Working Holidays schlecht für spätere Karriere?

Deine Meinung ist gefragt. Diskutiere mit anderen über brisante Reisethemen. Hier bitte keine Anfragen zu einer persönlichen Beratung posten - hier werden interessant und wichtige Themen mit anderen diskutiert.
chica46
Mitglied
Beiträge: 10
Registriert: 13.10.2004 - 09:22
Wohnort: Calw Alter: 20

Working Holidays schlecht für spätere Karriere?

Beitrag von chica46 » 26.10.2004 - 15:56

Hallo!

Da ich im Januar auch nach Aussie fliegen werde und dazu meinen Job als Industriekauffrau hier kündigen muss, frag ich mich ab und zu tatsächlich auch mal, was danach kommt. :roll:
Ich hab jetzt schon von vielen gehört, dass sie nach der Zeit in Aussie Probleme hatten, hier in Deutschland wieder einen Job zu bekommen. Ich hab grad einfach Angst, dass ich jetzt alles aufgebe und danach auf der Straße stehe... Und wenn es dann soweit ist kann ich mir wahrscheinlich von allen Seiten anhören, dass ich ja selber Schuld bin..
Allerdings versteh ich garnicht, warum Arbeitgeber das so ungerne sehen, immerhin verbessert man dadurch ja auch seine Englischkenntnisse und wird offener und lernt vielleicht, besser auf Menschen zuzugehen, ist das etwa nichts? :?: :!:

Was habt ihr für Erfahrungen gemacht? Habt ihr nach Aussie den Sprung wieder geschafft und habt jetzt wieder einen Job, der euch auch Spaß macht?

Bye, Sara
Australia - ich komme!! Im Januar 2005
catchat
VIP Member
Beiträge: 3696
Registriert: 18.09.2002 - 14:45
Wohnort: 40 Jahre / Osnabrück
Kontaktdaten:

Beitrag von catchat » 26.10.2004 - 16:25

es ist NICHT so, dass die arbeitgeber es ungern sehen, wenn du eine zeit im ausland warst. völliger quatsch, wer behauptet denn sowas?
es ist schwieriger hinterher, glaube ich, weil wir uns durch reisen verändern.
mir persönlcih war zum beispiel nicht mehr möglich so zu tun, als wenn ich auf lebenszeit jetzt in der firma xyz arbeiten will. und sowas kommt in einem bewerbungsgespräch auch rüber.
ich denke aber, dass GERADE in der heutigen zeit, wo es viele befristete arbeitsverträge gibt, auch den künftigen chefs entgegenkommt, wenn jemand nach einer bestimmten zeit FREIWILLIG wieder geht oder sich sogar FREUT, einen befristeten vertrag zu bekommen.

so war es jedenfalls immer bei mir. und dann gab es auch keine schwierigkeiten mit jobs mehr.
liebe grüsse
Barbarella
VIP Member
Beiträge: 892
Registriert: 04.12.2003 - 09:43
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Beitrag von Barbarella » 26.10.2004 - 16:30

Ich war zwar in Australien und Neuseeland nur insgesamt 3,5 Monate, hatte aber davor einige Jahre in England gelebt und gearbeitet (anfangs als Au-Pair, später im Büro).

Ich hatte bei der Rückkehr nach Deutschland keine Probleme einen Job zu finden, allerdings war das 1998 wo es sicher noch etwas einfacher war. Grundsätzlich denke ich aber, dass es solche und solche Arbeitgeber gibt. Manche sehen einen Auslandsaufenthalt positiv, andere negativ. Bei meinen Vorstellungsgesprächen wurde meine Zeit im Ausland immer als positiv angesehen, ich mußte mir aber auch oft die Frage gefallen lassen ob ich vorhabe kurzfristig wieder auf Reisen oder ins Ausland zu gehen. :wink:

Mein momentaner Job haut mich zwar nicht wirklich vom Hocker, aber die Firma wo ich vorher gearbeitet habe (dort war der Job ganz jut :smile: ) hat dicht gemacht und ich war froh gleich wieder einen Job zu finden. Ausschlaggebend für diesen Job war übrigens fließendes Englisch.

