Australien auf Eis gelegt :'( Hilflos

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Aussie.Me
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Australien auf Eis gelegt :'( Hilflos

Beitrag von Aussie.Me » 15.04.2019 - 17:17

Hallo liebe Forumuser,

Ich bin vollkommen neu hier im Forum. Durch eine google Suche auf dieses Forum gestoßen und bin froh auch so etwas wie einen Kummerkasten vorgefunden zu haben denn ich brauche momentan wirklich jemanden zum reden. Mein Abenteuer nach Australien verlief anders als erwartet. Darf ich euch davon erzählen?

Gestern habe ich mein Vorhaben nach Australien zu gehen auf Eis gelegt. Ich bin 36, ich wollte raus aus meinem doch überwiegend unglücklichen Leben in Deutschland, ich wollte einen Neuanfang. Mit dem Beruf den ich zwar gelernt hatte aber nie wirklich Berufserfahrung sammeln konnte. Die einzige Chance bat mir, den Beruf an einer Fachhochschule (TAFE) in Australien erneut zu machen, bzw. zu erweitern. Ich wagte das Abendteuer obwohl mir mein Beruf nach über 10 Jahren fremd geworden war. Aber es war die einzige Chance.
2 Jahre hatte ich gebraucht um alles fertig zu bekommen und erfolgreich das Studentenvisum zu erhaschen, davor lagen aber schon einige Hürden und heute frage ich mich, waren das alles ein Zeichen?

Als erstes musste ich wegen Geldmangel meine Pläne verschieben, ich bekam einen neuen Schulvertrag, beim zweiten mal brach ich mir kurz vor Abreise den Fuß, mehr als 6 Wochen krank gewesen: erneut verschieben, beim dritten mal baute mein Education Agent Mist und ich musste wieder verschieben. Ich kam mir langsam so richtig blöd und dumm vor. Ich hatte immer das Gefühl das richtige zu tun, dass das trotz allem mein Weg war. Doch Tage vor meinem Abflug kamen Zweifel auf, es lag niemals an dem Land, niemals an den Leuten, es war die Angst keinen Job zu finden, dass das gesparte Geld knapp werden würde und ich auf der Straße leben müsste und langsam beschlich mich das grösste Problem wieder, was ich eigentlich schon immer hatte aber irgendwie ständig verdrängte, ich wollte meinen erlernten Beruf eigentlich nie wieder ausüben. Eigentlich hasste ich ihn. Dieser Job war irgendwie nie wirklich meiner sondern immer der der anderen, die die damals das alles wollten und mir immer predigten “mach diese Ausbildung, du musst eine haben für dein Leben” Ich hab mich mein Leben lang immer belatschern lassen und das gemacht, damit andere zufrieden waren aber ich hab nie für mich selbst entschieden und gekämpft, und wenn ich mal aus der Reihe getanzt bin dann wurde ich als verrückt abgestempelt mit den Worten “das schaffst du eh nicht” “was willst du damit”
Ich bin diesem Vogelkäfig zum Glück trotzdem oft genug entflohen und hab das gemacht was ich wollte, Au Pair in Amerika, lange Reisen ohne nachzudenken, Irland, Schweden, England. Auch selbst als mich das Berufsleben als Quereinsteiger in einem andrem Beruf wieder einholte, Australien verlies mich nie.

Ich weiss das die Entscheidung in Australien zu studieren die absolut richtige Wahl war, und ich würde es wieder machen, nur in dieser ist falsch. Und das ist das Problem :( Was bringt einen das schönste Land, wenn man nicht glücklich ist, und mit diesem Job war ich es nie. Es fühlte sich so falsch an. Mein Elan war weg, wo ich einst so viel für meinen Traum getan hatte, IELTS Test machen, Panel Doktor aufsuchen, hatte ich zu gar nichts mehr lust. Ich versäumte sogar meinen Handy Vertrag zu kündigen und am Abflugtag heulte ich mir die Augen aus und kam nicht aus denn Bett. Ich wollte zwar meinen Traum leben, er war zum greifen nahe aber die Gedanken daran, dass ich diesen Beruf eigentlich hasste, diese Gedanken, ich die zwei Jahre mit mir rumgeschleppt und verdrängt hatte kamen immer wieder hoch. Es fühlte sich alles so falsch an. Ich wurd’ dieses Gefühl einfach nicht mehr los. Ich freute mich nicht mehr wirklich, (Natürlich freute ich mich jeden Tag riesig auf Australien aber nicht auf diesen Beruf, der damit zusammen hing) Ich lebte aber doch nur noch so in den Tag hinein bis zum Abflug. Ich trödelte und wollte mir nicht mal mehr die Haare machen am Tag der Abreise. Ich kam einfach nicht aus dem Bett und googelte und googelte endlos in der Hoffnung eine Antwort, einen Sinn zu finden auf meine Gefühle zu dem Zeitpunkt und letzten Endes entschied ich mich meine Reise auf Eis zu legen, mit dem Preis, das könnte das letzte mal gewesen sein, so eine Chance ergreifen zu können.

