Welche Scheine/ Referenzen / Erfahrung für Farm-Job?

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Moderator: Yassakka

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Hendryk
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Welche Scheine/ Referenzen / Erfahrung für Farm-Job?

Beitrag von Hendryk » 23.01.2019 - 12:56

Hi,
Ich plane so ab Mitte Oktober mit WHV nach Australien. Ich habe vor dort (auch im Hinblick auf 2nd Year) unter anderem in der Landwirtschaft zu arbeiten.
Nur damit ich mir keine falschen Vorstellungen mache, ein paar Fragen vorab:

Welche Qualis oder Referenzen muss ich haben um bspw. Chaserbin oder combine fahrer zu sein. Ich habe schon ein paar Tage auf mehreren Schleppern gearbeitet (6er,7er&8er Deere (nur Powershift & Gruppenschaltung, kein Stufenlos), 6300er Terrus,Optum340, Quadtrac stx440 und Fendt 936 Vario). Dabei habe ich auf jedem nur ein paar Tage gearbeitet (auf den Deers auch mal 7-8 Tage) und nur einfache Tätigkeiten wie Mulchen,Eggen und Grubbern ausgeübt. Dabei wurde ich jedes mal eingearbeitet und könnte auch jetzt nicht direkt loslegen ohne dass mir jemand noch einmal ein paar Sachen erklärt. Ich habe nie eine Ausbildung oder sonstiges gemacht bei dem man lernt wie man die Geräte in Schuss zu halten hat oder wie man große Hydraulisch oder mit Druckluft betriebene Geräte anschließt. Außerdem habe ich noch ca eine Woche Mais (Körner), und Weizen geerntet. Auch da könne ich jetzt alleine keine großen Riemen ernten oder die Rotoren warten.
Die Grobe Bedienung und vor allem den Umgang mit den großen, schweren Geräten habe ich dabei aber schon gelernt.
Nun meine eigentliche Frage: Reicht das als Referenz aus? Was ist mit "Sprayer" jobs? Ich habe keine Referenz auf Papier die mir bestätigt dass ich dort war. Außerdem habe ich nur die Führerscheinklassen BE und L. Reicht das dort aus, bzw wie werden die überschrieben? Außerdem steht bei vielen Job-Inseraten dass ein Motorradführerschein von Vorteil ist.
Ich habe im Moment leider nur A1 da ich letztes Jahr einfach verpeilt habe den Aufstieg zu machen (werde ich aber bis Australien nachholen). Wie wird die Klasse A2 dort anerkannt?

Danke :)
Carpool Guy
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Re: Welche Scheine/ Referenzen / Erfahrung für Farm-Job?

Beitrag von Carpool Guy » 23.01.2019 - 21:51

Deine vorstellung australischer landwirtschaft ist extrem optimistisch; hast du zuviel Farming Simulator gespielt? :)

Mit "Farmjob" meint man im allgemeinen "billige arbeitskraft, die tomaten pflueckt und in einen eimer wirft".
Leute die dort traktor fahren gibt es, aber das sind entweder die vorarbeiter, oder der beste freund vom vorarbeiter. Wenn der beste freund eben noch nie einen traktor gefahren hat gibt es eine 5 minuten einweisung ("Also hier ist gas, kupplung, bremse, gangschaltung und lenkrad... und mehr musst du auch gar nicht wissen"), und ist damit dann qualifiziert.

Moderne traktoren habe ich ehrlich gesagt auch nie irgendwo in australien gesehen; viele davon waren scheinbar schon 20-40 jahre alt und wurden dann solange gefahren bis sie nichtmehr reparierbar waren. Oft gab es auch nur pickup trucks die langsam neben den feldern mitgefahren sind, und wo die pfluecker ihr gemuese dann darauf abgeladen haben.
Teilweise wurden alte traktoren wo der motor noch irgendwie lief auch aufgebockt um dann wasserpumpen oder stromgeneratoren auf einem abgelegenen teil der farm anzutreiben.