Laß Dich von diesen Gedanken nicht abhalten Dir einen Traum zu erfüllen. Wenn Du es nur aus "Sicherheitsdenken" nicht tust wirst Du Dich irgendwann darüber ärgern. Wer weiß was danach sein wird, vielleicht kommst Du gar nicht wieder oder landest ganz woanders. Who knows? :grins:
Benutzeravatar
Bine
Administrator
Beiträge: 4063
Registriert: 13.07.2002 - 00:08
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Beitrag von Bine » 26.10.2004 - 16:45

Ich möchte mich meinen beiden Vorrednerinnen vollkommen anschliessen.
Auch ich sehe einen Auslandsaufenthalt sehr positiv für das weitere Berufsleben.

Entscheidend ist doch auch, Sara: Möchtest DU überhaupt in einem Betrieb arbeiten, in dem so "konservativ" gedacht wird?
Was nützt Dir eine Arbeit (persönlich ung beruflich) mit Menschen, die "über den Tellerand noch nie hinausgeschaut haben"?

Ich habe hier schon mehrmals das Beispiel einer alten Freundin angeführt, die nach 18 (ja, 18 !!!) Jahren Weltreise nach Deutschland zurückkam und sich vor Jobangeboten aus mehreren Bereichen nicht retten konnte. Und sie hatte nicht mal irgendeine Berufsausbildung oder Studium!!!
Gut ... das hat ja Barbarella auch schon geschrieben ... lange hat sie es in Deutschland nicht ausgehalten (nur 1/2 Jahr) ..... und ist jetzt in Dubai und arbeitet dort als Repräsentantin für Emirates Airlines, aber da sie Englisch UND japanisch fliessend spricht, wollten sie viele Firmen haben.

Gruss
Bine :cool:
flygirl1982
VIP Member
Beiträge: 227
Registriert: 06.01.2003 - 12:27
Wohnort: Bodensee, 04.10.82

Beitrag von flygirl1982 » 26.10.2004 - 18:06

Also ich denke auch, dass die meisten Arbeitgeber es positiv sehen.
Ich finde ein Auslandsaufenthalt deutet auf Selbständigkeit und einen starken Charakter hin. Ich bekomme das selbst von meinen neuen Klassenkameraden und Lehren ständig zu hören (bin nun nach Ausbildung, arbeiten und Auslandsaufenthalt wieder auf die Schule BKFH) und jeder findet das einfach TOLL :-)
Ganz liebe Grüße
Yvonne
Barbarella
VIP Member
Beiträge: 892
Registriert: 04.12.2003 - 09:43
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Beitrag von Barbarella » 26.10.2004 - 21:43

Ach ja ... so eine Reise/Auslandsaufenthalt bringt einem selber auch unheimlich viel. :smile: Ich bin sehr viel optimistischer und selbstsicherer geworden und sehe vieles entspannter.
alex82
Reisebine Redakteurin
Beiträge: 1435
Registriert: 26.07.2002 - 18:44
Wohnort: München, 32 Jahre

Beitrag von alex82 » 26.10.2004 - 21:52

Hi
Ich glaube auch nicht, dass ein Jahr WHV der Karriere schadet. Eher ist die Regel, dass die Arbeitgeber so etwas gerne sehen. Schließlich gehört auch einiges dazu, einfach mal ein Jahr zu verschwinden und alles hinter sich zu lassen. Und gerade in der heutigen Zeit ist ja Flexibilität so gefragt wie nie - genauso wie gute Englischkenntnisse; die hat man ja nach einem Jahr in DU auf jeden Fall. Ich selbst hab in meinem Lebenslauf auch drin stehen, dass ich in Australien/Neuseeland war - und bis jetzt haben die Personalchefs immer sehr positiv darauf reagiert.

LG alex
travels: Australia, New Zealand, 2x Scotland, Ireland, Thailand, Japan, Sweden, Finland, Norway
planned: Australia
Shue
VIP Member
Beiträge: 1365
Registriert: 16.09.2004 - 15:42
Wohnort: 32, Augsburg

Beitrag von Shue » 27.10.2004 - 10:17

Hallo Sara (ohne h) ;),

ich würde mir auch nicht so viele Sorgen machen. Es kommt wie es kommen soll - das jedenfalls denke ich mir immer. Wenn die Zeit mit dem WHV Dein Traum ist, solltest Du ihn verwirklichen, wenn sich die Chance dazu gibt. Sonst ärgerst Du Dich irgendwann (in 20 Jahren oder so) tierisch, dass Du Dich von solchen Miesmachergründen hast abhalten lassen...