Nachdem der Flug weg war und 2 Tage verstrichen, mischten sich andere Gefühle teilweise dazu, ich fühlte mich wirklich schuldig, ich hatte das Gefühl versagt zu haben, aber am schlimmsten war das Gefühl etwas zu verpassen. Das meine Entscheidung doch nicht richtig war und ich es vielleicht hätte versuchen sollen aber dann blickte ich immer wieder zurück, an die Tage als ich meiner Schule das erste mal anschrieb ich müsste die Klasse verschieben., dann das zweite und dritte mal.. und dann dachte ich auch wieder an meinen Beruf, ich konnte ihn einfach nicht mehr ausstehen.

Vielleicht waren das alles wirklich Zeichen. Ich bin mir sicher es war der richtige Weg zu studieren, eine Chance für ein Leben in Australien nur war es unter falschen Voraussetzungen. Ob meine Entscheidung letztendlich falsch oder richtig war werde ich wohl nie wirklich rausfinden. Aber eins wusste ich immer, einen Job zu bekommen in dem Beruf war nie garantiert, weder neben dem Studium noch wenn ich das Diploma abgeschlossen hätte. Ich hatte nur gesparte 8k in der Tasche die für Studiengebühren waren, weitere 1000 Euro um den ersten Monat den Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich brauchte definitiv einen Job nebenbei, es war immer ein Risiko.

Darüber hinaus erfuhr ich dann noch, dass mein Abschluss wohl nicht mal in Deutschland anerkannt werden würde. Selbst wenn ich mit viel Mut und Eifer alles versucht hätte dort Fuß zu fassen und kein Glück gehabt hätte nach dem Studium einen Sponsor zu finden, in Deutschland wäre der teure 11k Abschluss für die Katz gewesen.

Es ist fast unbeschreiblich zu erzählen was ich gerade durch mache und wie ich mich fühle, wie schwer die Entscheidung war. Sie ist und wird NIEMALS endgültig sein, ich werde weiterhin einen Weg nach Australien suchen, dort hab ich meine Freunde; meine ausgesuchte Familie. Vielleicht werde ich es nicht diese Woche schaffen oder nächsten Monat aber vielleicht ergeben sich Ende des Jahres oder nächstes Jahr neue Möglichkeiten. Ich weiss hier in Deutschland bin ich nur auf Dauer aber niemals entgueltig!!! Hier möchte ich nicht alt werden, hier möchte ich nicht bis zur Rente leben. Mein Weg nach Australien ist weiterhin besiegelt, ich werde von heute an weiter an meinem Traum arbeiten. Ich möchte nicht wieder in den Alltag von Deutschland eintauchen mit der Angst mein Traum würde irgendwann verblassen, nein, ich stehe in den Starlöchern und werde alles daran versuchen dass ich irgendwie einen erneuten Weg finde um nach Australien gehen zu können, und wenn es ein neues Studentvisum ist.

Kennt ihr das vielleicht auch, seit frühester Kindheit war Australien schon mein Traum von mir, aber da war es eher noch ein schwärmen bis das Jahr 2015 kam und ich den Entschluss traf, jetzt oder nie! Nichts kann eigentlich beschreiben wie ich über Australien fühlte all die Jahre, das kann einfach kein Außenstehender verstehen. Ich war oft in Australien, habe dort schon fast als touri einheimisch gelebt, mal einen Monat, mal zwei auch mal länger. Ich hab mich immer als Aussie, niemals als deutsche. Ich liebe das Land, ich mag die Leute, ihre Mentalität. Ich habe auch die andere Seite von Australien kennenlernen dürfen, kein Land ist perfekt auch nicht Australien! Dort es stand fest, in Australien hab ich mein herz verloren.

Jetzt 4 Tage nach meinen Flug, Ich fühle mich traurig, ich fühle mich leer, ich hab meinen Traum fürs erste auf Eis gelegt weil ich mich mit meinen erlernten Beruf, welcher der Hohe Preis war, einfach nicht mehr identifizieren konnte auch wenn die Sehnsucht nach Australien mir keine Ruhe lies. Es fühlte sich einfach falsch an. Der Weg war der absolut richtige aber die Umstände einfach nur falsch. Ich hätte viel Geld in den Sand Gesetz für etwas was ich wahrscheinlich noch nicht mal geschafft hätte weil mir der Sinn und der Elan in diesem Beruf mittlerweile fehlte. Dazu kam auch das die Sicherheit und die Stabilität einfach nicht da war. Es wäre anders gewesen, wie als wenn ich schon einen Job gehabt hätte, wo ich weiß es wird wieder Geld in die Kasse kommen. Das hatte ich ebenfalls nicht.

