nummer um zu arbeiten oder ich soll unter einem contractor arbeiten...?
Was bedeutet das?
Dass ich weniger Geld bekomme im Endeffekt? Und wenn ich eine abn Nummer mache was zieht das für ein rattenschwanz mit sich zum Thema Steuer etc?

Ich will auf der farm eigentlich nur meine 88 Tage für mein 2nd year abarbeiten.. Geht das wenn ich über ein contractor arbeite überhaupt? :?: die meinten zu mir wenn ich über den contractor arbeite muss ich auch keine Steuern und so zahlen das kommt mir alles irgendwie komisch vor und ich weiß nicht was ich glauben kann und was nicht..

Danke schon mal im voraus
Romana
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Re: Farmwork, abn Nummer?

Beitrag von Romana » 22.02.2018 - 00:02

Meine Erklärung dazu als ehemalige australische Tier- und Olivenfarmerin: Viele Kleinbauern wissen nicht, wie man den Papierkram rund um angestellte Arbeiter richtig macht - und das ist auch verständlich, da sich die Regeln jedes Jahr ändern. Sie wollen sich einfach nicht damit belasten oder blicken da beim besten Willen nicht durch.

Die "Contractors" nehmen ihnen diese lästige und undurchsichtige Arbeit ab. Sie wissen über die aktuellen Gesetze bescheid, prüfen die Papiere der Arbeiter (z. B. ob sie eine Arbeitserlaubnis haben) und stellen alle nötigen Papiere aus (z. B. Lohnzettel). Manche "Contractors" werden vom Staat bezahlt (z. B. Madec) und zahlen dir deinen ganzen Lohn ohne Abzüge aus, andere behalten eine angemessene Provision ein. Sie organisieren die Arbeitseinsätze, fahren die Arbeiter hin, erklären ihnen alles, erstellen Verträge zum Schutz der Arbeiter und der Arbeitgeber, berechnen und bezahlen die Steuern (daher musst du selbst keine Steuern zahlen, weil sie schon vom Contractor direkt abgeführt werden), zahlen pünklich und exakt die Löhne aus, füllen Melde- und Steuerformulare aus usw. - also haben nicht nur die Arbeitgeber, sondern auch die Arbeiter sehr viele Vorteile von dieser Zusammenarbeit. Alles ist dokumentiert, alles ist legal und ordnungsgemäß, und man kann sich als Arbeiter sicher fühlen. Und der Bauer kann sich auf seine eigentliche Arbeit konzentrieren und sich auf den Trraktor setzen statt an den Schreibtisch.

Eine ABN ist wieder ganz ewas anderes. Die macht dich zum selbständigen Unternehmer. Die großen Vorteile sind: Du kannst selbst direkt mit Arbeitgebern die Löhne und Arbeitsbedingungen aushandeln, ohne dich um die tausend Gesetze scheren zu müssen. Du kannst dir deinen Lohn bar ohne Belege auszahlen lassen oder du kannst dir selber Belege ausstellen, und du kannst ganz viele Ausgaben von der Steuer abziehen, z. B. für Unterkunft, Arbeitskleidung, Werkzeuge, Benzin usw. In der Regel zahlt ein schlauer Kleinunternehmer kaum jemals Steuer, wenn er sich kundig macht. Und der Bauer braucht wie beim Contractor selbst auch keinen Papier- und Steuerkram zu machen, außer dass er dir vielleicht einen kleinen Vertrag unterschreibt, in dem du selbst deine Regeln festgelegt hast.

Der einzige Nachteil ist: Du musst einmal im Jahr selbst eine Steuererklärung ausfüllen und deine Einkommenssteuer berechnen und bezahlen oder dem Finanzamt korrekt vorrechnen, dass leider nichts für den Staat übrig geblieben ist ;) - kurz, der lästige Papierkram bleibt an dir hängen. Aber dafür stehen dir jede Menge Jobs zur Auswahl - denn einen selbständigen, proaktiven, informierten, reifen Menschen mit ABN beschäftigt jeder Bauer viel lieber als jemanden, der ihm eine Menge Schreibtischarbeit aufbürden will und nur Ärger macht - d. h. den regulären Backpacker, der auf seinen "gesetzlichen Mindestlohn" und seine "Rechte" pocht, vor denen der reguläre Bauer kaum Ahnung hat.

Also ja - ich verstehe deinen Bauern sehr gut! Und ich würde mir wünschen, dass viel mehr Backpacker den mutigen Schritt ins freie Unternehmertum wagen! Im Prinzip ist das wie "schwarz für Geld bar auf die Hand" zu arbeiten, nur eben völlig legal für alle Beteiligten und vom Staat und vor allem von jedem Kleinunternehmer oder Bauern, der Hilfe braucht, gern gesehen.

Deine 88 Tage fürs 2. Visajahr kannst du auf alle drei Weisen abarbeiten. Du musst halt nur die Papierchen sammeln, die belegen, dass du so viele Tage für einen gewissen Lohn in gewissen Gebieten und gewissen Branchen gearbeitet hast. Ob dir diese Papierchen ein Contractor oder der Bauer selbst ausstellt oder ob du sie dir als ABN-Geschäftsmann selbst zusammenschusterst, ist egal. Mit ABN zahlst du aber auf jeden Fall die wenigsten Steuern und kannst den größten Teil deines Verdienstes behalten.
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
Isi21
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Re: Farmwork, abn Nummer?

Beitrag von Isi21 » 23.02.2018 - 23:26

Vielen lieben Dank für die Infos das hat mir auf jeden Fall sehr geholfen bei meiner Entscheidung :smile:
Ich werde mir jetzt eine abn Nummer holen

Liebe Grüße
palo92
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Re: Farmwork, abn Nummer?

Beitrag von palo92 » 14.04.2018 - 22:13

Hallo ihr beiden :-),

sehr interesannter Beitrag von dir Romana. Ich verfolge das ganze Geschehen bezüglich Working Holiday/Backpacker Jobs in Australien schon eine ganze Weile (habe 2014 selbst dort studiert und gearbeitet), habe aber noch auf keiner Plattform eine so verständliche Information zu der ABN bzw den Möglichkeiten als Backpacker erhalten...iwie komisch. Daher umso besser, dass das hier mal aufgegriffen wird. Ich finde es toll, dass du die Backpacker über diesen Weg unterstützt.

Auf jeden Fall bin ich mit einem kleinen Team dabei, dass weltweite Work & Travel Erlebnis zu verbessern und unter anderem auch das Thema "Jobvermittlung" bzw. "Bewerbung" anzugehen. Australien ist natürlich auch im Fokus. Ich würde mich daher wirklich sehr freuen wenn du, Romana, mir eine PN schicken könntest und ich dir dann ein paar Fragen stellen könnte. Die Frage, warum nicht gleich in diesem Forum, möchte ich gerne vorweg beantworten: wir sind ein junges Startup und auch wenn der Prototyp fertig ist, soll dennoch nicht "zu früh" die Geschäftsidee veröffentlicht werden. Ich denke dafür hat jeder Verständnis :-).

Vielen Dank im voraus und ich freue mich über deine Nachricht.

Isi21 dir wünsche ich alles Gute für Australien und eine tolle Zeit! :-)

Gruß
Patrick
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