LG, Sarah (mit h... ;) )
Miss Sophie
VIP Member
Beiträge: 521
Registriert: 01.06.2004 - 18:08
Wohnort: 40er Zone erreicht, Trochtelfingen

Beitrag von Miss Sophie » 27.10.2004 - 10:35

ja, auch ich seh das so. denn du zeigst damit auch eine gewisse selbständigkeit, die anderen bewerbern vielleicht fehlt. du zeigst, dass du dich im ausland für ein ganzes jahr "bewähren" und leben konntest. ich hab noch nie etwas gegenteiliges gehört, aber vielleicht gibts arbeitgeber, die "duckmäuse" als blitzableiter und co brauchen? :wink: aber wär das dann dein job, den du dir wünschst? dann solltest du erst recht mal den duft der großen, weiten welt riechen. und in 1 jahr überlegst du, was sich bei dir geändert hat... :grins:
Cheers!
Miss Sophie
chica46
Mitglied
Beiträge: 10
Registriert: 13.10.2004 - 09:22
Wohnort: Calw Alter: 20

Beitrag von chica46 » 29.10.2004 - 11:48

Danke für die beruhigenden und aufbauenden Worte!
Jetzt habt ihr mir wieder etwas Mut gemacht.
Ich denk nämlich eigentlich auch, dass mir die Zeit in Australien viel bringen wird und erhoffe mir davon auch, dass ich danach selbständiger bin und mir auch was zutraue.
Und wer weiß, vielleicht will ich nach dem halben Jahr auch was ganz anderes machen, oder garnicht mehr zurück?? :-)
Ich freu mich jedenfalls schon wahnsinnig auf die Zeit und hoffe, dass sie genauso gut wird, wie ich es mir vorstelle!

Danke nochmal!

Viele Grüße von der Sara ohne H! :grins:
Australia - ich komme!! Im Januar 2005
Ernesto59
Mitglied
Beiträge: 48
Registriert: 13.09.2005 - 21:07
Kontaktdaten:

Beitrag von Ernesto59 » 15.09.2005 - 12:32

Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel...man weiss nie was drin steckt.
Ich kann mir gut vorstellen, dass man sich innerhalb eines Jahres, das man in DU verbringt, sehr verändert.
Und im Leben gibt es nunmal Sachen, die man selbst nie für möglich gehalten hat.
Sagen wir mal, du bekommst durch einen dummen Zufall - triffst jemanden, mit dem du gut auskommst. Dieser kennt jemanden, der jemand kennt, des Onkel gut mit dem Chef von Firma xy befreundet ist und grad jemanden mit Deutschkenntnissen sucht.
Nun bekommst du die Chance dort zu arbeiten und überzeugst die Leute dort. Plötzlich wird dir ein Sponsoring angeboten...und schon hat sich durch die Reise dein komplettes Leben geändert.
Hättest du diesen Schritt Richtung DU nicht gewagt, würdest du vielleicht in einem langweiligen Büro irgendwo in Deutschland sitzen. Unzufrieden mit der momentanen wirtschaftlichen Lage. Schon seit Tagen regnet es ununterbrochen, der zusätzliche Wind mach den Aufenthalt im Freien zur Qual.
Oh, bin wohl ein wenig zu weit vom Weg abgekommen. :D
Aber versuch es mal von der Seite zu sehen. :)
RedEagle
Mitglied
Beiträge: 282
Registriert: 10.04.2005 - 13:37
Kontaktdaten:

Beitrag von RedEagle » 03.01.2006 - 04:14

@Sara,

zerbreche Dir nicht jetzt Deinen Kopf was waere wenn...

Wenn Du von Deiner Reise zurueckkommst, hast Du in AU oft nach Jobs gesucht, dass sozusagen eine gewisse Routine entsteht, und es Dir nichts ausmacht, wenn Du mal keinen Job hast. Was aber nicht passieren wird, da Du auf Deiner Reise auch lernen wirst alles positiv zu sehen, und andere Menschen besser einschaetzen kannst.

Dann wirst Du auch nicht mehr denken, dass Du in D keinen Job mehr findest, da Du in der EU arbeiten darfst...