Kann sein dass farmer auch moderne maschinen einsetzen, aber als backpacker ist man meistens erntehelfer, und die traktoren fahren nicht ueber die gemuesefelder die gerade geerntet werden sollen. Das machen sie sicher bei zuckerrohr oder getreide, aber dazu braucht man in australien keine backpacker.
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Romana
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Re: Welche Scheine/ Referenzen / Erfahrung für Farm-Job?

Beitrag von Romana » 24.01.2019 - 15:06

Ha ha! Ich muss CarpoolGuy hier recht geben. Farmarbeit für Backpacker heißt möglichst billig und möglichst schnell stupide Arbeiten erledigen. Vorbereitung und Qualifikation? Mach Muskelaufbau und Ausdauertraining, bevor du abfliegst, denn sehr viele junge Europäer geben nach einem halben Tag auf, weil ihnen alles weh tut oder weil sie einen Hitzschlag erleiden. Das trifft besonders auf Bananenstaudenpflücken bei 40 Grad Hitze zu - da werden Frauen und schwächlich aussehende junge Männer gar nicht erst genommen. Und nimm genug Geld auf die Reise mit, denn es ist nicht leicht, als Tagelöhner Jobs zu finden, und wenn man sie findet, sind sie in der Regel nicht hoch bezahlt, außer wenn du nach Menge arbeitest und sehr stark und sehr schnell bist. (Die erfahrenen einheimischen Tagelöhner werden es dir vormachen, da staunen die meisten Backpacker nur so, wie schnell die Tomaten oder Erdbeeren oder Weintrauben oder Äpfel in die Eimer fliegen!) Wenn du nach Südaustralien fährst, melde dich schon vorab bei MADEC an, das ist die staatliche Arbeitsvermittlung für die Landwirtschaft, und sie vergibt die Jobs der Reihe nach entsprechend dem Anmeldedatum in der Datenbank (was bei Reisenden freilich dumm ist, es ist aber so).
Ich habe 17 Jahre in Australien gelebt und gebe euch gern Ratschläge, wie ihr eure Zeit dort gut überleben könnt. :grins:
Hendryk
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Re: Welche Scheine/ Referenzen / Erfahrung für Farm-Job?

Beitrag von Hendryk » 25.01.2019 - 00:39

Erstmal danke für die Antworten :)
Dann habe ich mir scheinbar falsche Vorstellungen gemacht. Nein ich habe nicht zu viel Farming Simulator gespielt sondern auch in der realen Welt gearbeitet :) In diversen Videos und auch Forenbeiträgen wird allerdings auch von der modernen industriellen Landwirtschaft berichtet. Wie kommen wie denn alle an solche Jobs (sind alle Ausländer gewesen)? Ich weiß dass ein Kollege von mir mit Claas (als Projekt) dort war und mal zwei Wochen fahren durfte, das war aber glaube ich nicht bezahlt.


Zum Thema Arbeitsmoral: Mir ist klar dass einige sich nicht bewusst sind auf was sie sich bei einem Job in der Feldarbeit (manuell) einlassen, gerade in einem Land wie Australien). Ich habe selbst schon seit ich 14 bin solche Jobs in den Ferien gemacht. Manchmal war es sehr heiß und trocken, manchmal extrem kalt mit Eisregen (wie letztes Jahr bei der Traubenernte). Ich gehe unter Anderem aber auch wegen dieser Herausforderung nach Australien, und nicht weil es das einfachste auf der Welt wäre dort zwei Wochen zu arbeiten und anschließend zu reisen.
Leider Romana habe ich schon einige sehr unqualifizierte Beiträge von dir in diesem Forum lesen müssen weshalb ich (sei mir bitte nicht böse) mit deinen Ansichten nicht übereinstimme. Du und einige andere Leute (mich eingeschlossen) haben verschiedene Ansichten was das WHV betrifft. Klar nimmt man Geld mit, wenn ich Urlaub machen wollte würde ich mir das entsprechende Visum holen- wäre auch billiger. Die Australische Regierung bietet das Work&Travel Programm nicht ohne Grund an. Es wurde mittlerweile sogar so angepasst dass man ein drittes Jahr bleiben kann wenn man die Voraussetzungen erfüllt. Australien hat einen Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft. Und das nicht nur im Obstbau.