Vielleicht wäre die Situation eine andere gewesen, wenn ich von Anfang an einen Arbeitgeber gehabt hätte, der meine Lage kennt, der weiss, das ich wenig Erfahrung habe, der aber in mich vertraut hätte, vielleicht hätte ich mich überwinden können, wenn auch nur schwer.
Und so jemand war einfach nicht da, darauf hofft ja jeder, es wäre ja auch mehr als nur ein 6er im Lotto gewesen! Und selbst, wenn man einen Sponsor gefunden hätte, jemanden der dich gerne hätte egal ob viel oder wenig Berufserfahrung, die Regierung mit ihrem Punktesystem und Vorschriften hatte mir garantiert einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Vielleicht findet sich noch ein anderer weg, ich hab meiner Schule am Wochenende alles geschrieben was ich denke und fühle. Seiten lang, habe fast 2 Stunden dranne gessesn. Vielleicht gibt es noch eine andere Möglichkeit. Ich bete und werde nie aufgeben. 🙏🏻 Noch habe ich das Studentenvisum nicht verloren und noch habe ich meine Koffer nicht ausgepackt, noch kann ich einfach sagen, "Ich gehe jetzt"

Doch jetzt stehe ich erst einmal da, völlig Kopflos, die Gedanken überall; nur nicht in Deutschland. Ich bin weiterhin bei meinen Eltern untergebracht, grauenvoll mit 36, aber wo soll ich auch hin?! Meine Wohnung hatte ich aufgegeben, Job war weg. Mein Hab und Gut verstaut bei Freunden. Meine Eltern die nie dafür waren tun so als wenn nichts gewesen wäre, und sind schon wieder zur Tagesordnung übergegangen nur für mich ist nichts mehr wie es einmal war. Ich fühle mich weiterhin sehr unwohl in diesem Land, die Leute, die Mentalität, ich fühle mich hier fremd. Ich konnte mich noch nie mit ihnen identifizieren. Mein Leben lang nicht. Ich bin vielleicht auf dem Pass deutsche aber im Herzen war ich immer Aussie. Ich konnte all die Jahre einigermaßen gut leben, weil ich wusste, Deutschland würde nie endgültig sein, dass ich einen Weg finden würde um hier ausbrechen zu können, um meinen Traum zu folgen, den den ich jetzt erstmal “auf Eis legen” musste. Ich rede eigentlich bewusst nicht vom abbrechen, den diesen Traum, dieses Vorhaben, werd ich niemals abbrechen! Ich werde jetzt weiter versuchen einen andren Weg zu finden, und wenn ich einen neuen Kurs suchen muss, und das Studenten Visum noch einmal neu beantragen muss, so weiss ich, das diesmal alles stimmt. Nie wieder lasse ich es zu das andere sich in mein Leben mischen!
Das Leben ist nie leicht, aber ich gebe nicht auf! Es muss doch noch andere Wege geben! Ich WERDE NIEMALS AUFGEBEN!
oliaust
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Re: Australien auf Eis gelegt :'( Hilflos

Beitrag von oliaust » 19.04.2019 - 01:41

Hallo Aussie.Me,

Ich habe deinen Beitrag zweimal durchgelesen und kann sehen, dass du da wirklich in der Klemme sitzt. Wie sich das anhört hast du mehrere grundverschiedene Probleme. Erstmal sitzt du sitzt in einem Beruf fest, indem du dich nicht entfalten kannst. Das ist wirklich Mist. Wenn die Arbeit keinen Spaß macht, dann bringt so ein Job auf Dauer ohnehin nichts. Man verbringt zu viel Zeit am Arbeitslatz um es zuzulassen, dass der zu einer täglichen Folter wird. An deiner Stelle würde ich die Entscheidung, in welchem Beruf du arbeiten willst, von der Entscheidung in welchem Land du wohnen willst, soweit es geht, getrennt behandeln.

Ich wohne schon seit Anfang der 80er Jahre in Australien (daher mein mäßiges Schriftdeutsch) und es gefällt mir hier auch sehr gut und ich würde nie wieder in Deutschland leben wollen, aber es ist nicht so als ob das Leben in Australien grundsätzlich ein permanentes Traumerlebnis ist. Ich glaube, dass es wichtig ist, dass du zuerst eine Antwort für die Frage findest, was deine beruflichen Ziele sind, bevor du dich auf einen Weg in ein fremdes Land machst, wo du nicht auf die Unterstützung von Familie und Freunden zurückgreifen kannst, wenn das mit dem Lehrgang oder dem Arbeitsplatz nicht klappen sollte, wie du dir das vorgestellt hast.

Ich würde mir an deiner Stelle auch keine Sorgen machen mit 36 für eine Übergangszeit bei deinen Eltern zu wohnen. Ich habe selbst Kinder und es wäre mir lieber, wenn eines meiner Kinder mal eine Denkpause braucht, das mein Kind wieder hier einzuzieht, als das Glück in der Ferne zu suchen. Eine Entscheidung zur anderen Seite der Weltkugel zu ziehen macht man am besten mit klarem Kopf. Das ist nur eine Frage der Zeit, bis du wieder zu einer solchen Reise Startbereit bist.

Gruß aus Sydney
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