Welche Leute wuerden zu Dir sagen, dass Du an allem Schuld bist? Waren diese Leute schon mal laengere Zeit im Ausland? Ich glaube nicht...

Wenn Dir Deine Leute nicht passen, einfach zu Leuten gehen, die einen passenden Horizont haben...

Sonnige Gruesse aus Melbourne

RedEagle

P.s.: Hattet ihr Silvester auch 46,8 Grad?
Mariposa
VIP Member
Beiträge: 998
Registriert: 01.09.2002 - 19:56
Wohnort: 32, Barcelona

Beitrag von Mariposa » 03.01.2006 - 18:35

Red Eagle....ich weiß die Hitze, deswegen erkläre ich es dir:
Sara müsste schon seit einem halben Jahr wieder zurück sein, es sei denn sie ist dort geblieben :wink:
RedEagle
Mitglied
Beiträge: 282
Registriert: 10.04.2005 - 13:37
Kontaktdaten:

Beitrag von RedEagle » 04.01.2006 - 02:23

Mir egal ob sie wieder zurueck ist.

Es gibt andere Menschen die sich ueber solche Sorgen grundlos ihren Kopf zerbrechen.
Konnte ja lesen, das der Thread schon etwas aelter ist, aber sollte das jmd. davon abhalten etwas dazu zu schreiben?

Sonnige Gruesse

R.E.
Benutzeravatar
Yassakka
Moderator/in
Beiträge: 4186
Registriert: 03.03.2004 - 16:35
Wohnort: München | Alter: 33
Kontaktdaten:

Beitrag von Yassakka » 04.01.2006 - 11:16

Ich glaube, Mariposa meinte eher deine explizite Anrede an sara und nicht deine Meinung im Allgemeinen. :)
Phil HL
Mitglied
Beiträge: 80
Registriert: 09.12.2005 - 13:10
Wohnort: Lübeck
Kontaktdaten:

Andere Meinung

Beitrag von Phil HL » 13.01.2006 - 11:32

Vielleicht etwas passend dazu bin ich gerade in einer recht bekannten und anerkannten Karriereberatung auf eine ähnliche Anfrage gestossen, ich kopiere das einfach mal hier rein und weise natürlich gleich darauf hin, dass es sich nicht um meine eigene Meinung handelt :wink:
Interessanterweise hab es da danach Zuschriften an den wie gesagt recht bekannten Autor, die ihm heftigste beipflichteten...
Nach dem Diplom: arbeiten oder durch Asien trampen?

Frage:
Ich schildere Ihnen eine kurze Anekdote mit direktem Bezug auf Ihre Karriereberatung. Sie gibt einen teils komischen, teils erschreckenden Einblick in den Realitätsbezug einiger Absolventen.

Ich hatte vor einiger Zeit Gelegenheit, an einem Fortbildungsangebot eines Kompetenznetzes teilzunehmen, das sich an Studenten im Hauptstudium und an Doktoranden richtete. Dabei gab es einen Abend, den die beteiligten Industrieunternehmen ausrichteten.

Die Teilnehmer wurden zum Essen eingeladen, später gab es einen Vortrag mit anschließender Diskussion. Der - exzellente - Vortrag wurde vom Leiter F & E eines Chemiekonzerns gehalten. Der Vortragende ist der maßgebliche Entscheider bei ALLEN Einstellungen von Ingenieuren für diesen Konzern. Hinzu kam als weiterer Industrievertreter ein ranghoher Mitarbeiter eines zweiten, noch größeren Konzerns.

Nach dem guten Essen auf Firmenkosten und dem exzellenten Vortrag ging es in der Diskussion um Berufschancen, Berufseinstieg usw. Ein Student berichtete, er habe gerade sein Diplom abgeschlossen. Der F & E-Leiter gratulierte dem frischgebackenen Diplomingenieur. Dieser wollte aber nun wissen, warum er jetzt solche Schwierigkeiten habe, einen Praktikumsplatz in der Industrie zu bekommen. Das verwirrte den F & E-Leiter etwas, da er nicht verstand, warum der frischgebackene Ingenieur jetzt nicht gleich "richtig Geld verdienen" wolle.