Edit: die ausgeschriebenen Stellen waren nicht direkt als "Farmwork" deklariert, ich dachte nur es wäre passend das so zu beschreiben. Ich wusste nicht dass dies zu Missverständnissen führt.
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Re: Welche Scheine/ Referenzen / Erfahrung für Farm-Job?

Beitrag von Chacco » 25.01.2019 - 18:15

Sicherlich gibt es diese Jobs, aber die sind eher die absolute Ausnahme. Und da ist es dann am einfachsten, einfach mal für ein paar Stunden deine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Papier ist geduldig und das ist in Australien zum Glück bekannter, als in Deutschland.
Hendryk
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Re: Welche Scheine/ Referenzen / Erfahrung für Farm-Job?

Beitrag von Hendryk » 02.09.2019 - 16:13

Carpool Guy hat geschrieben:
23.01.2019 - 21:51
Deine vorstellung australischer landwirtschaft ist extrem optimistisch; hast du zuviel Farming Simulator gespielt? :)

Mit "Farmjob" meint man im allgemeinen "billige arbeitskraft, die tomaten pflueckt und in einen eimer wirft".
Leute die dort traktor fahren gibt es, aber das sind entweder die vorarbeiter, oder der beste freund vom vorarbeiter. Wenn der beste freund eben noch nie einen traktor gefahren hat gibt es eine 5 minuten einweisung ("Also hier ist gas, kupplung, bremse, gangschaltung und lenkrad... und mehr musst du auch gar nicht wissen"), und ist damit dann qualifiziert.

[...]
Um das ganze nochmal aufzurollen: ich fliege nächste Woche nach Australien und habe schon meinem Job safe - auf einer Farm mit tatsächlich modernen Traktoren wo ich nix packen picken etc. muss. Und ich würd auch nicht sagen dass das die Ausnahme ist, ich weiß ja auch nicht wo du in Australien warst bzw was du gemacht hast. Habe außer dem Job hier noch 6 weitere Angebote. Hier werde ich sogar vom Zug abgeholt, hab kostenlose Unterbringung und min 25$ die Stunde. Da arbeite ich bis Weihnachten. Danach habe ich schon eine Absprache mit der nächsten farm. Falls ich also Lust habe kann ich direkt weiter machen.
Also vielleicht hats bei euch an der Eigeninitiative gelegen(?)
Es soll aber nicht ein falscher Eindruck entstehen, es ist definitiv gut möglich einen Traktorjob zu bekommen (sogar aus Deutschland). Man muss nur ein bisschen Erfahrung und vor Allem Eigeninitiative mitbringen, die Jobs stehen nicht an irgendwelchen schwarzen Brettern in Hostels.
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Re: Welche Scheine/ Referenzen / Erfahrung für Farm-Job?

Beitrag von Bine » 05.09.2019 - 14:26

Hallo Hendryk,

tausend Dank für das interessante und positive Feedback.

Leider habe ich deinen Post im Januar nicht gesehen, sonst hätte ich dir damals schon gesagt, dass Leute, die anpacken können und zumindest ein bisschen Erfahrungen mit größerer Machinery haben, sehr gute Chancen auf einen Job haben .... und wenn sie dazu auch noch bereit sind, nicht nur ein paar Wochen, sondern auch ein paar Monate zu arbeiten ... oder eben so lange, wie die Arbeit gemacht werden muss, dann sind die Chancen sehr gut.

Und übrigens .... so eine 5-Minuten-Einweisung hatte ich bei einem Farmer in England auch, und wenn man nur etwas Grips hat, dann reicht das auch. Ich habe in Australien mit Traktoren gemäht, gepflügt und gesät .... und es hat einen Heidenspaß gemacht, auch wenn ich damals nichts verdient habe (war Urlaub). Habe bei Freunden gearbeitet, die mir für meine Arbeit (immerhin 3 Wochen - 6 Std täglich) meinen Flug gesponsert haben.
Wäre ich danach nicht noch ein bisschen gereist und dann nach Hause geflogen, hätte ich noch bei Nachbarfarmen weiterarbeiten können.

Viel Spaß wünsch ich dir.

Gruß
Sabine
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