Als erste Antwort erhielt er auf seine entsprechende Frage: "Ich möchte mir den neuen Arbeitgeber auf diese Weise gern vorher ansehen, ob er mir zusagt." Auf diese - wenigstens im Ansatz verständliche - Antwort meinte der F & E-Leiter nur, der Kandidat solle sich doch einfach eine "richtige" Position suchen - die Arbeitgeber würden sich in der Großchemie nicht so sonderlich unterscheiden und als Anfänger dürfe man ja ausnahmsweise auch einmal früher den Arbeitgeber wechseln (etwa nach zwei Jahren).

So um sein Argument für den Praktikums­platz gebracht, rückte der Kandidat nun mit seiner eigentlichen Motivation für die Suche nach dem Praktikumsplatz heraus: Er sei zwar gerade mit seinem Diplom fertig geworden, habe aber einem Kumpel versprochen, mit ihm nach Abschluss von dessen Diplom, also in etwa sechs Monaten, für etwa ein Jahr durch Asien zu trampen. Er suche jetzt eine Möglichkeit, diese Wartefrist zu überbrücken.

Der F & E-Leiter wurde über diese Offenbarung ziemlich ungehalten - wie Sie sich denken können. Er verwies den Kandidaten dringend auf Ihre Karriereberatung, die dem Kandidaten offensichtlich unbekannt war, und vertrat heftigst die Ansicht, dass sich ein solches Verhalten für einen Studienabgänger nicht zieme. Dieser solle seiner Meinung nach schnellstmöglich eine möglichst unbefristete Anstellung anstreben. Dies sah der Kandidat jedoch gar nicht ein, was zu einer heftigen Diskussion (Streit) führte. Der Kandidat hat sich dabei, ohne es zu wissen, vermutlich um zwei potenzielle große Arbeitgeber gebracht.

Ich habe diese Anekdote gerne und wiederholt in meinem Kollegenkreis erzählt und bin dabei auf sehr unterschiedliche Reaktionen gestoßen. Es gibt durchaus Kollegen, die trotz des extremen Beispiels der Meinung sind, dass das Jahr Trampen doch wohl die Privatsache des Kandidaten sei und deshalb durchaus legitim.
...


Antwort:
Die Geschichte gefällt mir sehr, vielen Dank dafür. Unterstreicht sie doch, dass ich in weiten Bereichen die bestehenden Regeln recht gut wiedergebe - wer diese Serie liest, hätte die Reaktion des F & E-Leiters vorhersagen können.

Die besondere Tragik des Falles liegt darin, dass mein Ziel eigentlich darin besteht, genau so etwas zu vermeiden. Aber wenn dieser junge Absolvent (der "Kandidat" in Ihrer Anekdote) diese Beiträge nicht liest, dann kann ich ihm auch nicht helfen.

Setzen wir uns aber vorsichtshalber (denken Sie an Teile Ihres Kollegenkreises) auch mit der angesprochenen Sachfrage auseinander: Darf ein frischgebackener Jungakademiker ein Jahr durch Asien trampen (oder etwas Ähnliches auf anderem Gebiet unternehmen), statt mit der beruflichen Arbeit zu beginnen?

Die Antwort ist kurz, präzise und zweifelsfrei nur so möglich: Klar, er darf. Er ist ein freier Mann in einem freien Land und darf vor oder nach dem Examen ein Jahr oder zehn Jahre trampen oder meditieren - was immer er will. Niemand wird ihm daraus einen Vorwurf machen.

Es sei denn, er will etwas von anderen Leuten, was nur diese ihm geben können. Beispielsweise eine Anstellung. Dann wirkt sich das "Freiheitsprinzip" ebenso auf der anderen Seite aus: Die können nun ihrerseits einstellen, wen sie wollen. Und solange sie eine Auswahl treffen können, nehmen sie solche Kandidaten, die ihren Vorstellungen so nahe wie möglich kommen.

Und anspruchsvolle Arbeitgeber bevorzugen in der Regel (nichts gilt je in 100 % aller Fälle, dazu sind Menschen zu verschieden im Denken und Handeln) einen Berufseinsteiger, der erst "schnell und gut" studiert hat - und nach dreizehn Jahren Schule sowie sechs Jahren Studium jetzt darauf brennt, sich endlich einmal in der beruflichen Praxis bewähren zu dürfen. Oder der, anders ausgedrückt, nicht so überdeutlich Privates vor Berufliches stellt. Und bei dem man nicht zittern muss, was bei ihm als Nächstes kommt. Wer seinen ganzen Berufsweg gefährdet, um einem Hobby nachzugehen, wird wohl - das dürfen Arbeitgeber denken - auch sonst im beruflichen Alltag die falschen Prioritäten setzen ("Nein, Chef, heute Abend kann ich nicht an der Besprechung teilnehmen, ich gehe zum Kegeln.").

Dies ist eine der - wenn man so will - "Beschränkungen", denen man unterworfen ist, wenn man vom Entgelt eines "abhängig Beschäftigten" leben will (offizielle Definition des Angestellten). Und es ist, dies als Warnung, noch keinesfalls die schlimmste!

Um allzu emotionalen Meinungsäußerungen von Lesern vorzubeugen, noch diese Klarstellungen:

1. Es ist durchaus möglich, auf einen Entscheidungsträger zu stoßen, der keinen Anstoß an diesem einen Jahr im Lebenslauf nimmt. Vielleicht hat er früher selbst "so etwas" gemacht oder sein Sohn/seine Tochter ist gerade in der entsprechenden Planung. Aber bauen kann man auf diesen speziellen Effekt nicht.

2. Wir könnten uns darüber unterhalten, ob denn nicht die Ablehnung eines solchen Vorhabens durch Arbeitgebervertreter völlig falsch ist. Ob nicht tatsächlich die "Jahres-Tramper" a) die besseren Menschen sind und b) danach so viele positive Eindrücke gesammelt haben, dass ihre Chefs noch jahrelang davon profitieren. Diese Diskussion wäre müßig, darum geht es in dieser Serie nicht. Ich will zeigen, wie es in der Praxis tatsächlich ist bzw. gesehen wird - und das steht in der Geschichte unseres Einsenders.

3. Es geht nicht um die Sache (um die geht es eigentlich nie), es geht um den Eindruck, den bestimmte Handlungen bei bestimmten (maßgeblichen) Entscheidungsträgern hinterlassen. Das geht Firmen, die auf Märkten Produkte verkaufen wollen, ganz genau so. Mit Argumenten wie "die müssten doch einsehen ...", ist "am Markt" nichts zu gewinnen - und der Arbeitsmarkt heißt nicht nur so, er ist einer.

4. "Darf man sich denn niemals einen Traum erfüllen, wann sollte ich dann ein solches Projekt angehen?", könnte man fragen. Nun, es ist das Schicksal von Träumen, dass viele davon unerfüllt bleiben. Aber es geht z. B. nach der Berufstätigkeit sowie vor Abschluss des Studiums (Studenten bekommen einen gewissen "Rabatt" für ungewöhnliche Handlungen; eine Verlängerung des Studiums würde weniger kritisch gesehen als die "Arbeitsverweigerung" eines fertigen Akademikers).

5. Sollten Sie den Beruf des Selbstständigen oder freien Künstlers ergreifen, spielen diese Dinge überhaupt keine Rolle. Nur wenn Sie gezielt von anderen abhängig sein wollen, müssen Sie sich fatalerweise nach denen richten. Aber, seien Sie ehrlich, das steckt eigentlich in dem Begriff der Abhängigkeit schon drin.

Exotische Werdegänge mit zum Teil sehr(!) bewegter(!) Jugend, passen offenbar gut zum Berufsbild von Politikern, mitunter von solchen in sehr hohen Ämtern. Aber möchten Sie von Wählern abhängig sein? Das scheint auch seine Tücken zu haben. Obwohl die imstande sind, den merkwürdigsten Typen ihre Stimme zu geben.
Meli
Mitglied
Beiträge: 139
Registriert: 01.06.2003 - 13:47
Wohnort: Brisbane

Beitrag von Meli » 13.01.2006 - 21:09

Super interessanter Artikel, der dieses Thema mal ausführlich von der anderen Seite betrachtet. Ich denke, eine der Kernaussagen ist die: Natürlich hat jeder die Freiheit, zu sagen: "Ich hau jetzt ab und reise erstmal", das mag für einen selbst das Wichtigste sein. Genauso haben die Personalchefs die Freiheit, zu entscheiden, dass sie dann lieber einen Kandidaten nehmen, bei dem nicht die Gefahr besteht, dass er nach ein paar Monaten schon wieder abhaut, weil er sich selbst verwirklichen muss...

Versteht mich nicht falsch, auch ich habe tolle Monate in Oz verbracht, die sicher wichtig waren für mich als Mensch.
Nüchtern betrachtet, aus den Augen des Arbeitgebers, habe ich beruflich die letzten Monate nichts dazugelernt und es war verlorene Zeit - sofern man-wie die meisten Menschen- einem ganz normalen Job nachgeht, der nichts mit Reisen oder Sprachen zu tun hat.

Eine Freundin, die für 6 Monate nach Beendigung ihrer Ausbildung arbeitete und dann 6 Monate nach Australien ging, musste sich z.B. von einem Arbeitgeber die Frage gefallen lassen, ob sie denn dann in 6 Monaten auch wieder weg wäre...

Es gibt sicher verschiedene Chefs und es kommt sicher auf den Bereich an, ich denke, gerade in Berufen, wo Geradlinigkeit (wie Ingenieurwesen, Bankbereich) gefragt ist, wird sehr viel Wert auf eine gewisse Vorhersehbarkeit und Zuverlässigkeit gelegt.

Jeder mag für sich selbst die Entscheidung fällen, ob es die Sache wert ist - allerdings muss man dann auch bereit sein, die Konsequenzen daraus zu ziehen, die evtl. nicht sehr angenehm sind. Denn irgendwann geht die schönste Reise zu Ende und man muss sich wieder dem Alltag stellen....

...jemand, der nach 4 Monaten Reisen auf Jobsuche ist und gespannt ist, wie es weitergeht....

Gruß
Meli
Shue
VIP Member
Beiträge: 1365
Registriert: 16.09.2004 - 15:42
Wohnort: 32, Augsburg

Beitrag von Shue » 14.01.2006 - 01:22

Und trotzdem (Geradlinigkeits-Job hin oder her) finde ich nicht, dass man/frau deswegen auf Traeume verzichten sollte. Schon gar nicht, wenn man nach einer Ausbildung suesse 20 oder so ist - schliesslich will man doch noch was erleben im Leben. Wenn der kuenftige Boss einen fragt "Und? Sind Sie in sechs Monaten wieder weg?" sagt man eben "Nein, weil jetzt bin ich wieder da, habe mir diesen Traum verwirklicht und bin sehr gluecklich damit und bin jetzt hochmotiviert zurueck... bla..." Ich halte es fuer Quatsch, dass nur jemand, der im Bereich Reisen und Sprachen arbeitet, das gefahrlos machen kann. Hilfe, das waere dann ja fast keiner von uns...
...
http://www.sarah-in-australia.de/
Feb 2005 - Jan 2006
Jojo29
VIP Member
Beiträge: 2774
Registriert: 15.08.2003 - 23:59
Wohnort: Hamburg, 38 Jahre

Beitrag von Jojo29 » 14.01.2006 - 13:26

Stimmt! Das hängt immer auch von einem selbst ab, wie das nach Rückkehr läuft und in welcher Branche man arbeitet. Das liegt immer auch am Unternehmen und an den Leuten, die Jobs vergeben.

Es ist allerdings sicherlich positiv, wenn man schon ein bisschen Berufserfahrung hat, bevor man geht, da das bei der Bewerberei nach Rückkehr ein wichtiger Faktor ist. Kontakte sind auch ziemlich wichtig.

Meine Freundin und ich sind Ende Dezember wieder nach D. zurückgekommen und wir haben beide schon wieder einen Job. Sie hat sich gehaltlich sogar noch nett verbessert! Unglaublich, wie ich finde, aber das zeigt halt nur, dass es in dem Thema keine pauschalen Antworten gibt.

Also es kann somit auch anders laufen. Wenn man im Guten geht und ein gutes Standing hat, ist auch nach so einer Nummer immer was möglich.

Ich stehe ja sowieso grundsätzlich auf dem Standpunkt, dass Mut immer belohnt wird! ;-)
Life is a journey!
Next stop: Philippines
Last stop: India & Bhutan

Once upon a time in OZ:
Phil HL
Mitglied
Beiträge: 80
Registriert: 09.12.2005 - 13:10
Wohnort: Lübeck
Kontaktdaten:

...

Beitrag von Phil HL » 14.01.2006 - 14:48

Shue hat geschrieben:Und trotzdem (Geradlinigkeits-Job hin oder her) finde ich nicht, dass man/frau deswegen auf Traeume verzichten sollte. Schon gar nicht, wenn man nach einer Ausbildung suesse 20 oder so ist - schliesslich will man doch noch was erleben im Leben. Wenn der kuenftige Boss einen fragt "Und? Sind Sie in sechs Monaten wieder weg?" sagt man eben "Nein, weil jetzt bin ich wieder da, habe mir diesen Traum verwirklicht und bin sehr gluecklich damit und bin jetzt hochmotiviert zurueck... bla..." Ich halte es fuer Quatsch, dass nur jemand, der im Bereich Reisen und Sprachen arbeitet, das gefahrlos machen kann. Hilfe, das waere dann ja fast keiner von uns...
Mich beschäftigt das Thema schon, weil ich gerne reise und auch mal gerne ne Weile "was anderes machen" würde, mit jungen 26 aber bereits mein Studium hinter mir und ne recht karriereträchtige Position habe. Nur direkt nachm Abi hat mich sowas wir Work&Travel absolut nicht interessiert, da wollte ich lieber schnell ins Studium. Der reiz so ner Sache hat mich erst recht spät ergriffen :wink:

Nun bekomme ich halt solche Sachen und wie sie in Unternehmen angesehen werden live von der Arbeitgeberseite mit. Und man muss es halt mal so sehen: So ne Reise geht ein halbes oder ein Jahr, aber das Arbeitsleben ist ungleich viel länger. Auf jeden Fall sollte man Träume erfüllen (bzw. es zumindest versuchen), denn unerfüllte Wünsche können einen ungleich mehr quälen und das Gefühl was verpasst zu haben kann einen ganz schön fertig machen.
Aber jedem, der noch nicht in nem festen Job gearbeitet hat sei halt gesagt, dass es eben NICHT so einfach und völlig unproblematisch ist wie manche hier es sehen.
Ich habe auch das Gefühl, dass an Menschen in Ausbildungsberufen da andere (nicht so strenge) Erwartungen gestellt werden wie an Akademiker, von denen man da absolut stimmige Lebensläufe erwartet, wenn sie mal "was werden" wollen. Ausland ja liebend gerne, aber eben dann eher 2-3 Jahr im studierten Beruf. Alles andere ist eher privates Vergnügen, das sehr kritisch gesehen wird.
Ich hatte interessanterweise gerade die Situation, dass in meinem Bereich ein neuer Kollege gesucht wurde. Es wurden x Leute interviewt und die Anforderungen waren echt hoch. Da waren wirklich Top Leute dabei aber mein Chef meinte immer nur, dass es einfach nicht reichen würde und dass es so schwer wäre heutzutage gute Leute zu bekommen...
Einen absoluten Wunschkandidaten gab es, das hab ich damals mitbekommen, der hob sich echt meilenweit von den anderen ab. Wieso er ihn dann nicht gleich mit Handkuss nehmen würde, fragte ich.
Naja, da wär so ein Haken bei dem... Er hätte grad keinen Job (schlecht, weil man will ja am ehesten die, die auch andere wollen..) und zwar deswegen weil er seinen letzten gekündigt hatte um mit seiner Frau 1 Jahr mit Motorrädern durch Nord- und Südamerika zu reisen. Das wäre ihm sehr unheimlich, man weiß ja nie bei so Leuten, ob sie sich dann nach so ner aufregenden Sache wieder in das normale Arbeitsleben eingliedern können, wie sie mit Zeiten, in denen nicht so viel Aufregung ist umgehen können, wie sie mit Frust und so umgehen und natürlich wann sies wieder in die Ferne zieht.
Niemand will halt jemanden einstellen, der unzufrieden ist und nur 1 oder 2 Jahre bleibt...
Tja, er hat die Stelle dann bekommen, weil er eben eune ganze Liga besser war als die anderen Bewerber, aber mit nem Magengrummeln meines Chefs und wenn es einen gegeben hätte, der ähnlich gut gewesen wär, dann wärs das gewesen.
Und: Er hat gerade noch in der Probezeit gekündigt. Hatte nichts direkt mit der Reise zu tun, aber ich denke mal das hat ihn etwas weniger kompromissbereit gemacht.
Rein menschlich übrigens ein absolut toller Typ!
Antworten

Zurück zu „Travel-Talk - Pro & Contra“